Das fol­gende Ran­king erschien im Februar 2013 in 11FREUNDE 135. Hier lest ihr es erst­mals online.

30. Ulf Kirsten

Ellen­bogen raus
Stürmer sind in der Regel eher Opfer als Täter. Nicht so Ulf Kirsten. Der beherrschte den Infight im Straf­raum per­fekt, ließ sich aber bis­weilen auch zu spek­ta­ku­lären Fouls hin­reißen. Anläss­lich eines Ell­bo­gen­stoßes gegen den Schalker Thomas Linke stöhnte der zustän­dige DFB-Richter: Das war das schlimmste Foul, das wir jemals abge­ur­teilt haben“. Uli Borowka hin­gegen, von dem in dieser Liste noch die Rede sein wird, erzählt voll Hoch­ach­tung, wie ihm Kirsten einmal gleich nach Anpfiff die Beine weg­trat. Begrün­dung: Das war noch vom letzten Mal!“

29. Klaus Augen­thaler
Gegen den Zeit­geist
Den Ruf als veri­ta­blen Klopper erwarb sich Klaus Augen­thaler mit einem ein­zigen, aller­dings bemer­kens­werten Foul, näm­lich dem an Rudi Völler anno 1985 im Münchner Olym­pia­sta­dion. Den Sturm­lauf des ent­eilten Bre­mers stoppte Augen­thaler mit einer ebenso humor­losen wie finalen Grät­sche. Den Ball kann Augen­thaler dabei noch nicht einmal aus dem Augen­winkel gesehen haben. Völler flog weit und hoch und musste nahezu fünf Monate pau­sieren. Schmerz­hafter viel­leicht noch, dass Völler von Franz Becken­bauer dezent auf die Schwere seiner Schuld hin­ge­wiesen wurde. Er sei ein­fach zu schnell“, was unwei­ger­lich dazu führe, dass die Ver­tei­diger öfter mal das Bein statt den Ball“ träfen. Anschlie­ßend holzte Augen­thaler noch ein paar Jahre unver­drossen weiter, bis er not­ge­drungen seinen Stil änderte, weil Zeit­geist und Regel­aus­le­gung gegen ihn arbei­teten. Früher hast du drei- oder viermal hin­langen können, ehe du vom Platz geflogen bist“, stellte er 1990 nicht ohne Bit­ter­keit fest, heute darfst du nur noch zweimal, und das auch nur ganz sachte. Das steht in keiner Rela­tion mehr.“

28. Paolo Mon­tero
Wrestler aus Uru­guay
Uru­gu­ayer. Juventus. Die meisten Roten Karten in der Serie A. Soweit die harten Fakten zu einem noch här­teren harten Abwehr­spieler. Sein Lieb­lings­foul hatte sich Mon­tero beim Wrest­ling abge­schaut. Bei der soge­nannten Clo­thes Line“ wird der Gegner mit aus­ge­strecktem Arm am Hals umge­hauen. Mon­tero muss lange geübt haben. Hatte ansonsten aber auch alle gut ver­steckten und weniger gut ver­steckten Kniffe und Griffe im Reper­toire. Sein Mantra: In der Kabine schüt­tele ich Hände, aber auf dem Feld gibt es keine Kom­pro­misse.“

27. Lee Bowyer
Schlä­ger­vi­sage
So ein wich­tiges Jubi­läum und Lee Bowyer hat es ver­passt! Da hatte der lang­jäh­rige Mit­tel­feld­kämpfer von Leeds United 18 Jahre lang Angst und Schre­cken bei Geg­nern wie Mit­spie­lern ver­breitet. Am Ende aber waren es eben nur 99 Gelbe Karten, die Bowyer ein­ge­sam­melt hatte. Dem Profi mit der Visage eines Knei­pen­schlä­gers kam in die Quere, dass der eng­li­sche Fuß­ball­ver­band Gelb-Rote Karten leider separat wertet. Sei es drum, Bowyer hat sich auch ohne rundes Jubi­läum stol­len­tief in die Erin­ne­rung der Anhänger ein­ge­graben. Für seinen vogel­wilden Faust­kampf mit Team­kol­lege Kieron Dyer, für den er nicht bis zum Abpfiff des Erst­li­ga­spiels warten wollte. Oder für jenen Euro­pa­pokal-Abend an der Elland Road, an dem er Gerardo vom FC Malaga in die eng­li­sche Härte ein­führte, indem er ihn zunächst von hinten umtrat, um ihm anschlie­ßend noch mal kurz mit den Stollen durchs Gesicht zu laufen. Bereits im rei­feren Pro­fi­alter beschimpfte Bowyer, erzürnt über eine Aus­wechs­lung, eine alte Frau auf den Rängen so lange, bis deren halb­wüch­sigem Enkel die Tränen in die Augen stiegen. Nicht über­ra­schend ver­zö­gerte sich Bowyers Beru­fung in die eng­li­sche Natio­nalelf, weil er wegen einer Attacke auf einen asia­ti­schen Stu­denten vor Gericht stand. Klar habe ich einige Male die Grenze über­schritten, aber immerhin habe ich mich nie aus der Ver­ant­wor­tung gestohlen“, bilan­zierte der halb­wegs reuige Haudrauf.

26. Marius Tresor 
Mensch vs. Maschine
Viel­leicht stellt Marius Trésor, fran­zö­si­scher Ver­tei­diger von Welt­klasse, irgend­wann einmal der Wis­sen­schaft seine Ober­schenkel zur Ver­fü­gung. Es wäre nicht über­ra­schend, wären sie bei der Fer­ti­gung mit flüs­sigem Stahl aus­ge­gossen worden. Denn wer auch immer gegen den Aus­putzer von Mar­seille und Bor­deaux kickte, machte bei Grät­schen und Tack­lings die Erfah­rung, dass hier offenbar Mensch gegen Maschine spielte. Einem Star­stürmer nach dem anderen kaufte Trésor durch punkt­ge­naue Inter­ven­tionen den Schneid ab. Dass die Stürmer anschlie­ßend stets hum­pelnd aus dem Straf­raum schli­chen, lag in der Ver­suchs­an­ord­nung begründet, nicht in böser Absicht. Kein Wunder also, dass Trésor nie durch spek­ta­ku­läre Aus­setzer, Kopf­stöße oder häss­liche Tät­lich­keiten auf­fiel, son­dern stets nur durch beein­dru­ckende Inten­sität und Kör­per­lich­keit über neunzig Minuten. Was ihn aus der Masse der rus­ti­kalen Aus­putzer her­aushob, war die Kom­bi­na­tion aus schierer Härte und beein­dru­ckender Technik. Wäh­rend sich andere Ver­tei­diger nur in Aus­nah­me­fällen über die Mit­tel­linie wagten, trieb sich Trésor gerne und aus­giebig in der geg­ne­ri­schen Hälfte herum. Eine Leicht­fü­ßig­keit, die ihn zum Schre­cken seiner Mit­spieler auch zu gewagten Soli im eigenen Straf­raum ver­lei­tete. Außer­halb des Platzes war er ein Gen­tleman alter Schule. Was sich wäh­rend der WM 1982 als hilf­reich erwies, als er einen Mit­spieler nach Toni Schu­ma­chers schreck­li­cher Attacke gegen Patrick Bat­tiston vor einem späten Revan­che­foul bewahren musste. Trésor: Am Tag danach waren wir zusammen mit den Deut­schen am Flug­hafen, und Schu­ma­cher und die Offi­zi­ellen dort lachen zu sehen, war schon hart. Jean Tigana mussten wir sogar zurück­halten.“

25. Burk­hard Reich
Ein echter Schrank
Schalkes Manager Rudi Assauer war außer sich. Sauerei!“ und Treter!“ waren die harm­lo­seren Aus­drücke, die er Burk­hard Reich an den Kopf warf, nachdem der Karls­ruher Youri Mulder mit einem rüden Foul das Kreuz­band durch­trennt hatte. Mulder selbst kün­digte an, Reich einige süd­eu­ro­päi­sche Schläger auf den Hals zu hetzen. Dabei war der kein übler Geselle, nur halt ein echter Schrank. Als Bub wurde er bei Dynamo Berlin wegen Unbe­weg­lich­keit aus­sor­tiert. Dann machte er aus der Not eine Tugend.

24. Maik Franz
Der Kon­sens­rüpel
Das klas­si­sche Rau­bein ist eigent­lich ein Relikt der guten alten Zeit. Im modernen, tech­nisch anspruchs­vollen und tak­tisch kom­plexen Fuß­ball findet ein Wüte­rich der alten Schule nur noch selten Ver­wen­dung. Aber es gibt eben immer auch noch Leute wie Maik Franz. Der ver­steht sich so gut aufs Grät­schen, Che­cken und Pro­vo­zieren, dass er es damit zum Kon­sens­rüpel der letzten Bun­des­li­ga­jahre gebracht hat. Der ver­län­gerte aus­ge­fah­rene Ellen­bogen des Trai­ners auf dem Platz, sozu­sagen. Vor ein paar Jahren brachte er Mario Gomez der­maßen zur Weiß­glut, dass dem im unge­föhnten Inter­view sämt­liche Eti­kette flöten ging: Nor­ma­ler­weise respek­tiere ich im Fuß­ball jeden Gegen­spieler. Aber dieses Arsch­loch … Er ist ein­fach ein unfairer Sports­mann.“ Gera­dezu poe­tisch hin­gegen Werder-Trainer Thomas Schaaf, der klagte: Maik Franz tritt das Fair­play mit großen Schuhen.“ Die Mutter des außer­halb des Platzes lamm­frommen Spie­lers, eine Leh­rerin, wurde in der Schule schon gefragt, ob sie ihren Sohn nicht besser erziehen könne. Franz selbst hin­gegen lebt mit seinem Iron-Maik-Image ziem­lich gut.

23. Tomasz Hajto
Neue Frisur für Maric
Selten waren die Beweise so ein­deutig wie bei Tomasz Hajto, als Zer­störer viele Jahre für Duis­burg und Schalke unter­wegs. Nie­mand kas­sierte in einer Saison so viele Ver­war­nungen wie er, sech­zehn Mal sind ebenso ein­samer Rekord wie die 115 Fouls, die Hajto 2001 von humor­losen Unpar­tei­ischen abge­pfiffen bekam und mit denen er die inof­fi­zi­elle Klop­per­ta­belle der Liga mit weitem Vor­sprung anführte. Selbst ein aus­ge­wie­sener Eisenfuß wie Stutt­garts Viorel Ganea kam da nicht mehr mit. Natür­lich machte Hajto auch mit Solo­pro­jekten von sich reden. Dem fran­zö­si­schen Fein­geist Johan Micoud trat Hajto mit Schma­ckes in die Kron­ju­welen, Wolfs­burgs Stürmer Tomislav Maric ver­passte er im Luft­duell mit dem Ellen­bogen eine neue Frisur. Sein eigenes Wirken führte der Pole allzu bescheiden auf den Über­eifer der deut­schen Refe­rees zurück, die viel zu früh den Karton zückten. Wenn das in Eng­land der Fall wäre, dann hätte der ehe­ma­lige eng­li­sche Natio­nal­spieler Dennis Wise bei jedem Spiel in der fünften Minute die Rote Karte gesehen“, erzählte Hajto dem Revier­sport“ und ergänzte mit pol­ni­schem Under­state­ment: Ich habe in der Bun­des­liga und der Eks­t­ra­klasa so viele Gelbe Karten kas­siert, obwohl ich nicht einmal einen Hauch von Wise’ Spiel­härte habe.“