Das fol­gende Ran­king erschien im Februar 2013 in 11FREUNDE 135. Hier lest ihr es erst­mals online.

30. Ulf Kirsten

Ellen­bogen raus
Stürmer sind in der Regel eher Opfer als Täter. Nicht so Ulf Kirsten. Der beherrschte den Infight im Straf­raum per­fekt, ließ sich aber bis­weilen auch zu spek­ta­ku­lären Fouls hin­reißen. Anläss­lich eines Ell­bo­gen­stoßes gegen den Schalker Thomas Linke stöhnte der zustän­dige DFB-Richter: Das war das schlimmste Foul, das wir jemals abge­ur­teilt haben“. Uli Borowka hin­gegen, von dem in dieser Liste noch die Rede sein wird, erzählt voll Hoch­ach­tung, wie ihm Kirsten einmal gleich nach Anpfiff die Beine weg­trat. Begrün­dung: Das war noch vom letzten Mal!“

29. Klaus Augen­thaler
Gegen den Zeit­geist
Den Ruf als veri­ta­blen Klopper erwarb sich Klaus Augen­thaler mit einem ein­zigen, aller­dings bemer­kens­werten Foul, näm­lich dem an Rudi Völler anno 1985 im Münchner Olym­pia­sta­dion. Den Sturm­lauf des ent­eilten Bre­mers stoppte Augen­thaler mit einer ebenso humor­losen wie finalen Grät­sche. Den Ball kann Augen­thaler dabei noch nicht einmal aus dem Augen­winkel gesehen haben. Völler flog weit und hoch und musste nahezu fünf Monate pau­sieren. Schmerz­hafter viel­leicht noch, dass Völler von Franz Becken­bauer dezent auf die Schwere seiner Schuld hin­ge­wiesen wurde. Er sei ein­fach zu schnell“, was unwei­ger­lich dazu führe, dass die Ver­tei­diger öfter mal das Bein statt den Ball“ träfen. Anschlie­ßend holzte Augen­thaler noch ein paar Jahre unver­drossen weiter, bis er not­ge­drungen seinen Stil änderte, weil Zeit­geist und Regel­aus­le­gung gegen ihn arbei­teten. Früher hast du drei- oder viermal hin­langen können, ehe du vom Platz geflogen bist“, stellte er 1990 nicht ohne Bit­ter­keit fest, heute darfst du nur noch zweimal, und das auch nur ganz sachte. Das steht in keiner Rela­tion mehr.“

28. Paolo Mon­tero
Wrestler aus Uru­guay
Uru­gu­ayer. Juventus. Die meisten Roten Karten in der Serie A. Soweit die harten Fakten zu einem noch här­teren harten Abwehr­spieler. Sein Lieb­lings­foul hatte sich Mon­tero beim Wrest­ling abge­schaut. Bei der soge­nannten Clo­thes Line“ wird der Gegner mit aus­ge­strecktem Arm am Hals umge­hauen. Mon­tero muss lange geübt haben. Hatte ansonsten aber auch alle gut ver­steckten und weniger gut ver­steckten Kniffe und Griffe im Reper­toire. Sein Mantra: In der Kabine schüt­tele ich Hände, aber auf dem Feld gibt es keine Kom­pro­misse.“

27. Lee Bowyer
Schlä­ger­vi­sage
So ein wich­tiges Jubi­läum und Lee Bowyer hat es ver­passt! Da hatte der lang­jäh­rige Mit­tel­feld­kämpfer von Leeds United 18 Jahre lang Angst und Schre­cken bei Geg­nern wie Mit­spie­lern ver­breitet. Am Ende aber waren es eben nur 99 Gelbe Karten, die Bowyer ein­ge­sam­melt hatte. Dem Profi mit der Visage eines Knei­pen­schlä­gers kam in die Quere, dass der eng­li­sche Fuß­ball­ver­band Gelb-Rote Karten leider separat wertet. Sei es drum, Bowyer hat sich auch ohne rundes Jubi­läum stol­len­tief in die Erin­ne­rung der Anhänger ein­ge­graben. Für seinen vogel­wilden Faust­kampf mit Team­kol­lege Kieron Dyer, für den er nicht bis zum Abpfiff des Erst­li­ga­spiels warten wollte. Oder für jenen Euro­pa­pokal-Abend an der Elland Road, an dem er Gerardo vom FC Malaga in die eng­li­sche Härte ein­führte, indem er ihn zunächst von hinten umtrat, um ihm anschlie­ßend noch mal kurz mit den Stollen durchs Gesicht zu laufen. Bereits im rei­feren Pro­fi­alter beschimpfte Bowyer, erzürnt über eine Aus­wechs­lung, eine alte Frau auf den Rängen so lange, bis deren halb­wüch­sigem Enkel die Tränen in die Augen stiegen. Nicht über­ra­schend ver­zö­gerte sich Bowyers Beru­fung in die eng­li­sche Natio­nalelf, weil er wegen einer Attacke auf einen asia­ti­schen Stu­denten vor Gericht stand. Klar habe ich einige Male die Grenze über­schritten, aber immerhin habe ich mich nie aus der Ver­ant­wor­tung gestohlen“, bilan­zierte der halb­wegs reuige Haudrauf.

26. Marius Tresor 
Mensch vs. Maschine
Viel­leicht stellt Marius Trésor, fran­zö­si­scher Ver­tei­diger von Welt­klasse, irgend­wann einmal der Wis­sen­schaft seine Ober­schenkel zur Ver­fü­gung. Es wäre nicht über­ra­schend, wären sie bei der Fer­ti­gung mit flüs­sigem Stahl aus­ge­gossen worden. Denn wer auch immer gegen den Aus­putzer von Mar­seille und Bor­deaux kickte, machte bei Grät­schen und Tack­lings die Erfah­rung, dass hier offenbar Mensch gegen Maschine spielte. Einem Star­stürmer nach dem anderen kaufte Trésor durch punkt­ge­naue Inter­ven­tionen den Schneid ab. Dass die Stürmer anschlie­ßend stets hum­pelnd aus dem Straf­raum schli­chen, lag in der Ver­suchs­an­ord­nung begründet, nicht in böser Absicht. Kein Wunder also, dass Trésor nie durch spek­ta­ku­läre Aus­setzer, Kopf­stöße oder häss­liche Tät­lich­keiten auf­fiel, son­dern stets nur durch beein­dru­ckende Inten­sität und Kör­per­lich­keit über neunzig Minuten. Was ihn aus der Masse der rus­ti­kalen Aus­putzer her­aushob, war die Kom­bi­na­tion aus schierer Härte und beein­dru­ckender Technik. Wäh­rend sich andere Ver­tei­diger nur in Aus­nah­me­fällen über die Mit­tel­linie wagten, trieb sich Trésor gerne und aus­giebig in der geg­ne­ri­schen Hälfte herum. Eine Leicht­fü­ßig­keit, die ihn zum Schre­cken seiner Mit­spieler auch zu gewagten Soli im eigenen Straf­raum ver­lei­tete. Außer­halb des Platzes war er ein Gen­tleman alter Schule. Was sich wäh­rend der WM 1982 als hilf­reich erwies, als er einen Mit­spieler nach Toni Schu­ma­chers schreck­li­cher Attacke gegen Patrick Bat­tiston vor einem späten Revan­che­foul bewahren musste. Trésor: Am Tag danach waren wir zusammen mit den Deut­schen am Flug­hafen, und Schu­ma­cher und die Offi­zi­ellen dort lachen zu sehen, war schon hart. Jean Tigana mussten wir sogar zurück­halten.“

25. Burk­hard Reich
Ein echter Schrank
Schalkes Manager Rudi Assauer war außer sich. Sauerei!“ und Treter!“ waren die harm­lo­seren Aus­drücke, die er Burk­hard Reich an den Kopf warf, nachdem der Karls­ruher Youri Mulder mit einem rüden Foul das Kreuz­band durch­trennt hatte. Mulder selbst kün­digte an, Reich einige süd­eu­ro­päi­sche Schläger auf den Hals zu hetzen. Dabei war der kein übler Geselle, nur halt ein echter Schrank. Als Bub wurde er bei Dynamo Berlin wegen Unbe­weg­lich­keit aus­sor­tiert. Dann machte er aus der Not eine Tugend.

24. Maik Franz
Der Kon­sens­rüpel
Das klas­si­sche Rau­bein ist eigent­lich ein Relikt der guten alten Zeit. Im modernen, tech­nisch anspruchs­vollen und tak­tisch kom­plexen Fuß­ball findet ein Wüte­rich der alten Schule nur noch selten Ver­wen­dung. Aber es gibt eben immer auch noch Leute wie Maik Franz. Der ver­steht sich so gut aufs Grät­schen, Che­cken und Pro­vo­zieren, dass er es damit zum Kon­sens­rüpel der letzten Bun­des­li­ga­jahre gebracht hat. Der ver­län­gerte aus­ge­fah­rene Ellen­bogen des Trai­ners auf dem Platz, sozu­sagen. Vor ein paar Jahren brachte er Mario Gomez der­maßen zur Weiß­glut, dass dem im unge­föhnten Inter­view sämt­liche Eti­kette flöten ging: Nor­ma­ler­weise respek­tiere ich im Fuß­ball jeden Gegen­spieler. Aber dieses Arsch­loch … Er ist ein­fach ein unfairer Sports­mann.“ Gera­dezu poe­tisch hin­gegen Werder-Trainer Thomas Schaaf, der klagte: Maik Franz tritt das Fair­play mit großen Schuhen.“ Die Mutter des außer­halb des Platzes lamm­frommen Spie­lers, eine Leh­rerin, wurde in der Schule schon gefragt, ob sie ihren Sohn nicht besser erziehen könne. Franz selbst hin­gegen lebt mit seinem Iron-Maik-Image ziem­lich gut.

23. Tomasz Hajto
Neue Frisur für Maric
Selten waren die Beweise so ein­deutig wie bei Tomasz Hajto, als Zer­störer viele Jahre für Duis­burg und Schalke unter­wegs. Nie­mand kas­sierte in einer Saison so viele Ver­war­nungen wie er, sech­zehn Mal sind ebenso ein­samer Rekord wie die 115 Fouls, die Hajto 2001 von humor­losen Unpar­tei­ischen abge­pfiffen bekam und mit denen er die inof­fi­zi­elle Klop­per­ta­belle der Liga mit weitem Vor­sprung anführte. Selbst ein aus­ge­wie­sener Eisenfuß wie Stutt­garts Viorel Ganea kam da nicht mehr mit. Natür­lich machte Hajto auch mit Solo­pro­jekten von sich reden. Dem fran­zö­si­schen Fein­geist Johan Micoud trat Hajto mit Schma­ckes in die Kron­ju­welen, Wolfs­burgs Stürmer Tomislav Maric ver­passte er im Luft­duell mit dem Ellen­bogen eine neue Frisur. Sein eigenes Wirken führte der Pole allzu bescheiden auf den Über­eifer der deut­schen Refe­rees zurück, die viel zu früh den Karton zückten. Wenn das in Eng­land der Fall wäre, dann hätte der ehe­ma­lige eng­li­sche Natio­nal­spieler Dennis Wise bei jedem Spiel in der fünften Minute die Rote Karte gesehen“, erzählte Hajto dem Revier­sport“ und ergänzte mit pol­ni­schem Under­state­ment: Ich habe in der Bun­des­liga und der Eks­t­ra­klasa so viele Gelbe Karten kas­siert, obwohl ich nicht einmal einen Hauch von Wise’ Spiel­härte habe.“

22. Michael Schulz
Schulz-Dusau
Okay, es gibt Jan-Ingwer Callsen-Bra­cker, doch den schönsten Dop­pel­namen der Bun­des­li­ga­ge­schichte trägt dieser freund­liche Haudrauf aus dem Ruhr­ge­biet: Michael Schulz-Dusau. Dabei hatte er den Ehren­titel gar nicht für eine Tre­terei, son­dern ein ver­meint­li­ches Zeit­spiel ver­liehen bekommen. Nachdem der Dort­munder Ver­tei­diger vom Duis­burger Alfred Nijhus unsanft in die Hori­zon­tale beför­dert worden war, dau­erte den MSV-Fans die Rekon­va­les­zenz ent­schieden zu lange, worauf das halbe Sta­dion brüllte: Schulz, du Sau!“ Der Name setzte sich bun­des­weit durch, Schulz ließ später sogar eine kleine rosa­far­bene Sau auf seine Auto­gramm­karten dru­cken. Nach seiner Zeit beim BVB bil­dete er bei Werder Bremen mit Uli Borowka ein Abwehrduo des Grauens.

21. Billy Bremner
Jen­seits der Moral
Als Joseph Schum­peter von der schöp­fe­ri­schen Kraft der Zer­stö­rung schrieb, muss er bereits etwas von Billy Bremner geahnt haben. Denn der Kapitän von Leeds United zer­trüm­merte, brach, ließ split­tern. Und begrün­dete so die erfolg­reichste Ära des nord­eng­li­schen Fuß­ball­klubs. Bremner setzte vor­bild­lich um, was Coach Don Revie dem Team ein­ge­bläut hatte: der geg­ne­ri­schen Mann­schaft Angst zu machen. Dass Leeds als schmut­zige Truppe galt, in der Ethik und Anstand keine Rolle spielten – geschenkt. Bremner gab den cap­tain of the crew, trat und grätschte und wusste harte Jungs wie Norman Hunter hinter sich, die im Not­fall den Rest erle­digten. Dabei war Bremner relativ klein, kein Wunder, dass man ihn seine Faust­hiebe auf Fotos stets nach schräg oben aus­führen sah. So wie 1974, als er sich wäh­rend des FA Cha­rity Shields mit Liver­pools Kevin Keegan prü­gelte. Referee Reg Mat­thewson scheuchte beide ange­wi­dert vom Rasen, es war das erste Mal, dass im alt­ehr­wür­digen Wem­bley Spieler vom Platz flogen. Bremner sah bei seinem Abgang nicht aus, als würde ihm das etwas aus­ma­chen.

20. Paul Steiner
Sym­pa­thie­träger
Die Erin­ne­rung an die Szene lässt all jenen, die dabei waren, noch heute das Blut in den Adern gefrieren. Es war irgendwo im Mit­tel­feld, als Paul Steiner, sei­ner­zeit in Diensten des MSV Duis­burg, ange­rauscht kam und mit einer unmo­ti­vierten Grät­sche dem Kölner Spiel­ma­cher Heinz Flohe das Schien- und Waden­bein brach. Als wäre es ange­sichts des Krachs der split­ternden Kno­chen und des gro­tesk ver­renkten Beines noch nötig gewesen, ließ Flohe die Anwe­senden laut­stark wissen, was pas­siert war. Das Bein ist ab, das Bein ist ab!“, schrie er immer wieder, von Schmerzen gepei­nigt. Paul Steiner sah für die Aktion eine Gelbe Karte – und beschwerte sich reflex­artig. Heinz Flohe hat danach nie wieder ein Spiel machen können und später ver­sucht, Steiner auf Scha­dens­er­satz zu ver­klagen, was schei­terte, da dem tief­flie­genden Sen­sen­mann keine Absicht nach­zu­weisen war. Bizar­r­er­weise wurde Paul Steiner andert­halb Jahre nach dem bru­talen Foul vom 1. FC Köln ver­pflichtet und ent­wi­ckelte sich zum Leis­tungs­träger. Der Ver­tei­diger sorgte indes nicht nur mit seiner rus­ti­kalen Spiel­weise für Schlag­zeilen. Dem dama­ligen Nürn­berger Sou­leyman Sané soll er zuge­rufen haben: Scheiß Nigger, hau ab! Was willst du in Deutsch­land?“ Steiner bestritt das, hier stand Aus­sage gegen Aus­sage. Ganz offen bekannte der betont mas­ku­line Schnauz­bart­träger hin­gegen, er könne sich nicht vor­stellen, dass Homo­se­xu­elle in der Lage seien, ver­nünftig Fuß­ball zu spielen. Bis ihn in einer TV-Talk­show der schwule spä­tere St. Pauli-Prä­si­dent Corny Littman damit kon­fron­tierte, dass er bereits mit einem Spieler aus dem aktu­ellen Kader des 1. FC Köln eine schöne Lie­bes­nacht ver­bracht habe. Da hat Paul Steiner dann doch etwas sparsam aus der Wäsche geschaut.

19. Dieter Schlind­wein
Eisen-Dieter
Wie meinte unsere Oma immer: Wo der zulangt, da wächst kein Gras mehr!“ Sie hätte das pro­blemlos auch über Dieter Schlind­wein sagen können, dessen Spitz­name Eisen-Dieter“ nicht von unge­fähr kam. Schlind­wein selbst hat das mal schlüssig erklärt: Wenn du halb­herzig in die Zwei­kämpfe gehst und dich bei Schüssen weg­drehst, kannst du nicht gewinnen.“ Zumin­dest nicht als tech­nisch eher limi­tierter Kicker beim FC St. Pauli. Bevor er im, äh, Kult­verein zum Kult­ki­cker wurde, hatte Schlind­wein, der aus der humor­be­freiten Mann­de­cker­schule des SV Waldhof Mann­heim (Tsionanis, Kohler, Wörns) stammte, mit Ein­tracht Frank­furt den DFB-Pokal gewonnen. Seine end­gül­tige Bestim­mung fand er jedoch als Natur­ge­walt vom Mill­erntor. Dort liebten sie ihn, und das, obwohl er einmal seinen Mit­spieler Leo Manzi als schwarze Sau“ beschimpfte – was Schlind­wein später auf­richtig leid tat. Er war im Übrigen gar nicht ein­ver­standen, wenn er nur auf die Rolle des Rüpels redu­ziert wurde: Ich bin kein Treter. Ich kann auch Pässe spielen.“ Sein letztes Pro­fi­spiel been­dete er den­noch stan­des­gemäß: mit einer Roten Karte.

18. Basile Boli
Dis­kreter Treter
Der Ver­tei­diger von Olym­pique Mar­seille war vor allem eines: lern­fähig. 1983 hatte ihn Roger Milla aus­dau­ernd, aber für den Schieds­richter schwer zu erkennen, mit dem Ellen­bogen bear­beitet. Bis Boli durch­drehte und Milla mit einem Kopf­stoß nie­der­streckte. Prompt flog Boli vom Platz und begriff: Das ist die Anfangs­lek­tion: Schlag zu, bevor sie dich schlagen, aber schlage dis­kret.“ Fortan mal­trä­tierte er die Stürmer weniger auf­fällig und machte nur noch einmal eine Aus­nahme, als er Eng­lands Stuart Pearce bei der Euro 1992 fällte – natür­lich per Kopf­stoß.

17. Gen­naro Gat­tuso
Ivan, der Schreck­liche
Ganz der Tra­di­tion seiner knüp­pel­harten Vor­gänger Tar­delli und Gen­tile ver­pflichtet sah sich Gen­naro Gat­tuso. Wäh­rend seiner Zeit beim AC Milan und in der Squadra Azzurra wurde der bär­tige Heiß­sporn immer wieder seinem mit Bedacht gewählten Zweit­namen Ivan“ gerecht und kaufte selbst aus­ge­wie­senen hard men wie Zlatan Ibra­hi­movic den Schneid ab. Ibra­hi­movic, selbst durch elas­ti­sche Regel­aus­le­gung bekannt, bekam in einem Euro­pa­po­kal­spiel den Hand­rü­cken durchs Gesicht gezogen. Bei anderer Gele­gen­heit ging Gat­tuso Tot­tenham-Coach Joe Jordan an der Sei­ten­linie so an die Gurgel, dass der kurz karpfen­artig nach Luft schnappte. Durch robusten Ein­satz seines Astral­kör­pers hielt das neben­be­ruf­liche Unter­wä­sche­model ansonsten Andrea Pirlo tadellos den Stress vom Hals. Nach über 300 Serie-A-Ein­sätzen lässt Gat­tuso seine Kar­riere nun im beschau­li­chen Schweizer Kanton Wallis beim FC Sion aus­klingen – und ist tröst­li­cher­weise ganz der Alte. Im Liga­spiel bei den Young Boys Bern schnappte er sich nach einem Foul an einem Mit­spieler die Gelbe Karte und wedelte damit dem Schiri vor dem Gesicht herum. Der knallte die Hacken zusammen und sprach die fäl­lige Ver­war­nung aus, wäh­rend der ehren­werte Signore selbst­re­dend unge­straft davon kam.

16. Dave Mackay
Edel­mann in Rage
Sage keiner, harte Jungs könnten nicht auch ein­ste­cken. Dave Mackay, Abwehr­mann bei Tot­tenham, brach sich bei Tack­lings gleich zweimal auf schau­er­liche Weise das Bein. Als ihn dann im Zwei­kampf ein anderer hard man, Billy Bremner, mit Tritten an das lädierte Bein pie­sackte, ging Mackay Bremner an den Tri­kot­kragen. Das Foto des stock­wü­tenden Mackay und des sicht­lich ein­ge­schüch­terten Bremner, wurde zum Sym­bol­bild des toughen Fuß­bal­lers schlechthin (bis Vinnie Jones Paul Gas­coigne herz­haft ins Gemächt griff). Dabei war er beson­ders, anders, wenn man so will, edel­mü­tiger. Er war bereit und wil­lens, Gegen­spie­lern Schmerzen zuzu­fügen, über­schritt dabei aber, im Gegen­satz zu vielen üblen Tre­tern, nie­mals die Grenze zur jus­ti­tia­blen Kör­per­ver­let­zung.

15. Ben­jamin Mas­sing
Das Wild erlegt
Nie hatte eine Treib­jagd so viele Zuschauer wie am Abend des 8. Juni 1990, als die Kame­runer Abwehr im Eröff­nungs­spiel der WM Jagd auf den argen­ti­ni­schen Stürmer Claudio Can­nigia machte. Am eigenen Straf­raum gestartet, wird Can­nigia erst­mals auf Höhe der Mit­tel­linie von einem Kame­runer umge­rissen. Doch der Angreifer ist zu schnell, zwar wankt er, gewinnt dann aber wieder schnell an Fahrt. Der zweite Kame­runer kommt mit einer Grät­sche ange­flogen, Can­nigia stol­pert und kann sich bei vollem Tempo nur mit Mühe auf den Beinen halten. Bis Innen­ver­tei­diger Ben­jamin Mas­sing die grau­same Hatz beendet. Er tritt den nur noch besin­nungslos dahin­tau­melnden Can­nigia mit voller Kraft final um, ein Tack­ling von epi­scher Wucht. Das Wild war zur Strecke gebracht und konnte nun waid­män­nisch auf­ge­bracht werden. Wie unge­mein hart Mas­sing zuge­treten hatte, offen­barte sich rasch. Denn der Kame­runer hatte bei seiner Grät­sche einen Schuh ver­loren. Schieds­richter Vau­trot aus Frank­reich zeigte sich derart beein­druckt, dass er Mas­sing zunächst mit Roter Karte vom Platz schickte und ihm, quasi als Aner­ken­nung, zusätz­lich noch mal Gelb hin­terher zeigte. Mas­sing zog dann, nach Ver­bü­ßung der Kurz­sperre, eine Schneise der Ver­wüs­tung durchs Tur­nier und ver­ur­sachte, aus­glei­chende Gerech­tig­keit, den ent­schei­denden Elf­meter im Vier­tel­fi­nale gegen Eng­land, indem er Gary Lineker ohne Sinn und Ver­stand im Straf­raum fällte. Immerhin behielt er diesmal seine Schuhe an.

14. Jose Camacho
Ohne Schützer
In den Duellen zwi­schen Real Madrid und dem FC Bar­ce­lona war dieser spa­ni­sche Qua­drat­schädel Johan Cru­yffs schlimmster Alp­traum. Mit schweiß­durch­tränktem Trikot, grim­migem Blick und tie­fer­ge­legten Stutzen folgte der Schien­bein­scho­ner­ver­ächter dem hol­län­di­schen Fein­geist über den ganzen Platz und ver­darb ihm oft genug die Freude am Spiel. Der Mann aus Murcia redete nicht viel, er ließ Taten spre­chen – ein Cha­rakter wie aus einem Spa­ghet­ti­wes­tern. José Camacho war einer der Här­testen. Sagt Uli Borowka, und der muss es wissen.

13. Ron Chopper“ Harris
Das inak­zep­table Gesicht
Um einen Super­lativ zu bemühen: Ron Chopper“ Harris war, neben Vinnie Jones, der här­teste, gna­den­lo­seste, zynischste Treter, der je bei Chelsea spielte. Oder um mit der Lon­doner Times“ zu spre­chen: Das inak­zep­table Gesicht einer talen­tierten Chelsea-Mann­schaft“. Und in der Tat hin­ter­ließ Ver­tei­diger Harris gebro­chene Beine, lädierte Bände, zer­fetzte Menisken, wo immer er auch antrat. Motto: Wenn er sich bewegt, tritt ihn!“ Den inof­fi­zi­ellen Höhe­punkt seiner Kar­riere fei­erte der stets adrett geschei­telte und unüber­troffen unschuldig lächelnde Harris im Wie­der­ho­lungs­spiel des FA-Cup-Finales 1970 in Old Traf­ford gegen Leeds United. Ein epi­sches Spiel, weil beide Mann­schaften wie von Sinnen auf­ein­ander ein­traten, schon vor dem Spiel fla­ckerten immer wieder Prü­ge­leien auf. Der völlig über­for­derte Referee Eric Jen­nings ver­warnte trotz meh­rerer Prü­ge­leien und bru­taler Grät­schen im Minu­ten­takt nur einen ein­zigen Spieler, er hätte nach moderner Exper­tise sechs Rote und zwanzig Gelbe Karten ver­teilen müssen. Auf­takt und zugleich Tief­punkt der Feld­schlacht war ein fieser Tritt von Ron Harris in die Knie­kehle von Eddie Gray nach acht Minuten. Gray krümmte sich vor Schmerzen und war für den Rest des Spiels außer Gefecht gesetzt, noch über 40 Jahre später kann dieses Foul den dama­ligen Leeds-Mit­tel­feld­mann Jackie Charlton in Rage ver­setzen. Eine neu­zeit­liche Doku­men­ta­tion mit Charlton konnte nur mühsam zu Ende gebracht werden. Harris findet das Tack­ling noch heute durchaus erhei­ternd. Der Trainer sei auf ihn zuge­kommen und habe ihn mit deut­li­chen Worten ermun­tert, Gray hart anzu­pa­cken. Harris mild­tätig: Es war doch freund­lich von mir, Gray immerhin noch acht Minuten spielen zu lassen.“

12. Trifon Iwanow
Braunbär, schlecht rasiert
Der über­wie­gend talent­freie Bul­gare ver­kör­perte mit Haut und Haaren die unschöne Seite des Fuß­balls. Der Vokuhil­aträger mit Voll­bart und Trief­auge wäre, wenn nicht Fuß­baller, ver­mut­lich Karus­sell­bremser oder erfolg­rei­cher Inkasso-Unter­nehmer geworden. Schwer zu sagen also, wovor die Stürmer mehr Angst hatten: vor den kom­pro­miss­losen Aktionen oder doch vor der Hot­zen­plotz-Optik des Innen­ver­tei­di­gers, der es regel­mäßig auch in die Bes­ten­listen der welt­weit häss­lichsten Sportler schafft. Gesegnet mit der Grund­schnel­lig­keit eines über­ge­wich­tigen Braun­bären, ver­schaffte sich Iwanow ander­weitig Respekt. In Bul­ga­rien als Teil der legen­dären 94er-Mann­schaft ver­ehrt, machte er prak­tisch allen Ver­eins­trai­nern durch anhal­tende Dis­zi­plin­lo­sig­keiten zu schaffen. Iwa­nows legen­därer Wild­wuchs ließ der­weil nicht nur Mit­spieler Peter Schöttel staunen, von dem die Fest­stel­lung über­lie­fert ist, Iwanow sei der ein­zige ihm bekannte Spieler, der sich nach dem Auf­stehen rasiere und zum Mor­gen­trai­ning bereits wieder mit Drei­ta­ge­bart auf­laufe.

11. Pierre Cha­puisat
End­sta­tion Grät­sche
Mit gestrecktem Bein rauscht Pierre-Albert Gabet“ Cha­puisat heran und zer­trüm­mert Knie­scheibe und Kreuz­band. Das Foul am 13. Sep­tember 1985 im Spiel Ser­vette Genf gegen Vevey beendet abrupt die Kar­riere von Lucien Favre. Zwar kehrt Favre nach Monaten Ver­let­zungs­pause zurück, zu alter Form findet er aber nicht mehr. Cha­puisat, Vater von Dort­mund-Star Ste­phane: So ein Foul gibt es jede Woche. Ich wollte mich nach dem Spiel im Kran­ken­haus bei ihm ent­schul­digen. Favre hat abge­lehnt.“ Statt­dessen klagte Favre vor einem Zivil­ge­richt.

10. Helmut Rahner
Mensch, Tier, Nummer Vier
Wenn der Rahner 90 Minuten auf dem Platz steht, hat der Schieds­richter einen schlechten Tag gehabt“, schnaufte einst Bochums Prä­si­dent Werner Alte­goer empört. Gemeint war Helmut Rahner, gebür­tiger Ober­franke, Kampf­name Alu“. Der bediente sich als Vor­stopper alter Schule der gän­gigen Mit­teln seiner Zunft. Zur Begrü­ßung gab es ein Tack­ling mit Ball“, erklärte Rahner das Zere­mo­niell eines gewöhn­li­chen Bun­des­li­gasams­tags. Mit seiner bra­chialen Gangart schaffte es der Blond­schopf mit der Ivan-Drago-Frisur im Herbst 1994 in den Mit­tel­punkt einer Bild“-Kampagne („Rambo-Rahner“), was ihn nur zu neuen Höchst­leis­tungen anspornte: Ein grö­ßeres Kom­pli­ment kann man ja als Abwehr­spieler gar nicht bekommen.“ Bit­tersüß auch das nach ihm benannte Kirsch­wasser Rah­ners Blut­grät­sche“, 42 Pro­zent Alkohol. Kenner seiner Spiel­weise wird es nicht über­ra­schen, dass er 1993 immerhin mit Erfolg an einer Welt­meis­ter­schaft teil­nahm: der Militär-WM in Marokko.

9. Norman Hunter
Der Waden­beißer
Eine ganze Lauf­bahn in einen Satz. Norman Bites Yer Legs“, schrieb ein Leeds-United-Fan auf seinen Dop­pel­halter und gab dem legen­dären Waden­beißer seinen Spitz­namen. Unge­klärt, ob Hun­ters bemer­kens­werte Gna­den­lo­sig­keit auf jenen kruden Fit­ma­cher-Cock­tail aus Sherry und rohen Eiern zurück­zu­führen ist, den sich der schmäch­tige Teen­ager auf Anwei­sung seines Trai­ners täg­lich ein­ver­leiben musste. An der Seite von Jack Charlton machte Hunter jeden­falls ab 1962 Jagd auf Schien­beine, in der Regel mit Erfolg und ent­lang der Erkenntnis: Man musste damals schon einen Mord begehen, um vom Feld zu fliegen.“ Meis­ter­schaft, FA- und Liga­pokal gewann der Mann mit den tief­hän­genden Augen­brauen, auch im WM-Kader 1966 hatte er seinen festen Platz. Auf den Rasen ließ ihn Coach Alf Ramsey wäh­rend der erfolg­rei­chen Titel­mis­sion jedoch sicher­heits­halber nicht, um das Ansehen der eng­li­schen Krone nicht zu befle­cken. Auf­müp­fige Stürmer bekämpfte Hunter auch her­nach mit allen Mit­teln. Zu Berühmt­heit brachte es seine Bare­knuckle-Ein­lage gegen Derby-Angreifer Francis Lee im November 1975. Hunter fügte dem gedrun­genen Lee mit einer sehens­werten Links-Rechts-Kom­bi­na­tion eine Platz­wunde zu. Bezeich­nend: Als sein Trainer Les Cocker hörte, dass Hunter pau­siere, weil er ein Bein gebro­chen“ habe, fragte er rou­ti­niert: Wessen Bein?“

8. Roy Keane 
Ele­fan­ten­ge­dächtnis
Der kan­tige Ire zeichnet für eines der übelsten Revan­che­fouls der Geschichte ver­ant­wort­lich. Dem Nor­weger Alf-Inge Håland trat er im Man­chester-Derby 2001 mit gestrecktem Bein gegen das Knie – mit voller Absicht, wie Keane kurz darauf in seiner Auto­bio­grafie preisgab. Hin­ter­grund: Håland hatte Keane drei­ein­halb Jahre zuvor einer Schwalbe bezich­tigt, obwohl dieser sich bei dem Zwei­kampf das Kreuz­band gerissen hatte. Doch der Ire ver­gisst nicht. Keanes lapi­darer Kom­mentar in seinen Memoiren: Take that, you cunt.“

7. Graeme Sou­ness
Kaiser mit Schnauz
Der Kaiser von Anfield“ amtierte im Mit­tel­feld mit gebo­tener Strenge. Wer dem Mann aus Edin­burgh dort etwas vor­ma­chen wollte, durfte die Ernte gleich mit nach Hause nehmen. So wie der Rumäne Lica Movila, für den das Euro­pa­pokal-Halb­fi­nale 1984 auf einer Trage endete, zwei­fach gebro­chener Kiefer inklu­sive. Movila, Kapitän von Dinamo Buka­rest, hatte sich erdreistet, Sou­ness vor den eigenen Fans mit einer fre­chen Finte vor­zu­führen. Die Ant­wort: Der beste Schlag meines Lebens“, wie sich Teil­zeit­boxer Sou­ness später freute. Fünf Meis­ter­titel und drei Euro­pa­po­kale holte der Recke mit dem Magnum-Schnauz beim FC Liver­pool – und fei­erte unge­achtet seines eher pro­le­ta­ri­schen Auf­tre­tens auf dem Rasen hin­terher am liebsten mit edlem Pri­ckel­wasser, sein zweiter Spitz­name: Cham­pagne Charlie“. 1988 ereilte erneut einen Rumänen der Zorn des Sou­ness, nun bei den Glasgow Ran­gers. Iosis Rotariu von Steaua Buka­rest sank, emp­find­lich in den Weich­teilen getroffen, unter dem Stiefel des Schotten zusammen wie eine durch­lö­cherte Hüpf­burg. Sou­ness for­derte der­weil vehe­ment Frei­stoß – für sich. Die Ran­gers-Fans waren es gewöhnt, Sou­ness hatte bei seinem Debüt als Spie­ler­trainer gleich eine Rudel­bil­dung mit allen 22 Spie­lern pro­vo­ziert.

6. Pepe 
Rücken­mas­sage spe­zial
Wer zählt noch die Fouls, die Tritte, die Tät­lich­keiten von Képler Laveran Lima Fer­reira, kurz Pepe? Die meisten Anhänger würden beim Real-Ver­tei­diger ver­mut­lich nicht mal mehr einen Son­nen­stuhl am Algarve-Strand mieten – schließ­lich besteht die Gefahr, dass der Por­tu­giese einem auf ein emp­find­li­ches Kör­per­teil tritt – ein­fach so. Zur Blüte reift der trick­reiche Defen­siv­mann stets beim Clá­sico. Flog Pepe für sein gestrecktes Bein gegen Dani Alves im Cham­pions-League-Halb­fi­nale 2011 immerhin vom Platz, gelang es dem Treter, Lionel Messi ein Jahr später die Hand zu per­fo­rieren, ohne gesperrt zu werden. Sein Meis­ter­stück der dre­ckigen Kriegs­füh­rung zeigte der cho­le­ri­sche Glatz­kopf bereits im April 2009. Ein Schubser gegen Getafes Javier Cas­quero war nur der Auf­takt zu einer selten gese­henen Serie von Tät­lich­keiten im Sekun­den­takt. Beson­ders inno­vativ: die Rücken­mas­sage mit auf­ge­setztem Stollen. Hätte man Pepe nicht gestoppt, hätte er Cas­quero sicher auch dem Water­boar­ding unter­zogen. Weil die Fern­seh­bilder in jeder Video­thek im Bereich Splatter-Movies“ ein­sor­tiert würden, gab es in La Liga zehn Spiele Sperre. Pepe selbst sieht das ganz anders: In 60 oder 70 Pro­zent meiner Spiele begehe ich kein ein­ziges Foul. Und jedes Mal wenn doch, tun alle so, als hätte ich jemanden ermordet.“

5. Nobby Stiles
Der erste Ter­rier
Unter den harten Jungs der Fuß­ball­ge­schichte war Nor­bert Peter Stiles wohl der­je­nige mit den ungüns­tigsten Vor­aus­set­zungen. Klein gewachsen und stark kurz­sichtig lief er auf dem Platz mit Kon­takt­linsen auf und trug ansonsten eine Brille mit Glas­bau­steinen. Den kuriosen Auf­tritt kom­plet­tierte der Umstand, dass Stiles bereits früh im Infight auf dem Platz eine ganze Zahn­reihe abhan­den­ge­kommen war. Den Zahn­ersatz, mit dem er fortan kickte, nahm er des Öfteren heraus, um den Gegner ein­zu­schüch­tern. Denn darum ging es letzt­lich in jener Dekade, als den offen­siven Mit­tel­feld­spie­lern stets ein gna­den­loser Eisenfuß an die Seite gestellt wurde, der den geg­ne­ri­schen Spiel­aufbau mit allen Mit­teln zu zer­stören hatte. Kaum einer bewegte sich sicherer auf diesem schmalen Grad zwi­schen erlaubter Härte und vor­sätz­li­cher Kör­per­ver­let­zung als Stiles, der zunächst hinter Bobby Charlton und später George Best vor­bild­lich den Rück­raum sauber hielt. Sein Meis­ter­stück lie­ferte er im WM-Halb­fi­nale 1966 gegen Por­tugal ab. Er atmete Eusebio neunzig Minuten lang so heiß in den Nacken, dass der por­tu­gie­si­sche Spiel­ma­cher voll­ends ein­ge­schüch­tert über den Platz lief. Still wie eine Maus“, höhnten eng­li­sche Zei­tungen anschlie­ßend. In der Pres­se­kon­fe­renz nach dem Spiel musste sich Coach Alf Ramsey für das Zer­stö­rungs­werk seines Defen­siv­mannes recht­fer­tigen, er tat es ange­sichts des eng­li­schen Final­ein­zugs mit Ver­gnügen. Stiles selbst ver­zich­tete darauf, sein wohl bestes Spiel im Eng­land-Jersey wie die Mann­schafts­kol­legen mit Drinks zu feiern. Er war wegen einer Ver­let­zung voll­ge­pumpt mit Anti­bio­tika. Nach dem WM-Sieg hielt Stiles den Pokal in der einen Hand, seine Zähne in der anderen. Auch des­halb bekam er in Vinnie Jones legen­därem Klop­per­video Soccer’s hard men“ selbst­ver­ständ­lich einen Ehren­platz.

4. Vinnie Jones
Eier­kneifer
Wer weiß, ganz viel­leicht gab es ja tat­säch­lich ein quiet­schendes Geräusch, als Vinnie Jones Paul Gas­coigne mit der­ar­tiger Verve in die Kron­ju­welen griff, dass selbst der vier­schrö­tige Gas­coigne ent­setzt auf­jaulte. Das Foto der beiden harten Jungs im Infight wurde auch des­halb berühmt, weil Jones dabei unnach­ahm­lich finster drein­schaute. Nicht umsonst trug der Waliser den Spitz­namen Die Axt“, der aller­dings nur unzu­rei­chend beschrieb, wie brutal er zu Werke ging. Mit einem bösen Tack­ling been­dete er die Kar­riere von Tot­tenham Hot­spurs Gary Ste­vens und hält wohl noch immer den eng­li­schen Rekord für die schnellste Gelbe Karte, nach hand­ge­stoppten drei Sekunden. Da erscheinen die 13 Platz­ver­weise, die Jones im Laufe seiner Kar­riere im bri­ti­schen Pro­fi­fuß­ball kas­sierte, fast ein biss­chen unter­trieben. Mag sein, dass auch Jones’ Umfeld etwas zum sagen­haft schlechten Ruf bei­getragen hat. Schließ­lich war er Mit­glied der reich­lich durch­ge­knallten Crazy Gang“ des FC Wim­bledon, die mal auf dem Platz kol­lektiv die Hin­ter­teile ent­blößte und bei einer anderen Gele­gen­heit im Spie­ler­tunnel des FC Liver­pool auf der legen­dären Metall­tafel This is Anfield“ mit Filz­stift den lako­ni­schen Hin­weis hin­ter­ließ: Wir sind beein­druckt.“ Für Jones war Fuß­ball ein archai­scher Kampf, der nicht allein mit klugen Pässen oder wag­hal­sigen Dribb­lings zu gewinnen war, son­dern auch mit Angst und Schre­cken. Warum sonst hätte er dem Schotten Kenny Dag­lish, der ihn einmal umsenste, die Kon­se­quenzen für den Wie­der­ho­lungs­fall klar­ma­chen sollen: Mach das noch einmal, dann reiße ich dir das Ohr ab und spucke in das Loch!“ Nein, Fuß­ball war kein Spaß, nicht einmal in einem harm­losen Show­kick gegen ein paar Halb­wüch­sige. Als ein Knirps an ihm vorbei wollte, grätschte er den Nach­wuchs mit Anlauf um und drehte sich dann mit erho­benen Armen zum Referee um und ver­si­cherte treu­herzig: Ball gespielt!“

3. Uli Borowka
Die Axt
Armer Olaf Thon: Da steht er mit gerade 18 Jahren bei seinem Bun­des­li­ga­debüt schüch­tern im Kabi­nen­gang, als ihn der böse Blick von Uli Borowka trifft. Thon, komm mir heute nicht in die Quere, sonst breche ich dir beide Beine!“ Das saß, der talen­tierte Thon, der den Bayern beim berühmten 6:6 im DFB-Pokal drei Dinger ein­ge­schenkt hatte, hielt sich in Glad­bach bevor­zugt in der eigenen Hälfte auf. Bloß nicht der Axt“ begegnen, wie Borowka genannt wurde. In der regel­mä­ßigen Kol­le­gen­wahl zum unbe­lieb­testen Bun­des­li­ga­spieler war der Ver­tei­diger damals Seri­en­sieger, nur an einem schei­terte er: Bei einer Todes­grät­sche zuun­gunsten George Weahs brach ihm ein Stollen ab – Weahs Schenkel war ein­fach zu mus­kulös.

2. Claudio Gen­tile
Der ita­lie­ni­sche Gad­dafi
Dieser Mann war über viele Jahre der Pro­totyp des fiesen ita­lie­ni­schen Ver­tei­di­gers, der ja so etwas wie der Pro­totyp des fiesen Ver­tei­di­gers an sich ist. Claudio Gen­tile hatte alles drauf: Schlagen, Kneifen, Trash­talk und die klas­si­sche humor­lose Blut­grät­sche. Gad­dafi“, wie er auch, aber nicht nur wegen seines liby­schen Geburts­ortes in Fuß­ball­kreisen genannt wurde, sah es prag­ma­tisch: Fuß­ball ist kein Sport für Bal­le­rinas.“ Dabei wusste er stets, wie weit er gehen durfte: Bei der WM 1982 gelang es ihm, Diego Mara­dona ins­ge­samt 23 Mal zu foulen, ohne vom Platz zu fliegen. Auch Bra­si­liens Spiel­ma­cher Zico sah gegen ihn kein Land. Als Kevin Keagan 1979 als Europas Fuß­baller des Jahres“ aus­ge­zeichnet wurde, flüs­terte ihm Gen­tile ins Ohr: Wenn ich gegen dich ver­tei­digt hätte, hät­test du gar nichts gewonnen.“

1. Andoni Goi­koe­txea
Schlächter von Bilbao
Man muss schon einiges an Blut ver­gießen und ordent­lich Kno­chen zer­ha­cken, um sich einen Bei­namen wie Schlächter von Bilbao“ zu ver­dienen. Andoni Goi­koe­txea hat es geschafft, und war dabei nicht mal der ETA-Auf­trags­killer, den man hinter dem Label ver­muten könnte. Nein, Goi­koe­txea war Fuß­ball­spieler, und in dieser Funk­tion ließ er keinen unge­straft an sich vorbei, schon gar nicht den begna­detsten Drib­bel­künstler seiner Genera­tion. Ich wäre ihm ja aus­ge­wi­chen“, sagte Diego Mara­dona, aber ich sah ihn nicht kommen. Ich fühlte nur den Auf­prall, hörte das Geräusch, wie ein Stück Holz, das zer­bricht.“ Mara­dona konnte, das war ja durchaus Teil des Plans, Goi­koe­txea unmög­lich sehen an jenem Sep­tem­be­r­abend 1983 im Camp Nou, als er wie ein gie­riges Tier hinter dem kleinen Argen­ti­nier her­setzte und ihm, der Ball war längst außer Reich­weite, im Streck­sprung den linken Knö­chel durch­trat. Außen­band, Fuß­ge­lenk, Waden­bein­kopf: Es war so ziem­lich alles kaputt, was kaputt sein kann. Das gezielte Attentat auf den starken Fuß Mara­donas brachte dem Basken zunächst nur Gelb, im Nach­hinein immerhin die Rekord­sperre von 18 Spielen ein. Wohl auch, weil Goi­koe­txea Wie­der­ho­lungs­täter war. Zwei Jahre zuvor hatte er Mara­donas Team­kol­legen Bernd Schuster bereits mit Verve das Knie zer­trüm­mert. Schuster sagte, er sei danach nie wieder der­selbe gewesen, und man will es ihm gerne glauben. Es war dieses Foul an dem Deut­schen, das alles andere bedingte. Gewalt erzeugt bekannt­lich Gegen­ge­walt, wes­halb sich der blonde Engel“ mit einem bru­talen Tritt am Metz­ger­meister aus dem Hoch­land revan­chierte – was wie­derum den Basken zur Revanche der Revanche an Mara­dona ver­lei­tete. Doch auch der vergaß nicht und zet­telte bei nächster Gele­gen­heit, dem Finale der Copa del Rey 1984, vor den ent­setzten Augen des spa­ni­schen Königs­paares eine zünf­tige Mas­sen­kei­lerei an. Zim­per­lich ging der Argen­ti­nier dabei nicht zu Werke, er ver­teilte im Stile von Karate Kid“ Daniel LaRusso Tritte in alle Rich­tungen und rammte unter anderem einem Betreuer das Knie ins Gesicht. Wäh­rend Mara­dona als­bald nach Ita­lien flüch­tete, trieb Kno­chen­bre­cher Goiko“ noch bis 1990 in der spa­ni­schen Liga sein Unwesen. Nicht nur für Ath­letic Bilbao und für Atle­tico Madrid, auch in der Natio­nalelf wetzte der Mann aus dem beschau­li­chen Dorf Alonso­tegi das Hacke­beil­chen, so unter anderem bei der EM 1984 und der WM 1986. Jed­wede Vor­würfe wies er in teils kruder Dik­tion von sich: Ich bin kein Tier. Wer mich als Schlächter oder Kri­mi­neller bezeichnet, ist ein Ter­ro­rist.“ Den­noch hielten sich hart­nä­ckig Gerüchte, wonach der Schlächter den Schuh, der Mara­dona fast vier Monate seiner Kar­riere kos­tete, daheim in einer Glas­vi­trine auf­be­wahren soll. Seine Fan­ge­meinde hält ihm die Treue, das Mer­chan­di­sing boomt. Für das Shirt El Car­ni­cero de Bilbao“ mit blut­be­spritztem Flei­scher­messer muss man der­zeit 25 Bri­ti­sche Pfund hin­legen.