23. Oktober 2011
Im Pre­mier-League-Spiel FC Chelsea gegen Queens Park Ran­gers geraten John Terry und Anton Fer­di­nand wegen eines nicht gepfif­fenen Elf­me­ters anein­ander. Im Ver­bal­aus­tausch spielt Fer­di­nand auf Terrys außer­ehe­liche Affäre mit der Ex-Freundin seines ehe­ma­ligen Mit­spie­lers Wayne Bridge an. Derbe Worte sind beim Fuß­ball ganz normal“, wird der Ran­gers-Ver­tei­diger später zu Pro­to­koll geben. Nach dem Match spre­chen sich die beiden Kon­tra­henten aus. Terry stellt klar, dass es von ihm keine ras­sis­ti­schen Äuße­rungen gab.

23. Oktober 2011, abends
Im Internet kur­sieren bereits die ersten Video­auf­nahmen. Fer­di­nands Freundin macht ihn darauf auf­merksam. Erst beim Betrachten der Bilder rea­li­siert er nach eigener Aus­sage die ras­sis­ti­schen Schmä­hungen von Terry: Wenn jemand deine Haut­farbe mit ins Spiel bringt, ist das eine andere Ebene, und es ist sehr ver­let­zend“. Angeb­lich hat ihn der Chelsea-Kapitän als ver­dammte schwarze Fotze“ bezeichnet.

24. Oktober 2011
Bei der Polizei geht die Beschwerde eines Fern­seh­zu­schauers ein, erste Ermitt­lungen werden auf­ge­nommen. Auch in der Öffent­lich­keit regen sich bereits Vor­würfe gegen Terry. Für den ist alles ein Miss­ver­ständnis. Angeb­lich hat sein Mit­spieler Ashley Cole ihn darauf auf­merksam gemacht, dass Fer­di­nand eine ras­sis­ti­sche Belei­di­gung von ihm gehört haben will: Ich dachte zuerst, Anton hätte mir vor­ge­worfen, mich ihm gegen­über ras­sis­tisch geäu­ßert zu haben. Dar­aufhin habe ich mich in einem aggres­siven Ton zur Wehr gesetzt und betont, nie etwas Der­ar­tiges getan zu haben“. Genau diese Stelle ist im Video jedoch nicht zu sehen, da aus­ge­rechnet Ashley Cole durch das Bild läuft.

28. Oktober 2011
Die Politik mischt sich in den Vor­fall ein. Ras­sismus hat keinen Platz ver­dient. Weder im nor­malen Leben, noch in der Welt des Sports. Ich befür­worte daher, dass diese Sache so schnell ans Licht kam und dass die FA so schnell eine Unter­su­chung ein­ge­leitet hat. Sollten sich die Vor­würfe bestä­tigen, ist es ganz klar, dass ange­mes­sene Maß­nahmen ergriffen werden“, erklärt Sport­mi­nister Hugh Robertson.

1. November 2011
Chelsea spielt in der Cham­pions-League-Vor­runde beim bel­gi­schen Klub KRC Genk. Die mit­ge­reisten Fans aus London singen: Wir wissen was du bist, wir wissen was du bist. Anton Fer­di­nand, wir wissen was du bist.“

25. November 2011
Die Polizei ver­nimmt John Terry. Den Vor­wurf der ras­sis­ti­schen Belei­di­gung weist er wei­terhin von sich.

21. Dezember 2011
Die Lon­doner Staats­an­walt­schaft klagt John Terry wegen eines ras­sis­tisch moti­vierten Ver­stoßes an. Nach gründ­li­cher Über­prü­fung der vor­lie­genden Fakten sind wir zuver­sicht­lich, dass es aus­rei­chend Beweise für einen Schuld­spruch gibt“, so Chef­an­klä­gerin Alison Saun­ders.

28. Januar 2012
Um jeg­liche Eska­la­tion zu ver­meiden, ver­zichten der FC Chelsea und die Queens Park Ran­gers nach Absprache mit dem eng­li­schen Ver­band im Pokal­spiel auf den obli­ga­to­ri­schen Hand­schlag vor dem Spiel. Im Pre­mier League-Spiel im April wird eben­falls auf die Geste ver­zichtet.

3. Februar 2012
Auf Anord­nung der FA wird John Terry vom Kapi­tänsamt der Natio­nal­mann­schaft ent­hoben. Hugh Robertson unter­stützt die Maß­nahme: Ich stehe kom­plett hinter der Ent­schei­dung. Es wäre unmög­lich gewesen für John Terry, als Kapitän wei­ter­zu­ma­chen mit einer Anklage, die über seinem Kopf schwebt.“ Selbst Pre­mier­mi­nister David Cameron bezieht Stel­lung: Für Ras­sismus ist in unserem Land kein Platz.“

8. Februar 2012
Eng­lands Natio­nal­trainer Fabio Capello ist mit der Ent­schei­dung, Terry als Kapitän abzu­setzen, nicht ein­ver­standen und tritt von seinem Amt zurück.

16. Mai 2012
Sein Nach­folger Roy Hodgson nomi­niert John Terry für die EM 2012 in Polen und der Ukraine. Rio Fer­di­nand, Antons Bruder und lang­jäh­riger Partner von Terry in der Innen­ver­tei­di­gung der Three Lions, muss dagegen zu Hause bleiben und wird auch nach diversen Aus­fällen in der Vor­be­rei­tung nicht nach­no­mi­niert. Hodgson betont, dass dies rein sport­liche Gründe hat.

13. Juni 2012
Rio Fer­di­nand greift FIFA-Prä­si­dent Sepp Blatter und UEFA-Chef Michel Pla­tini an: Die machen auf­wen­dige Kam­pa­gnen gegen Ras­sismus und pre­digen ein faires und sport­li­ches Mit­ein­ander. Aber was machen sie denn kon­kret, wenn solche schlimmen Dinge pas­sieren? Ich habe die Ant­wort für Sie: Gar nichts! Hier mal 25.000 Euro Strafe, dort mal eine kleine Sperre. Ganz ehr­lich: Wenn die Funk­tio­näre heute etwas erzählen, höre ich gar nicht mehr hin. Ich sage es klipp und klar: Vor Sepp Blatter und Michel Pla­tini habe ich kei­nerlei Respekt mehr.“ Zu John Terry will er erst nach dem Kar­rie­re­ende etwas sagen, dann folgt die Abrech­nung“.

9. Juli 2012
In London beginnt der Pro­zess gegen John Terry. Die Aus­sagen waren ganz klar ras­sis­tisch und ver­let­zend“, erklärt Duncan Penny von der Staats­an­walt­schaft. Der Chelsea-Kapitän plä­diert auf nicht-schuldig und bleibt wei­terhin bei seiner Ver­sion, nur auf die Pro­vo­ka­tion Fer­di­nands in sar­kas­ti­scher Weise reagiert zu haben. Terry droht eine Geld­strafe von bis zu 3150 Euro. Rio Fer­di­nand twit­tert der­weil mit ebenso sar­kas­ti­scher Hin­gabe: Film des Tages: Der Dummschwätzer…mit Jim Carrey. Was für ein Film.“