Seite 2: „Ich lese lieber Bücher als Zeitungen“

Das wird bei anderen Sport­ler­kin­dern ähn­lich sein.
Das Pro­blem ist, dass mit Erfolg oft auch Reichtum einher geht, der es Kin­dern ermög­licht, ein­fa­cher durchs Leben zu kommen als die Eltern, die sich alles erar­beiten mussten.

Sie meinen, viele wachsen ohne das ent­schei­dende Quänt­chen Ehr­geiz auf.
Natür­lich sind auch wir sehr kom­for­tabel auf­ge­wachsen. Aber mein Bruder und ich wussten, was unsere Eltern für ihren Erfolg gemacht haben. Und damit meine ich nicht nur, dass unser Vater uns zeigte, wie man Frei­stöße schießt oder ver­tei­digt, son­dern auch wie sein täg­li­ches Leben ver­läuft: Wie er sich ernährt, wofür er Geld aus­gibt, wie er mit anderen umgeht.

Waren Sie je in Gefahr, den nötigen Ehr­geiz zu ver­lieren?
Natür­lich hadert man, wenn die Freunde in jungen Jahren aus­gehen. Und mit 18 kann man seinem Körper noch die eine oder andere Party zumuten.

Selbst wenn man für den FC Bar­ce­lona spielt?
Manche auch noch mit 20. Viel­leicht nicht am Tag direkt vor dem Spiel, aber ich kenne einige, die zumin­dest zwei Tage vorher abends noch los­zogen. Mit 23, 24 Jahren wird das schwierig. Und wenn sie 31, 32 sind – und viel­leicht schon ein paar Tro­phäen im Schrank haben – wird es noch anstren­gender, sich den inneren Hunger zu bewahren. Dann ist es wichtig, dass der Körper mit­macht.

Wie lernt ein Mensch wie Sie, echte und von fal­schen Freunden zu unter­scheiden?
Schon als Kind konnte genau ich beob­achten, welche Leute meinen Vater umgaben. In jungen Jahren ent­wi­ckelt man ein Gefühl dafür, wer die echten Freunde sind und wer nicht.

Und woran erkennt man das?
Bauch­ge­fühl.

Lässt der Pro­fi­fuß­ball echte Freund­schaften zu?
Zwei meiner besten Freunde sind aktive Spieler.

Von wem spre­chen Sie?
Rodrigo kenne ich noch aus meiner Zeit in Rio, wir kamen gemeinsam nach Spa­nien und spielen jetzt zusammen in der Natio­nalelf. Mit Jona­than dos Santos habe ich bei Barça gespielt und wir haben guten Kon­takt, auch wenn er jetzt für Los Angeles Galaxy spielt.

Viele Profis sagen, das Busi­ness mache es schwer, Freund­schaften zu schließen.
Natür­lich macht einen das Geschäft miss­trau­isch. In Top­klubs kommen Men­schen zusammen, die sich nicht kennen, die mit­ein­ander kon­kur­rieren, und oft nicht die­selbe Sprache spre­chen. Aber eigent­lich ist es gar nicht schwer: Denn als Team müssen wir für­ein­ander ein­stehen, wenn wir Erfolg haben wollen. Wir ver­bringen jeden Tag zusammen, teilen die­selben Erfah­rungen und sind in einem ähn­li­chen Alter.

Tun sich deut­sche Spieler da schwerer?
Es fällt jedem leichter, zu Men­schen aus einem ähn­li­chen Kul­tur­kreis Bezie­hungen auf­zu­bauen. Aber als ich 2013 nach Mün­chen kam, wurde ich hier sehr positiv emp­fangen.

Wie rezi­pieren Sie die deut­schen Medien?
Ehr­lich gesagt, ich lese lieber Bücher als Tages­zei­tungen und Maga­zine. Mich fas­zi­nieren Men­schen, die die Phan­tasie haben, eigene Welten zu erschaffen.

Es gibt Leute geben, die glauben, Jour­na­listen hätten diese Fähig­keit auch? (Lacht.) Sie haben Recht. Aber ich habe großen Respekt vor der Arbeit von Jour­na­listen. Auch weil ich weiß, dass Erfolge Kritik schnell wieder ver­stummen lassen.

Lesen Sie die Bild?
Nein, aber natür­lich reden wir in der Kabine dar­über, was in Zei­tungen über uns steht.