Han­nover lief im gewohnten 4−4−2 auf, wobei die Stürmer dabei unter­schied­liche Auf­gaben hatten: Wäh­rend sich Sobiech in der Spitze auf­hielt und sich bei geg­ne­ri­schem Ball­be­sitz an Mats Hum­mels ori­en­tierte, spielte Ya Konan um seinen Sturm­partner herum. Der Ivorer wich auf die Flügel aus und suchte häufig den Kon­takt zu Schlaud­raff. In der Defen­sive spielte er etwas hinter Sobiech, sodass ein 4−4−1−1 ent­stand. Die Idee dahinter war, den nume­ri­schen Vor­teil, den der BVB im Mit­tel­feld­zen­trum hatte (Götze, Kehl und Bender gegen da Silva Pinto und Stindl), aus­zu­glei­chen.

Han­nover über­ließ den Dort­mun­dern die Ball- und Spiel­kon­trolle, der BVB hatte im ersten Durch­gang teil­weise bis zu 77 Pro­zent Ball­be­sitz. Die Nie­der­sachsen setzten auf ihr starkes Kon­ter­spiel, dass sie bei Dort­munder Ball­ver­lusten immer wieder auf­blitzen ließen. Beson­ders stark dabei: Die Gegen­stöße wurden fast durch­gängig per Direkt­spiel insze­niert, was das Ver­tei­digen enorm schwer macht. Für Han­nover ist diese Art zu kon­tern typisch – in der Regel kommen sie bei ihren Blitz­an­griffen binnen zehn Sekunden zum Abschluss.

Dort­mund spielte im 4−2−3−1. Wie üblich spielte die Drei­er­reihe hinter Lewan­dowski sehr eng bei­ein­ander. Dies sollte dafür sorgen, dass immer genug Anspiel­sta­tionen in Ball­nähe sind. Außerdem ist es so sehr schwer für den Gegner, die Außen­spieler der Dort­munder zu dop­peln, da ja immer ein oder zwei wei­tere Akteure in der Nähe sind, die sich für Dop­pel­pässe anbieten.

Eine wei­tere, für das Dort­munder Spiel grund­le­gende Folge dieser engen Spiel­weise ist, dass die Außen­ver­tei­diger viel Raum bekommen, um ihre Vor­der­männer zu hin­ter­laufen. Schön zu sehen war dies beim 1:0 durch Lewan­dowski: Blasz­cy­kowski posi­tio­nierte sich im halb­rechten Rück­raum, wohin ihm Han­no­vers Links­ver­tei­diger Rausch folgte. Den frei­ge­wor­denen Raum lief Piszcek im Höchst­tempo an und erhielt dort den Ball – Her­ein­gabe und Voll­endung waren dann nur noch Form­sache.

Dass sich diese Spiel­weise nicht nur auf der ball­nahen Seite zum Erfolg führen kann, zeigte eine Szene kurz nach der Pause. Dort­mund ballte alle Offen­siv­spieler auf der linken Seite, Han­nover schob mit beiden Vie­rer­ketten auf den Flügel. Piszcek erkannte dies, sprin­tete in den rie­sigen Frei­raum und wurde bedient: Der Pfosten bewahrte den Gast­geber vor einem 0:2.

Im zweiten Durch­gang ent­wi­ckelte sich ein sehr tem­po­rei­ches, weniger ein­sei­tiges Spiel. Grund dafür war, dass Han­nover das Dort­munder Auf­bau­spiel durch höheres Pres­sing besser störte. Dass mit Hum­mels der beste Auf­bau­spieler des BVB ver­letzt in der Kabine bleiben musste, spielte Han­nover selbst­ver­ständ­lich in die Karten.

Das Bild der ersten Hälfte kehrte sich nun um: Han­nover drückte auf das 1:1, Dort­mund blieb bei Kon­tern gefähr­lich. Die grö­ßeren Räume hinter Han­no­vers Vie­rer­kette, die sich aus dem höheren Pres­sing ergaben, luden den BVB immer wieder zu Schnitt­stel­len­pässe auf Lewan­dowski oder den ein­lau­fenden Marco Reus ein.

Bei ihren geord­neten Angriffen suchte Han­nover stets Jan Schlaud­raff, heute auf dem rechten Flügel pos­tiert. Von dort aus suchte er selten den Weg zur Grund­linie, son­dern agierte eher als Spiel­ma­cher. Meh­rere Male spielte er von rechts Schnitt­stel­len­pässe zwi­schen Marcel Schmelzer und Felipe San­tana, die häufig für Gefahr und knappe Abseits­ent­schei­dungen sorgten.

Nachdem Mirko Slomka in der 67. Minute schon Mame Diouf für Artur Sobiech gebracht hatte, kam zehn Minuten später mit Mohammed Abdel­laoue noch ein wei­terer Stürmer für den defen­siven Mit­tel­feld­mann Pinto. Han­nover stellte nun auf ein 4−1−3−2 um, in dem Schlaud­raff hinter der Dop­pel­spitze Diouf/​Abdellaoue von Szabolcs Huszti und Didier Ya Konan flan­kiert wurde. Die erhöhte Prä­senz im Zen­trum sorgte dafür, dass der BVB tiefer und enger stehen musste. Han­nover kam nun noch häu­figer als vorher über die Außen­po­si­tionen und konnte von dort einige brand­ge­fähr­liche Her­ein­gaben spielen, unter anderem auf Diouf, der aus zwei Metern vor dem leeren Tor schei­terte. Im Prinzip kopierten sie die BVB-Taktik aus der ersten Halb­zeit, indem sie sie das Zen­trum über­luden und die Außen­bahnen so frei machten.

Letzt­end­lich geht das Ergebnis in Ord­nung, da es ein Spiel der zwei Halb­zeiten war: In der ersten Hälfte kon­trol­lierte Dort­mund den Ball und Gegner, ließ jedoch einige gefähr­liche Konter zu. Haupt­grund für ihre Domi­nanz war die gute Wech­sel­wir­kung zwi­schen den eng spie­lenden Offen­siv­kräften und den nach­rü­ckenden Außen­ver­tei­di­gern. In der zweiten Halb­zeit war es genau umge­kehrt, da Han­nover nun dank höherem Pres­sing zu mehr Ball­be­sitz kam. Zudem stellten sie Dort­mund mit eigenen Mit­teln vor Pro­bleme in der Defen­sive und erar­bei­teten sich den ver­dienten Aus­gleich.