Der DFB hält den Bayern-Elfer für falsch, aber...

Warum das Eingeständnis fehlschlägt

Also hielt sich Drees an seine eigene Leitlinie. Und gab am nächsten Tag dem Südwestdeutschen Rundfunk und anschließend auch der verbandseigenen Homepage ein Interview. Er informierte und erklärte. Die Quintessenz: Es hätte nach der Entscheidung »unbedingt zu einem On-Field-Review kommen« müssen. Drees erklärte, dass die Kommunikation zwischen Siebert und VAR nicht optimal verlaufen sei. Beide Seiten wären von unterschiedlichen Details der Szene ausgegangen. Hätten also zwei ganz andere Dinge bewertet. Kurzum: Sie redeten aneinander vorbei.

Es ist nicht das erste Mal, dass Drees aus der Distanz kritische Situationen richtigstellt. Informiert und erklärt. Er tat das, als sich der erfahrene Wolfgang Stark als VAR am zweiten Spieltag in der Partie zwischen Schalke und Wolfsburg zweimal irrte. Er kritisierte auch die fehlerhafte Kommunikation zwischen Robert Hartmann und VAR Patrick Ittrich, als sie Mainz 05 gegen Hannover einen Elfmeter zusprachen. Auch das war »regeltechnisch falsch«.

Drees kritisiert offen

Es waren Fälle, vielleicht wegen der beteiligten Vereine oder der fehlenden Bedeutung der Spiele, die recht schnell wieder ins Reich des Vergessens gerieten. Diesmal ist das nicht der Fall. Werder Bremen wurde um die Möglichkeit gebracht, das Pokalfinale zu erreichen. Den ersten Titel seit zehn Jahren zu gewinnen.

Und wieder sagte Drees: »Aus schiedsrichterfachlicher Sicht halten wir die Strafstoßentscheidung für nicht korrekt.« Das ist richtig. Denn es war ein Fehler. Drees duckt sich nicht weg, er sagt, was ist. Das ist gemessen an der sonstigen DFB-Kommunikation eine Wohltat. In den vergangenen Jahren wurden Fehler von Schiedsrichtern nicht eigenständig und öffentlich angesprochen. Jetzt schon. Allein, es führt in diesem Fall zu nichts. Denn auch wenn sich Drees im Anschluss bemühte, die individuelle Schuld von Siebert und VAR Robert Kampka zu relativieren, gelang ihm das nicht. Die Schuld, das war Drees klar, lag irgendwo zwischen Mensch und Maschine. Der DFB lernt weiter am VAR.

Die Masse, die nach Abpfiff noch getobt hatte, interessierte das nicht. »Drees räumt Fehler ein«, »DFB: Elfmeter war Fehlentscheidung«, »Schiedsrichter-Boss kritisiert Elfmeter-Entscheidung«. Die technische Erklärung von Drees, so deuteten Medien, Internetnutzer und Leser, sei ein Eingeständnis. Bremen hätte weiterkommen müssen, mindestens. Und die Schuld lag bei Siebert und Kampka.

Platzverweis

Kampka wird am Wochenende, wenn Bremen auf Düsseldorf trifft, nicht wie geplant als Vierter Offizieller am Seitenrand stehen. »Platzverweis für Kampka«, titelte die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Der DFB zog nach den Aussagen von Drees die Konsequenzen und Kampka von diesem Spiel ab.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass das große Erklären und Informieren zwar ein guter Gedanke ist. In der Realität, in der ach so schnelllebigen Zeit und all der Aufregung, aber fehlschlägt. Statt intern etwas aufzuarbeiten, stehen zwei Schiedsrichter öffentlich am Pranger. Einer darf vorerst Spiele von Werder Bremen nicht leiten. Immerhin: Noch muss keiner zum Arzt.