Der Copa-Libertadores-Finalort Santiago steht in Flammen

Ausnahmezustand

2018 musste der Gewinner der Copa Libertadores nach Ausschreitungen im fernen Madrid ermittelt werden. 2019 droht dieser große Wettbewerb erneut im Chaos zu enden.

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Eigentlich sollte dieses Jahr alles besser werden rund um das Endspiel der ruhmreichen Copa Libertadores. Und vor allem: friedlicher. Nachdem in der vergangenen Saison das Final-Rückspiel zwischen den argentinischen Erzrivalen River Plate und Boca Juniors aufgrund von Fan-Angriffen auf den Boca-Bus nach Madrid verlegt werden musste, droht auch die diesjährige Endspiel-Ausgabe in rund drei Wochen (am 23. November) in einem gewaltigen Chaos zu versinken. Der große Showdown zwischen Titelverteidiger River und dem brasilianischen Traditionsklub Flamengo soll nämlich in Santiago de Chile stattfinden. Dort, wo schon seit Wochen schwerste politische Unruhen toben.

 

Am Dienstag dieser Woche, um 17.03 Uhr, ließ eine eher unscheinbare Mitteilung der südamerikanischen Fußballföderation Conmebol aufhorchen. Darin ist, fast beiläufig, die Rede von einem Krisengipfel führender südamerikanischer Fußballfunktionäre mit dem konservativen chilenischen Staatschef Sebastian Piñera: »Die Unterredung mit dem Präsidenten der Republik Chile und den Behörden ist Teil der Vorbereitungen für die Realisierung eines einzigartigen Finales der Copa Libertadores«, ließ die Conmebol wissen.

 

Santiago brennt

Nun, einzigartig ist die diesjährige Auflage des Endspiels allemal, denn anders als in der Vergangenheit wird der Gewinner der Copa Libertadores nicht mehr in Hin- und Rückspiel ermittelt, sondern in einer einzigen Partie auf neutralem Boden. Im »Estadio Nacional de Chile« im seit Wochen brennenden Santiago, der Hauptstadt des kriselnden Andenstaates, wo es tagtäglich zu Straßenschlachten zwischen Anti-Regierungs-Demonstranten und der Polizei kommt – wo Nacht für Nacht Geschäfte, Autos und Müllberge in Flammen aufgehen.

 

Zündfunke war eine Erhöhung der Fahrpreise für die U-Bahn in Santiago. Zwar ruderten die Verkehrsbetriebe alsbald zurück, doch da war es längst zu spät. Die Proteste hatten sich zu einem Flächenbrand entwickelt, denn tatsächlich geht es um viel mehr als um Nahverkehrstarife: Chile steckt in einer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Krise – und die entlädt sich gerade in Gewalt. Zwar baute Präsident Piñera zuletzt eilends sein Kabinett um und räumte ein: »Chile hat sich verändert, auch die Regierung muss sich ändern.« Doch die Protestwelle rollt weiter.

 

»Es ist sehr wichtig, dass das Spiel gespielt wird«

Der Präsident des chilenischen Fußballverbandes, äußerte sich deshalb allenfalls verhalten optimistisch, dass das Finale wie geplant in Santiago über die Bühne gehen kann: »Es ist sehr wichtig, dass das Spiel gespielt wird«, erklärte Sebastian Moreno, »aber wir müssen die nationale Realität berücksichtigen. Als Fußball sind wir auch nur ein Teil der sozialen Wirklichkeit im Land. Wir alle hoffen, dass sich alles normalisiert, aber ich bleibe dabei: Die nationale Realität ist wichtiger als der Fußball.«

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