Die Aus­gangs­si­tua­tion vor dem letzten Spieltag der Saison 2000/01: Der FC Valencia belegt mit 63 Punkten Rang 4 der Pri­mera Divi­sion, der für die Teil­nahme an der Cham­pions League berech­tigt. Gegen den FC Bar­ce­lona, der mit 60 Punkten und einem bes­seren Tor­ver­hältnis auf dem 5. Platz steht, reicht also ein Unent­schieden.

Nach 90 Minuten steht es 2:2, Rivaldo hat einen Frei­stoß zum 1:0 über die Mauer gezir­kelt, und er macht auch das zweite Tor. Doch Valen­cias Baraja gleicht zweimal aus. Nun rennen die Kata­lanen an, rennen an, rennen an, rennen an – kopflos, glücklos, es wird nichts mehr pas­sieren. Oder?

Wenige Sekunden vor Abpfiff führt Frank de Boer einen Ball im Mit­tel­feld, Spieler stehen im Straf­raum, Spieler rufen Dinge, Spieler erwarten ein Anspiel, eine Flanke, einen Pass, irgend­etwas. Dann lupft Frank de Boer den Ball an die Straf­raum­grenze, dort steht Rivaldo mit dem Rücken zum Tor. Und schon in diesem Moment der Flug­phase ist alles erleuchtet.

Rivaldo lässt den Ball von seiner Brust so weit abspringen, dass er einen Meter über seinem Kopf in der Luft schwebt. Das Bild steht in diesem Moment, die Gegen­spieler stehen, die Mit­spieler stehen, das TV-Signal steht. Rivaldo hat genug Zeit, seine Beine ein wenig zu jus­tieren und die Sprung­höhe für seinen Fall­rück­zieher zu bemessen. Dann – springt er ein­fach. Und dann – schießt er ein­fach. Aus. Sechs­zehn. Metern. Direkt. In. Das. Rechte. Untere. Eck. Valen­cias Keeper San­tiago Cani­zares hat keine Chance.

St. Rivaldo, der Du bist im Himmel!“, schreibt eine Zei­tung am Tag darauf. Das hier ist Rivaldo“, jubelt eine andere. Eine impo­sante Wucht, ein unbe­dingter Wille, ein Orkan. Ein Spiel wie ein Orchester, ein Cre­scendo, ein bra­chiales Finale.“ Und damit ist ver­mut­lich alles gesagt.

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Inter­views mit Berg­kamp und Fjört­foft, Repor­tagen über Mara­dona und Messi, Texte von Valdano und Ricken. Das und vieles mehr in: 11FREUNDE SPE­ZIAL Tore“.
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