Ich wusste, die Kon­stel­la­tion war per­fekt. Chris­toph Daum hatte damals mit dem 1. FC Köln seine erste Erfolgs­phase und merkte, dass er sich verbal vieles leisten konnte. Ange­sta­chelt von Sport­di­rektor Udo Lattek, dessen Ver­hältnis zu seinem ehe­ma­ligen Arbeit­geber Bayern Mün­chen leicht getrübt war, hatte Daum bei­nahe täg­lich Breit­seiten in Rich­tung des Tabel­len­füh­rers abge­feuert, wie etwa: Nach dem Sieg gegen Inter Mai­land ging es ihm für ein paar Stunden besser. Da war eine Gehirn­win­dung mehr durch­blutet.“



Das konnte Uli Hoeneß nicht auf sich sitzen lassen. Er wollte nicht, dass das Bild des FC Bayern in irgend­einer Weise Schaden nahm und musste zudem Schutz­schild für seinen Freund Jupp Heynckes spielen, der mehr und mehr zu Daums Ziel­scheibe geworden war. In der Öffent­lich­keit wurde Heynckes, der das krasse Gegen­teil von Daum war, zuneh­mend als Schlaf­mütze wahr­ge­nommen. Tat­säch­lich wehrte er sich kaum, wahr­schein­lich weil er wusste, dass er Daum nicht gewachsen war.



Aus dieser Situa­tion heraus ent­stand zunächst die Idee, Daum und Heynckes in der Sport­studio-Sen­dung vor dem ent­schei­denden Spiel zwi­schen dem FC Bayern und Köln auf­ein­ander los­zu­lassen. Als Mode­rator der Sen­dung wollte ich die Gäste per­sön­lich ein­laden. Bei Daum war ich sicher, dass er kommen würde.

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Das Pro­blem war Heynckes. Hoeneß lehnte erst mal rigoros ab. Ich ließ aber nicht locker, und irgend­wann machte Hoeneß mir dann den Vor­schlag: Ich komme mit – und der Lattek muss auch dabei sein.“ Auch den Alt­meister konnte ich schließ­lich über­reden und rief sogleich Uli Hoeneß aus einer Tele­fon­zelle an – damals gab es ja noch keine Handys. Jetzt konnte er nicht mehr raus aus der Nummer und sagte zu. Da sprang ich jubelnd aus der Tele­fon­zelle.

Aller­dings ist es dann hef­tiger geworden, als ich es mir vor­ge­stellt hatte. Vor der Sen­dung unter­hielten sich Lattek und Hoeneß kurz, Hoeneß und Daum gaben sich nicht mal die Hand. Es ging aber auch wirk­lich unter die Gür­tel­linie, was die da abließen. Ich kann mich an einen Satz erin­nern, den Hoeneß raus­schoss – um ihn zu ver­stehen, muss man wissen, dass in unserem Studio in unter­schied­li­cher Höhe jede Menge Fuß­bälle von der Decke hingen. Aus Hoeneß’ Sicht hing einer dieser Bälle direkt hinter Daums Kopf, und da sagte Hoeneß: Mein lieber Freund, das Ding, das da über dir hängt, das ist kein Hei­li­gen­schein, das ist noch immer ein Fuß­ball.“ Daum ließ sich nicht beein­dru­cken, kon­terte, es ging hin und her.

Das Gespräch, wenn man es denn so bezeichnen will, war ziem­lich anstren­gend. Ich musste auf­passen, dass es nicht völlig abglitt. Es war am Rande von Unter­schich­ten­fern­sehen à la Nach­mit­tags-Talk­show. Dafür wurde ich im Nach­hinein auch heftig kri­ti­siert. Die waren ja kurz davor, hand­greif­lich zu werden. Hoeneß schwoll bei jeder Bemer­kung Daums die Hals­ader, wäh­rend man Daum seine Erre­gung kaum anmerkte. Heynckes, der ja damals eh schon den Spitz­namen Osram“ trug, weil er immer einen hoch­roten Kopf hatte, machte seinem Namen alle Ehre, und Lattek saß die meiste Zeit nur neben­dran.

Bei der Ver­ab­schie­dung gingen alle wortlos aus­ein­ander. Im End­ef­fekt lief es trotz des Unent­schie­dens im Rede­duell wie immer: Die Bayern gewannen das ent­schei­dende Spiel in Köln durch drei Tore von Roland Wohlf­arth mit 3:1.