Jede Menge los war in den ver­gan­genen Tagen und Wochen auf Schalke. Die schlech­teste Rück­runde der Ver­eins­ge­schichte, der Här­te­fall­an­trag, ent­las­sene Fahrer, eine bevor­ste­hende Mil­lionen-Bürg­schaft durch das Land Nord­rhein-West­falen, aber vor allem und immer wieder: Cle­mens Tön­nies.

Seit 1994 saß der Fleisch-Unter­nehmer im Schalker Auf­sichtsrat, seit 2001 war er dessen Vor­sit­zender. 19 Trainer und fünf Manager hat der Verein in dieser Zeit ver­schlissen. Und immer wieder hat Cle­mens Tön­nies in dieser Zeit dem Ansehen des Ver­eins geschadet. Mit der unwür­digen Demis­sion Rudi Assauers, dem der Auf­sichtsrat das Ver­trauen entzog. Mit Ein­mi­schungen ins ope­ra­tive Tages­ge­schäft, mit pol­ternden Inter­views, in denen er große Töne spuckte. Mit ras­sis­ti­schen Äuße­rungen und zuletzt in seiner Funk­tion als Inhaber eines Fleisch-Unter­neh­mens, das Arbeits­kräfte auf men­schen­un­wür­dige Weise aus­beutet und zum Herd mas­sen­hafter Corona-Infek­tionen wurde.

Cle­mens Tön­nies hat dem Ansehen des Ver­eins wie­der­holt geschadet

Eines kann man Cle­mens Tön­nies jedoch nicht vor­werfen: dass ihm der FC Schalke 04 nicht am Herzen liegen würde. Wenn er voller Inbrunst das Ver­eins­lied schmet­terte oder beim Derby im Gäs­te­block stand, war das mehr als Folk­lore. Tön­nies will das Beste für den Verein, das streitet im Grunde nie­mand ab. Dass das Beste für den Verein in diesen Zeiten wohl sein Rück­tritt ist, hat er nun ein­ge­sehen. Mög­li­cher­weise gerade noch recht­zeitig. Denn zu groß war der Druck, zu groß die Auf­re­gung, die um seine Person immer wieder ent­stand.

In all dieser Auf­re­gung, in diesem hoch emo­tio­nalen Schalker Umfeld ist der Blogger Torsten Wie­land so etwas wie die Stimme der Ver­nunft. Wo andere hyper­ven­ti­lieren, atmet er durch und gibt sach­liche Ein­schät­zungen zur Groß­wet­ter­lage des FC Schalke 04 ab. 

Platz für moderne Struk­turen

Das tat er auch im Sommer 2017. Damals trennte sich der Verein von Markus Wein­zierl und stellte Dome­nico Tedesco als neuen Chef­trainer vor. Ein Trai­ner­wechsel, wieder einmal. Und Torsten Wie­land ver­öf­fent­lichte auf seinem Blog eine kleine Grafik, die er die 04 Jah­res­zeiten“ nannte. Umbruch – Auf­bruch – Ein­bruch – Abbruch“, lau­teten sie.

Das Ende der Ära Tön­nies bietet dem Klub nun die Chance, diesen Zyklus zu durch­bre­chen. Über die Jahre hat der 64-Jäh­rige auf Schalke ein patri­ar­chales System eta­bliert, in dem nichts ohne das Zutun des großen Zam­panos lief. Nun, da der Motor dieses Sys­tems weg­fällt, ent­steht Raum für neue, moder­nere Struk­turen.

Mög­li­cher­weise wird der 30.06.2020 des­halb als ein beson­derer Tag in die Geschichte des FC Schalke 04 ein­gehen. Als der Tag, an dem auf Umbruch, Auf­bruch, Ein­bruch und Abbruch end­lich der Durch­bruch folgte.