Seite 3: „Das Spiel in New York wird geil“

Sie sind bisher in jedem MLS-Spiel ein­ge­wech­selt worden. Wie bewerten Sie die aktu­elle Situa­tion?
Das Spiel­ni­veau ist natür­lich deut­lich höher, ich kriege nicht so viele Ein­satz­zeiten wie früher im Col­lege. Trotzdem bin ich froh über jede Minute, die ich spielen darf. Zumal es mir zeigt, dass die Trainer auf mich setzen und Poten­zial in mir sehen. Dar­über bin ich sehr glück­lich, weil es auch eben viele Draf­tees“ gibt, die noch kein Spiel gemacht haben.

Wie schätzen Sie die Leis­tung Ihres Teams ein?
Wir stehen oben in der Eas­tern Con­fe­rence, direkt hinter Mon­tréal. Wir haben eine gute Truppe und sind super in die Saison gestartet. Uns hatten nicht viele auf der Rech­nung, aber wir hoffen, so wei­ter­ma­chen zu können. Unser Ziel sind die Play­offs, dafür müssen wir unter die besten Sechs kommen. Das ist allemal drin.

Wie würden Sie das Niveau der MLS in Deutsch­land ansie­deln?
Ich würde das MLS-Niveau mit dem Niveau der zweiten Liga vergleichen.Die Bun­des­liga, viel­leicht auch gene­rell Europa, ist tak­tisch und tech­nisch aus­ge­prägter. Aller­dings sehe ich die MLS im phy­si­schen und ath­le­ti­schen Teil zumin­dest auf Augen­höhe mit den ersten euro­päi­schen Ligen. In der MLS gibt es ein paar Ver­eine, die in der Bun­des­liga even­tuell die Klasse halten könnten. Genauso gibt es ein paar Mann­schaften, die von der Qua­lität eher in der dritten Liga anzu­sie­deln sind.

Vor nicht mal drei Jahren spielten Sie auf dem Horst-Neu­hoff-Sport­feld in Wup­pertal vor 100 Zuschauern. Jetzt stehen Sie vor Zehn­tau­senden Zuschauern auf dem Feld und spielen gegen ehe­ma­lige Welt­fuß­baller. Müssen Sie sich nicht manchmal kneifen?
Es ist schon ver­rückt, da ich die Spieler natür­lich von früher aus dem Fern­sehen kenne und mit vielen der Spieler groß geworden bin. Wir haben neu­lich gegen Orlando gespielt, und ich durfte 30 Minuten gegen Káká spielen, das war schon toll. Letzt­lich ist Fuß­ball aber ein Team­sport. Ein Indi­vi­duum kann in man­chen Situa­tionen den Unter­schied machen, aber nur als Team kannst du Spiele gewinnen. Viel­leicht haben wir auch des­wegen gegen Orlando und Káká gewonnen. Trotzdem ist es ein riesen Ding, gegen solche Spieler auf dem Platz zu stehen, auch wenn man das im Spiel selber gar nicht richtig wahr­nimmt.

Gibt es denn Spiele, Spieler oder Städte auf die Sie sich in Zukunft beson­ders freuen?
Wir spielen kom­mendes Wochen­ende in New York. Da spielen David Villa, Frank Lam­pard und Andrea Pirlo. Das sind natür­lich drei abso­lute Legenden – das wird geil. Ansonsten freue ich mich auf das Spiel gegen Los Angeles Galaxy mit Steven Ger­rard.

Momentan läuft es für Sie richtig gut in den USA. Wie geht es denn in den nächsten Jahren weiter?
Ich bin in Phil­adel­phia sehr zufrieden und weiß, dass ich es in den USA zum Profi geschafft habe. Von daher ver­suche ich, den Moment zu genießen. Wenn ich in fünf Jahren noch in der MLS spielen sollte, dann ist das ein guter Erfolg, der zeigt, dass ich auf diesem Niveau spielen kann. Klar gucke ich auch mit einem Auge darauf, was in Europa pas­siert, schließ­lich ist das meine Heimat. Trotzdem habe ich keinen Druck, nach Europa zu gehen. Falls dann aber doch mal ein Angebot kommen sollte, werde ich mir das anhören und dar­über nach­denken.

Wann werden Sie denn das nächste Mal nach Deutsch­land kommen?
Der Plan ist, dass ich nach der Saison für ein paar Wochen nach Ahaus, in meine Heimat, komme. Die Saison geht von März bis Oktober, November – je nachdem wie weit wir in den Play­offs kommen. Wenn die Saison vorbei ist, freue ich mich natür­lich sehr darauf, Weih­nachten und die freie Zeit mit meiner Familie zu ver­bringen und alte Freunde wie­der­zu­sehen.

Wäh­rend der letzten Besuche in Deutsch­land haben Sie bei der Spvgg Vreden in der West­fa­len­liga gespielt. In der kom­menden MLS-Pause auch?
Ich habe mich wäh­rend der Col­lege-Saison dort immer fit­ge­halten, dar­über war ich sehr dankbar. Ich denke auch, dass es eine Win-Win-Situa­tion war. Ich konnte dem Team ein biss­chen helfen und konnte mich durch das Trai­ning und die Spiel­praxis fit­halten. Jetzt wird es natür­lich schwierig. Ich bin bei Phil­adel­phia in der MLS unter Ver­trag und kann nicht mal eben so in der West­fa­len­liga spielen. Da muss ich mich also ander­weitig fit­halten.