Seite 3: „Der schönste Moment meiner Karriere“

Erklären Sie es uns: Warum wird man als Bra­si­lianer frei­willig Ver­tei­diger?
Der Job war nun einmal wie für mich gemacht. Und wenn man ein Job­an­gebot bekommt, was macht man dann? Man nimmt es an! Glauben Sie mir, mir hat die ganze Ren­nerei Spaß gemacht.

1995 wagten Sie den Sprung nach Europa, doch nach 16 Ein­sätzen für Real Sara­gossa kehrten Sie noch im selben Jahr zurück nach Bra­si­lien. Woran sind Sie damals geschei­tert?
Ich unter­schrieb einen Zwei-Jahres-Ver­trag, ver­letzte mich jedoch schon sehr bald nach meiner Ankunft. Nach einem halben Jahr war das Kapitel Europa zunächst für mich beendet. Eine herbe Ent­täu­schung.

Nach zwei Jahren für SE Pal­meiras ver­suchten Sie es erneut in Europa. Diesmal beim AS Rom. Dort werden Sie bis heute als einer der besten Außen­ver­tei­diger der Ver­eins­ge­schichte gefeiert. Was lief in Rom besser?
Zunächst einmal blieb ich von schlim­meren Ver­let­zungen ver­schont, war reifer geworden und traf in meinem Lands­mann Aldair auf einen echten Fels
in der Bran­dung. Aldair ist fünf Jahre älter als ich, spielte schon seit sieben Jahren in Rom und war dort längst eine Legende. Wir nannten ihn den König von Rom“. (Lacht.)

Wie hat er Ihnen die Ein­ge­wöh­nung erleich­tert?
Er war immer da, wenn ich ihn brauchte. Und abseits des Platzes machte er mich mit dieser wun­der­baren Stadt bekannt: Wir besuchten die his­to­ri­schen Plätze, ich lernte das typi­sche Römer Flair kennen. Außerdem nahm er mich mit zu seiner Familie, die mich wie einen der ihren behan­delte. Ich fühlte mich gleich geborgen. Ein groß­ar­tiges Fun­da­ment für sport­li­chen Erfolg. Ich habe Aldair eine Menge zu ver­danken.

Welche Erin­ne­rungen ver­knüpfen Sie mit Ihrer Anfangs­zeit beim AS Rom? 1997 war die Serie A noch die beste Liga der Welt, der AS Rom einer der größten Klubs.
Ich kam mir vor wie in einer anderen Welt. Und ich ver­diente erst­mals richtig viel Geld. Von meinen ersten Gehäl­tern erfüllte ich mir einen Traum – und kaufte meinen Eltern ein Haus.

Bereits 1990 fei­erten Sie Ihr Debüt in der bra­si­lia­ni­schen Natio­nal­mann­schaft. Was nicht überall Begeis­te­rung her­vor­rief. Ein Come­dyduo soll sogar damals recht ordent­lich mit dem Ver­kauf von T‑Shirts ver­dient haben, auf denen stand: Ich habe Cafu nicht auf­ge­stellt.“ Hat Sie das damals ver­letzt?
Schön fand ich es nicht, aber ich gewöhnte mich bald daran, ziem­lich viele Kri­tiker zu haben. Sehen Sie, ich habe ins­ge­samt 142 Län­der­spiele absol­viert, mehr als jeder andere Bra­si­lianer. Und trotzdem gab es Men­schen, die mir selbst vor meinem 142. Spiel das Recht abge­spro­chen haben, ein wür­diger Natio­nal­spieler zu sein. Was soll ich dazu noch sagen?

Viel­leicht, dass Sie in drei WM-End­spielen auf dem Rasen standen. 1994 beim Sieg über Ita­lien wurden Sie nach 21 Minuten für Jorginho ein­ge­wech­selt, 1998 gegen Frank­reich und 2002 gegen Deutsch­land waren Sie Stamm­spieler. Ver­liert so ein Finale eigent­lich an Reiz?
Tat­säch­lich wird selbst so ein Spiel beim dritten Mal zur Rou­tine. Aber was die Emo­tionen angeht, ist das jedes Mal wieder phä­no­menal. Zumal einem sol­chen End­spiel ein knüp­pel­hartes Tur­nier voran­geht, das so viele Höhen und Tiefen zu bieten hat. Ich fühle mich ein­fach unglaub­lich pri­vi­le­giert, dass ich diesen Luxus genießen durfte.

1994 und 2002 wurden Sie Welt­meister. Wel­chen Titel­ge­winn würden Sie höher ein­stufen?
Das deut­lich här­tere Tur­nier war 1994 in den USA. Aber 2002 als Kapitän den Pokal zu gewinnen, ihn ent­ge­gen­zu­nehmen und vor einem Milliarden­publikum in die Höhe zu stre­cken, war natür­lich unbe­schreib­lich. Der schönste Moment meiner Kar­riere.