11FREUNDE wird 20!

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Außerdem prä­sen­tieren wir euch an dieser Stelle in den kom­menden Wochen wei­tere spek­ta­ku­läre Repor­tagen, Inter­views und Bil­der­se­rien. Heute: Warum hassen alle Robbie Savage?

11 Freunde Das große 11 Freunde Buch Kopie

Die Erde ist keine Scheibe. In Deutsch­land klatscht man zu Schla­ger­musik. Katzen sind lau­ni­sche Biester. Alle hassen Robbie Savage. Es gibt Wahr­heiten, an denen ist nicht zu rüt­teln. Und im Fall von Robbie Savage, dem wali­si­schen Schön­ling, dem Mann mit dem täto­wierten Armani-Logo, der blonden Boy­group­mähne und der Fake-Bräune im Gesicht, ist dieser Umstand auch recht ein­fach zu erklären. Die Leute hassen ihn, weil er so ziem­lich alles dafür tut.

Da wäre zum Bei­spiel die Sache mit dem Euro­päi­schen Gerichtshof für Men­schen­rechte. Savage, der sich zu Beginn der Nuller­jahre den Ruf als dre­ckigster Spieler der Pre­mier League zu etwa glei­chen Teilen erschwalbt und ertreten hat, ist zwar berüch­tigt dafür, Gelbe Karten zu sam­meln. Lange Zeit hält er in der an Rau­beinen nicht gerade armen Liga sogar den Gelb­re­kord. Vom Platz geflogen ist er aller­dings noch nie. Bis zum 8. Sep­tember 2004, als Wales in einem Län­der­spiel auf Nord­ir­land trifft. An diesem Tag sprintet Savage mit Ball am Fuß die Sei­ten­linie ent­lang – und wird von seinem Gegen­spieler Michael Hughes eini­ger­maßen brutal nie­der­ge­streckt. Savage fällt, springt wieder auf, will schubsen, wird umge­schubst. Rudel­bil­dung, Tohu­wa­bohu. Sekunden später fliegt Hughes vom Platz. Aller­dings sieht auch der Waliser die Rote Karte, eine klare Fehl­ent­schei­dung. Über die jeder andere Spieler den Kopf geschüt­telt hätte – um am Tag danach wieder nach vorne zu schauen. Doch nicht so Savage. 

Aus­ge­rechnet der Mann, der in seiner Kar­riere eine fast patho­lo­gi­sche Sucht zum Fallen ent­wi­ckelt hatte, wenn es darum ging, Platz­ver­weise zu pro­vo­zieren oder Elf­meter zu schinden, fühlt sich derart vom Schicksal getriezt, dass er öffent­lich damit droht vor den Euro­päi­schen Gerichtshof für Men­schen­rechte zu ziehen, sollte seine Sperre nicht auf­ge­hoben werden. Was er am Ende natür­lich nicht macht. Falls irgendwer auf der Insel Savage bis dahin noch hatte leiden können – spä­tes­tens nach dieser Aktion ist er unten durch.

Junge, du bist ein­fach nicht gut genug“ 

Sir Alex Ferguson über Robbie Savage

Geschichten wie diese gibt es im Zusam­men­hang mit dem Waliser unzäh­lige. Savage, die Drama-Queen. Savage, die Ner­ven­säge. Savage, der Dreck­sack. Savage, der fucking wanker. Dass hinter der Sola­ri­ums­bräune, den geföhnten Haaren und der großen Klappe ein sen­si­bles Gemüt schlum­mert, ein unsi­cheres Kerl­chen, das später beichtet, zeit seiner Kar­riere mit Fake-Accounts in Inter­net­foren die eigenen Leis­tungen gelobt zu haben – egal. Auf Savage, das ist im Ver­ei­nigten König­reich irgend­wann Kon­sens, darf jeder mal drauf­hauen. Oder Bier­fla­schen werfen. So wie 1994. Da ist Savage gerade 19 Jahre alt und mit ein paar Kum­pels im Pub, Snooker spielen. Plötz­lich sieht er eine Bier­fla­sche auf sich zufliegen, die ein wütender Fan nach ihm geworfen hat. Die Fla­sche trifft nicht Savage, der ja eigent­lich noch ein Kind ist und reak­ti­ons­schnell aus­weicht, son­dern zer­schellt hinter ihm an der Wand wie eine Sekt­pulle bei einer Boots­taufe. So als wolle ihn eine höhere Macht warnen: Auf­ge­passt Robbie, ab jetzt wird es stür­misch.

Ein paar Jahre zuvor war der blut­junge Robbie aus Wrexham, einer Klein­stadt im Norden von Wales, ins große Man­chester auf­ge­bro­chen. In der Jugend­aka­demie von United wird er Teil des Dream Teams“ und gewinnt 1992 an der Seite von Ryan Giggs, David Beckham und den Neville-Brü­dern gar den FA Youth Cup. Doch den Schritt zu den Profis packt er nicht. Sir Alex Fer­guson ruft Savage, damals noch kein unan­ge­nehmer Mit­tel­feld­beißer, son­dern ein eher bemühter denn talen­tierter Stürmer, im Früh­ling 1994 zu sich ins Büro. Um ihm seine Ein­schät­zung ins Gesicht zu knallen wie eine Ohr­feige. Junge“, sagt der schot­ti­sche Trainer, du bist ein­fach nicht gut genug.“