Karl-Heinz Förster, zwi­schen 1986 und 1990 spielten Sie bei Olym­pique Mar­seille. Worauf muss sich der BVB heute Abend gefasst machen?
Wir spielten damals noch im alten Stade Vélo­drome, meist vor aus­ver­kauftem Haus. Die Inten­sität, die von den Rängen kam, trug uns zu so man­chem Heim­sieg. Zur Welt­meis­ter­schaft 1998 wurde das Sta­dion dann ver­än­dert. Da hatte es schon an Charme ver­loren. Zur Euro­pa­meis­ter­schaft 2016 wird es gerade erneut umge­baut. Es ist nur selten aus­ver­kauft, die Stim­mung ist längst nicht mehr so wie zu meiner aktiven Zeit. Da sind die Dort­munder von ihren Heim­spielen ganz anderes gewohnt. In der Hin­sicht braucht man sich also gar keine Sorgen machen.

Und sport­lich?
Auch nicht. Trotz der Ver­letz­ten­mi­sere ver­fügt der BVB noch immer über die bes­sere Mann­schaft. Zumal auch bei Olym­pique mit André Ayew und Mathieu Val­buena zwei der besten Spieler aus­fallen.

Das letzte Gast­spiel der Dor­munder in Mar­seille vor zwei Jahren ging mit 0:3 ver­loren.
Das Ergebnis war ein Witz. Da haben die Dort­munder ein Spiel ver­loren, dass sie nie hätten ver­lieren dürfen. Sie hätten deut­lich führen müssen, dann macht Mats Hum­mels einen Fehler und dann das Unglück nahm seinen Lauf. Aber das wird heute nicht wieder pas­sieren.

Bei OM“ läuft es auch nicht wirk­lich rund. Gerade wurde der Trainer ent­lassen und der Prä­si­dent findet sein Team zum Kotzen“.
Das erin­nert mich an Ber­nard Tapie, meinen dama­ligen Prä­si­denten. Das war ein Typ zwi­schen Genie und Wahn­sinn. Das wurde mir schon bei unserer ersten Begeg­nung klar. Tapie hatte eigent­lich keine Ahnung von Fuß­ball, aber nach der WM 1986 war er der Mei­nung, man müsse unbe­dingt den Förster holen, der sei Welt­klasse. Ein biss­chen Ahnung hatte er also doch (lacht). Er ist dann nach Stutt­gart gekommen, um mir das Ver­trags­an­gebot zu unter­breiten. Als er dann mitten im Gespräch seine Ziga­rette wie selbst­ver­ständ­lich auf der Kuchen­platte aus­drückte war mir schnell klar, dass ich es hier mit einem spe­zi­ellen Cha­rakter zu tun hatte.

Sie sind trotzdem gewech­selt.
Ich möchte die Zeit auch nicht missen. Es waren vier wun­der­schöne Jahre. Und Tapie spielte auch nur eine Rolle, wenn es mal nicht so lief. Eigent­lich lebte er in Paris. Nur wenn wir mal nicht so gut spielten, setzte er sich ins Flug­zeug nach Mar­seille, mar­schierte in die Kabine und machte seinem Ärger Luft. Dann wütete er gegen alles und jeden, auch mal vor ver­sam­melter Mann­schaft gegen den Trainer.

Da ist man wohl lieber mög­lichst schnell aus der Kabine ver­schwunden?
Das war aber nichts gegen den Unmut der Fans. Wenn die sauer waren, wurde es wirk­lich unan­ge­nehm. Dann war­teten sie vor dem Sta­dion auf die Autos der Spieler, und dann ging es zur Sache. Da wurde am Wagen gerüt­telt, manchmal traten sie auch dagegen. Aber mich haben sie zum Glück immer in Ruhe gelassen.

Das klingt aber nicht gerade nach einer wun­der­schönen Zeit.
Zum Glück haben wir ja doch häu­figer gewonnen (lacht). Und mich haben die Fans auch nur einmal geär­gert. Wir mussten damals unsere Tri­kots selbst waschen, eigent­lich unvor­stellbar. Zum Trocknen hingen wir die Sachen immer in den Garten. Bis sie von Fans geklaut wurden. Danach mussten wir uns etwas anderes ein­fallen lassen. Einen VW Golf hat man mir auch mal gestohlen. Aber das waren bestimmt keine Fans.

Haben Sie noch Kon­takt nach Mar­seille?
Wir haben noch Freunde in Mar­seille, die aber nicht unbe­dingt etwas mit Fuß­ball zu tun haben. Ansonsten hat sich das über die Jahre etwas ver­loren. Nur beruf­lich gibt es hin und wieder noch Über­schnei­dungen. Ich habe zum Bei­spiel immer mal wieder mit Jean-Pierre Bernès zu tun. Der war damals sport­li­cher Leiter in Mar­seille und ist heute unter anderem der Berater von Franck Ribery.

Ihr Tipp für das heu­tige Spiel?
Dort­mund gewinnt mit 3:1.