Seite 2: Ziel: Klassenerhalt

Als Hertha mit drei Nie­der­lagen in die lau­fende Saison gestartet war, kam im Umfeld bereits Unruhe auf. Wie ist die Situa­tion in Fürth nach einem Punkt aus vier Spielen?
In Berlin ist natür­lich ein anderer Druck da. Es ist schön, dass es hier ruhig ist. Aber das heißt nicht, dass wir es uns bequem machen. Wir haben eine Erwar­tungs­hal­tung an uns selbst. In den ersten Spielen haben wir das nicht abge­rufen. Gegen Wolfs­burg dagegen war es echt gut.

Trotzdem hieß es 0:2.
Aber wir haben sehr gut ver­tei­digt. Der Gegner hatte kaum Chancen bis auf ein Bil­lardtor und einen Elf­meter. Jetzt muss der nächste Schritt kommen, wir müssen in der Defen­sive eine Welle über­stehen und danach selbst zuschlagen. Das haben wir uns für Freitag vor­ge­nommen. Wenn wir genauso ver­tei­digen wie gegen Wolfs­burg und viel­leicht mal eine Rie­sen­chance des Geg­ners abwehren, werden wir auch wieder zu null spielen. Dann unter­halten wir uns nicht mehr über Gegen­tore, son­dern über Punkte.

In der ver­gan­genen Saison hat die Mann­schaft wenig Tore kas­siert. Jetzt waren es elf in vier Spielen. Wie schwierig ist dies vor allem für Sie als Tor­wart?
Ich wusste, dass das pas­sieren kann. Die Klasse der geg­ne­ri­schen Spieler ist eben eine völlig andere als in der Zweiten Liga. Ich habe die Chance, mehr Bälle zu halten. In Stutt­gart ist mir das gelungen, leider lagen wir schon 0:3 hinten.

Ist der Klub bereits ein Bun­des­li­ga­verein?
Wir spielen in der Bun­des­liga, weil wir absolut ver­dient auf­ge­stiegen sind. Jetzt wollen wir zeigen, dass wir mit­halten können. Im Verein arbeitet jeder auf dem höchst­mög­li­chen Niveau, um zu kom­pen­sieren, dass andere Klubs ganz andere finan­zi­elle Mög­lich­keiten haben.

Sie kennen die Rah­men­be­din­gungen in Berlin – und inzwi­schen auch die in Fürth bes­tens. Lässt sich das ver­glei­chen?
Der Olym­pia­park ist riesig, hat etliche Trai­nings­plätze. Auch die Kabinen und alles drum­herum ist inzwi­schen auf einem sehr hohen Level. Kurz bevor ich gegangen bin, wurde vieles moder­ni­siert. Aber wir haben auch ein Trai­nings­zen­trum, einen Kraft­raum, drei Phy­sio­the­ra­peuten. Hier gibt es alles, nur eben in klei­nerem Rahmen. Mir gefällt es super. Zum Trai­ning fahre ich manchmal mit dem Fahrrad, das dauert keine zehn Minuten.

Hier gibt es keine Träumer, die nicht wissen, worum es geht. Das ist ein gemein­sames Arbeiten“

Tor­wart­trainer ist Chris­tian Fiedler, mit dem Sie bereits in Berlin zusam­men­ge­ar­beitet haben.
Ich hatte bei Hertha eine super Aus­bil­dung. Egal ob in der Jugend oder später bei Enver Maric oder Chris­tian Fiedler. Dass ich ihn so lange kenne, ist ein extremer Vor­teil. Auf der einen Seite sind die Abläufe und Übungen ein­fach drin. Wir müssen nicht eine Stunde am Tag zusammen Kaffee trinken. Wir gucken uns an und wissen, was der andere denkt. Zum anderen ent­wi­ckelt er sich auch ständig weiter und setzt das im Trai­ning um.

Trainer Stefan Leitl hat sich sehr spät ent­schieden, wer die Nummer eins im Tor ist ist. Waren Sie stets davon aus­ge­gangen, zu spielen?
Das war ein Thema, was wir die letzten Jahre nicht hatten, weil von außen keiner nach­ge­fragt hat (lacht). Ich habe daran geglaubt, dass ich spiele, wenn ich die Leis­tung bringe. In der Vor­be­rei­tung hat man oft mal ein schlech­teres Spiel. Bei mir war es gegen Fener­bahce Istanbul. Dann war es ent­schei­dend, die Woche danach gut zu trai­nieren.

Fürths Auf­stieg galt als Sen­sa­tion. Der Klas­sen­er­halt in dieser Saison würde eben­falls als Sen­sa­tion gelten. Spornt das zusätz­lich an?
Letzte Saison hat auch keiner mit uns gerechnet, das hat uns nicht inter­es­siert. Das Team war über meh­rere Jahre zu großen Teilen zusam­men­ge­blieben. In der Zweiten Liga kann es ein Schlüssel sein, um oben mit­zu­spielen. Hier hatte sich etwas ent­wi­ckelt. Das hat Spaß gemacht, nie­mand hat geschaut, ob er woan­ders mehr Geld bekommen kann.

Und diesmal?
Sind leider einige wich­tige Spieler gegangen. Aber Fürth ist ein Aus­bil­dungs­verein. Dass jemand so viele Jahre da ist wie ich, ist eher die Aus­nahme. Wenn sich für Spieler neue Per­spek­tiven ergeben, ist es eine Aus­zeich­nung für das Trai­ner­team und den Klub. Wir haben ja auch gute Spieler dazu­be­kommen, die in der Kürze der Zeit schon gut inte­griert sind.

Das klappte schnell?
Die Stadt ist nicht groß. Wir ver­bringen viel Zeit auf dem Trai­nings­ge­lände zusammen. Jeder kann den Neben­mann ein­schätzen und weiß, wie er tickt. Hier gibt es keine Träumer, die nicht wissen, worum es geht. Das ist ein gemein­sames Arbeiten. Es macht Bock, jeden Tag her­zu­kommen. Selbst in einer Zeit wie jetzt, in der wir wenig Punkte haben.

Dieser Text stammt von Tages​spiegel​.de und erscheint an dieser Stelle im Rahmen einer Koope­ra­tion.