Gon­zalo Castro, Sie haben mit Bayer Lever­kusen das Hin­spiel gegen den FC Bayern 2:1 gewonnen. Wussten Sie um die Bedeu­tung des Sieges?
Ich glaube, wir haben damals eine Serie gebro­chen. (über­legt) Seit 20 Jahren hatte Bayer nicht mehr in Mün­chen gewonnen?!
 
23 Jahre waren es. Am 21. Oktober 1989 gewann Bayer das letzte Mal in Mün­chen. Das Siegtor machte Marek Les­niak.
Richtig. Der Hin­runden-Sieg hat sich jeden­falls groß­artig ange­fühlt, das Spiel war ja zugleich die ein­zige Nie­der­lage für die Bayern. Trotzdem wird das Rück­spiel anders. Die Bayern sind diese Saison eben wieder: die Bayern.
 
Bayer Lever­kusen spielt auch eine gute Saison und steht momentan auf Platz 3. Sind Sie zufrieden?
Teil­weise. Ich denke, die Rück­runde könnte besser laufen. Wir haben zu viele Aus­wärts­spiele ver­loren. Dabei spielen wir stre­cken­weise immer noch gut, allein, die Ergeb­nisse stimmen nicht.
 
Sie haben in dieser Saison alle 25 Liga­spiele bestritten und sechs Tore erzielt. Was macht Sie diese Saison so stark?
Meine Posi­tion. Ich spiele nun häufig direkt hinter den Spitzen – eine Mischung aus einem Achter“ und Zehner“ – und kann mich dort besser ent­falten als in der Defen­sive.
 
Früher haben Sie vor­nehm­lich auf der rechten Außen­bahn gespielt. Später auch mal auf der Sechs“. Wie schwer ist es eigent­lich für einen Spieler, sich ständig umzu­stellen?
Ich habe ja bereits unter Robin Dutt einige Spiele im zen­tralen Mit­tel­feld bestritten – und fand mich da eigent­lich ganz gut. In der Vor­be­rei­tung zur aktu­ellen Saison habe ich fast aus­schließ­lich offensiv trai­niert. Ich habe sofort gemerkt: Das liegt mir, das macht mir Spaß.
 
Noch vor einiger Zeit gab es regel­mäßig Dis­kus­sionen um Füh­rungs­spieler im Fuß­ball. Braucht eine Mann­schaft so einen heute noch?
Ich denke schon.
 
Sind Sie einer?
Es gibt nicht nur einen in unserer Mann­schaft. Auch Spieler wie Lars Bender oder Stefan Kieß­ling gehören dazu. Weil ich schon seit 2004 in der Pro­fi­mann­schaft von Bayer spiele, bin ich über Jahre in diese Rolle hin­ein­ge­wachsen. Diese Saison wollte ich diesen Anspruch bestä­tigen, und ich denke, das ist mir ganz gut gelungen.
 
Sie sind 25 Jahre alt und haben nie bei einem anderen Klub gespielt als Bayer Lever­kusen. Unüb­lich in der heu­tigen Zeit. Was macht Bayer so beson­ders?
Ich bin in der Gegend auf­ge­wachsen und spiele bereits seit meinem zwölften Lebens­jahr bei Bayer. Daher kenne ich hier jedes Stein­chen, jeden Mit­ar­beiter, alle Abläufe. Ich fühle mich sehr wohl. Das ist mir wichtig.
 
Sie haben sich sogar ein Haus direkt am Sta­dion gekauft. Bli­cken Sie jetzt täg­lich auf die BayArena?
Nein. Das wäre viel­leicht ein biss­chen viel. Aber wie gesagt: Der Verein liegt mir am Herzen, hier habe ich Fuß­ball­spielen gelernt, hier habe ich Freunde, hier habe ich meine Aus­bil­dung zum Sport- und Fit­ness­kauf­mann gemacht.
 
Sie haben also vor, bei Bayer eines Tages Ihre Kar­riere zu beenden?
Das kann ich jetzt nicht sagen. Ich würde auch gerne mal ins Aus­land wech­seln. Wohin genau, kann ich Ihnen aber nicht sagen.
 
Für Sie als Deutsch-Spa­nier sollte doch die Pri­mera Divi­sion ein Traum sein?
Wer weiß. Wobei die Liga auch nicht so reiz­voll ist, wie man häufig sagt. Nach dem FC Bar­ce­lona und Real Madrid kommt da nicht mehr viel.
 
Schauen Sie denn regel­mäßig die Spiele der Pri­mera Divi­sion?
Klar, vor allem die großen Spiele zwi­schen FC Bar­ce­lona und Real Madrid.
 
Gute Erin­ne­rungen haben Sie per­sön­lich nicht an Bar­ce­lona.
Das Cham­pions-League-Spiel im ver­gan­genen Jahr haben wir 1:7 ver­loren. Messi hatte ein gran­dioses Spiel gemacht, fünf Buden. Blöd, dass wir der Gegner waren. Und beson­ders blöd, weil ich zuvor 40 oder 50 Tickets über den Verein gekauft hatte und die unter meinen spa­ni­schen Ver­wandten ver­teilt hatte.

 
2005 haben Sie sogar mal mit dem dama­ligen Bar­ce­lona-Super­star Ronald­inho zusam­men­ge­spielt. Wie kam es eigent­lich dazu?
Die Bra­si­lianer waren 2005 zum Confed-Cup in Deutsch­land und wollten ein Trai­nings­spiel machen. Aller­dings hatten sie ein paar Ver­letzte im Kader, also fragten sie, ob wir, die A‑Jugendlichen von Bayer, mit­ki­cken wollten. Wir haben natür­lich zuge­sagt.
 
Und danach haben Sie fleißig Auto­gramme ein­ge­sam­melt?
Nein. Hel­den­ver­eh­rung war nie so mein Ding. Ich habe ein Foto mit Ronald­inho gemacht, das war’s.
 
Haben Sie denn ein Vor­bild?
Xavi, Andres Iniesta, Lionel Messi, Cris­tiano Ronaldo – ich muss Ihnen nicht sagen, dass diese Spieler in den ver­gan­genen Jahren Unglaub­li­ches geleistet haben. Doch Vor­bild? Mein Vor­bild ist Rafael Nadal.
 
Was fas­zi­niert Sie an Nadal?
Sein Wille. Der Mann kommt an nahezu jeden Ball. Jetzt hatte er län­gere Zeit eine Ver­let­zung, kam aber sen­sa­tio­nell mit einem Tur­nier­sieg zurück.
 
In Ihrer Jugend wurden Sie häu­figer vom spa­ni­schen Fuß­ball­ver­band zu diversen Lehr­gängen ein­ge­laden. Hätten Sie gerne für Spa­nien gespielt?
Es wäre min­des­tens genauso hart gewesen, dort einen Stamm­platz zu bekommen. Ich habe jeden­falls noch nie meine Ent­schei­dung bereut, mich für den DFB ent­schieden zu haben.
 
Obwohl Joa­chim Löw Sie nicht mehr anruft?
Ich muss mir das zum Teil auch selbst ankreiden. Ich hatte früher keine Kon­stanz. Auf drei gute Spiele folgten drei schlechte. Ich habe mich nicht absetzen können, viel­leicht auch, weil ich noch zu uner­fahren war. Aller­dings glaube ich, dass ich seit zwei Jahren in meinen Leis­tungen sta­biler geworden bin.
 
Sie sind U21-Euro­pa­meister geworden und haben 2007 fünf Län­der­spiele gemacht. Kürz­lich haben Sie gesagt, dass Sie sich vom DFB ver­nach­läs­sigt fühlen.
Ich habe damit nicht mich, son­dern den Verein Bayer Lever­kusen gemeint.
 
Stefan Kieß­ling geht es ähn­lich wie Ihnen. Fehlt den Lever­ku­sener Spie­lern tat­säch­lich eine Lobby beim DFB?
Stefan spielt eine gran­diose Saison, er trifft bei­nahe in jedem Spiel und bereit zudem etliche Tore vor. Der Bun­des­trainer wird seine Gründe haben, dass er ihn nicht ein­lädt. Doch was sollen wir machen? Wir haben nur eine Mög­lich­keit: Weiter Gas geben!