Herr Bur­chert, erin­nern Sie sich, wann Sie das letzte Mal im Olym­pia­sta­dion gespielt haben?
2015 habe ich unter Pal Dardai zwei Mal für Hertha gespielt, aber aus­wärts. Davor war Jos Luhukay Trainer, mit ihm sind wir 2013 auf­ge­stiegen. Da hatte ich auf jeden Fall das letzte Sai­son­spiel gegen Energie Cottbus gemacht. Das müsste das letzte Mal gewesen sein.

Genau, das Spiel endete 1:1.
Maik Franz hat die Rote Karte gesehen. Wir haben in der Saison einen Punk­te­re­kord in der Zweiten Liga auf­ge­stellt.

Ihr letztes Bun­des­li­ga­spiel mit Hertha BSC im eigenen Sta­dion war gut ein Jahr vorher.
Puh, Moment. Ach ja, 0:6 gegen die Bayern. Ich bin zur zweiten Halb­zeit beim Stand von 0:3 ein­ge­wech­selt worden. Danach haben Gomez und Robben per Elf­meter und Kroos getroffen.

Haben Sie alle Spiele so gut im Kopf?
Die mit Hertha schon. So viele waren es ja nicht.

Am Frei­tag­abend treffen Sie im Olym­pia­sta­dion mit der SpVgg Greu­ther Fürth auf Hertha. Sie spielen zum ersten Mal gegen den Verein, bei dem Sie fast 15 Jahre waren. Macht es das beson­ders?
Von den Spie­lern aus meiner Zeit ist kaum noch jemand da. Drum­herum werde ich aber einige bekannte Gesichter sehen. Henrik Kuchno …

… Her­thas Ath­le­tik­trainer …
… habe ich viel zu ver­danken. Ich freue mich immer, von ihm zu hören. Ansonsten ist der Draht zum Verein nicht beson­ders eng. Aber ich war so lange da, ich werde Hertha immer nahe­stehen. Das gilt auch für meinen Bruder, der früher eben­falls im Verein war und jetzt seit langem in Pader­born ist. Berlin ist und bleibt ein­fach die Heimat.

Wie oft sind Sie in der Heimat?
Meine Eltern wohnen ein kleines Stück außer­halb Ber­lins, ich bin zwei- oder dreimal pro Jahr bei ihnen, im Sommer etwas länger. Meine Tochter ist mitt­ler­weile in der Kita, da bringt es nichts, sie drei oder vier Tage raus­zu­nehmen. Und als ich vor fünf Jahren nach Fürth kam, gab es auf der Strecke von Berlin zwei Bau­stellen, jetzt unge­fähr 20. Das ist kein ent­spanntes Fahren.

Hertha liegt auf Platz 16, Fürth ist Letzter. Was für eine Partie erwarten Sie?
Wir wussten, dass es bei uns vom ersten bis zum 34. Spieltag ein Kampf um den Klas­sen­er­halt wird. Hertha dachte sicher auch, dass es vom ersten bis zum letzten Spieltag ein Kampf wird, hat dabei ver­mut­lich jedoch an andere Tabel­len­plätze gedacht. Ich bin gespannt, wer besser mit der Situa­tion umgeht.

Von der U 19 bis zur U 23 wird dem Nach­wuchs im Tor ver­traut, dann aber wird oft ein­ge­kauft“

Ver­folgen Sie Her­thas Ent­wick­lung intensiv?
Ich habe nur den Blick von außen, aber klar habe ich geschaut, was die letzten Jahre pas­siert ist. Lang­weilig war es nie (lacht). Zu meiner Zeit gab es zwei Ab- und zwei Auf­stiege, da war auch viel Trubel. Aber so etwas wie zuletzt habe ich nicht mit­er­lebt. Als Ex-Her­thaner, der schon in der Jugend dort war, ist es meine Hoff­nung, dass weiter junge Spieler ent­wi­ckelt und ein­ge­setzt werden – auch wenn jetzt Geld da ist.

Auf der Tor­wart­po­si­tion gab es außer Ihnen noch wei­tere Spieler, die es aus dem Nach­wuchs zu den Profis geschafft hatten, aber nicht Nummer eins wurden. Ist das auf dieser Posi­tion nochmal deut­lich schwerer?
Das ist nicht nur bei Hertha so. Auf anderen Posi­tionen führt man Spieler ran, dann können sie rein­schnup­pern. Vom Tor­wart wird gleich erwartet, dass er Top­leis­tungen bringt. Aber Frei­burg bei­spiels­weise hat Alex­ander Schwolow nach einer Aus­leihe damals früh zur Nummer eins gemacht, es gibt also Wege. Ich würde mir wün­schen, dass bei Hertha bei den Tor­hü­tern mit genau so viel Ruhe und Ver­trauen gear­beitet wird wie bei den Feld­spie­lern. Von der U 19 bis zur U 23 wird dem Nach­wuchs im Tor ver­traut, dann aber wird oft ein­ge­kauft.

Sie haben auch kurz bei Valerenga Oslo gespielt und sind seit 2016 in Fürth. Ist es eine Genug­tuung, mit 31 noch Stamm­tor­hüter in der Bun­des­liga geworden zu sein?
Das kann man so sehen, aber ich würde das Wort nicht benutzen. Ich bin nach Fürth gegangen, um zu zeigen, dass ich auf Pro­fi­ni­veau spielen kann. Ich habe ein Jahr gebraucht, mir meinen Platz zu erar­beiten. Dann hatte ich das Ziel, eine Stütze für die Mann­schaft zu werden. Wir haben uns alle zusammen so sehr ver­bes­sert, dass wir auf­ge­stiegen sind. Jetzt geht es darum, dass jeder noch ein Stück besser wird, damit wir drin­bleiben.