Ver­brannte Rote Erde. Als Ciro Immo­bile Dort­mund nach nur einem Jahr wieder ver­ließ, fand er keine freund­li­chen Abschieds­worte. Im Gegen­teil. Die Men­schen seien nicht nett zu ihm gewesen, sagte er, die Mit­spieler hätten ihn nie zum Essen ein­ge­laden, und seine Nach­barn hätten sich über sein großes Auto beschwert. Das Schlimmste aber: Er konnte sich nicht unter­halten, denn nie­mand beim BVB sprach Ita­lie­nisch. Und Deutsch wollte er nicht lernen. Eine kom­pli­zierte Sprache.“

Ins­ge­samt also: eine kom­pli­zierte Situa­tion, denn auch das Tore­schießen, wes­halb er für 18,5 Mil­lionen Euro vom FC Turin geholt worden war, klappte nicht so recht. Drei Treffer in 24 Liga­spielen waren viel zu wenig für einen, den der BVB als Nach­folger von Robert Lewan­dowski ange­priesen hatte.

Ich denke, Ciro Immobile ist im Moment der beste Stürmer in Europa, ganz zu schweigen von Italien“

Berater Alessandro Moggi über Ciro Immobile

Damals war man sich ziem­lich sicher, dass Immo­bile ein One-Hit-Wonder war; ein, zwei gute Jahre in Ita­lien hatte er ja zuvor gehabt. Aber bald würde er bestimmt in irgend­einer unteren Liga ver­schwinden, um dann in einer dieser vielen Transfer-Flop-Ran­kings im Internet auf den vor­deren Plätzen wieder auf­zu­tau­chen.

Und zunächst sah es tat­säch­lich so aus, denn auch bei seinem nächsten Verein, dem FC Sevilla, gelang ihm nicht viel. Er machte acht Spiele und schoss zwei Tore, bevor er zurück nach Ita­lien ging.

Das war 2016.

Vier Jahre später sagt sein Berater Ales­sandro Moggi: Ich denke, Ciro Immo­bile ist im Moment der beste Stürmer in Europa, ganz zu schweigen von Ita­lien.“ Man könnte das als übliche Berater-PR abtun, aber die Zahlen geben Moggi Recht: Immo­bile, seit vier Jahren für Lazio Rom aktiv, schießt so viele Tore wie kein anderer Stürmer in Europa.

Das Ran­king um den Gol­denen Schuh führt Immo­bile vor Robert Lewan­dowski, Timo Werner und Cris­tiano Ronaldo an. 25 Treffer hat er in 22 Serie-A-Par­tien erzielt. Schon in den ersten 17 Liga­spielen machte er 19 Tore. Der letzte Spieler, der das in Ita­lien schaffte, war Antonio Ange­lillo von Inter. Vor 61 Jahren.

Aber Immo­bile hat nicht erst in dieser Saison zur alten Form gefunden. Im Grunde gelingt ihm seit seiner Heim­kehr nach Ita­lien alles. Wett­be­werbs­über­grei­fend hat er für Lazio in 163 Spielen 114 Tore geschossen und 31 vor­be­reitet. Auch wegen Immo­bile gewann Lazio ver­gan­genes Jahr die Coppa Italia (Immo­bilie machte im Halb­fi­nale gegen AC Mai­land das Siegtor). Und vor allem wegen Immo­bilie darf sich Lazio diese Saison Hoff­nungen auf die erste Meis­ter­schaft seit 20 Jahren machen. Am Sonntag könnte das Team auf einen Punkt an Tabel­len­führer Juventus Turin her­an­rü­cken.