Seite 2: „Es muss immer Spieler geben, die ›hässlich‹ spielen können“

Fuß­bal­le­risch groß wurden Sie schließ­lich beim FC Sao Paulo, Trainer dort war von 1990 bis 1996 Tele San­tana, Bra­si­liens legen­därer Natio­nal­trainer der Welt­meis­ter­schaften 1982 und 1986. Was war er für ein Typ?
Er wurde zu meinem Mentor. Tele San­tana war ein ganz beson­derer Trainer. Ihn zeich­nete beson­ders aus, dass er in jeder Situa­tion Ver­ant­wor­tung für seine Spieler über­nahm. Nicht die Spieler waren schuld, wenn das Spiel ver­lo­ren­ging, son­dern sein System. Für mich per­sön­lich war er in all den Jahren immer da, auf und neben dem Platz. Genau so einen Trainer brauchst du als junger Spieler. Viel­leicht hatte er mich ja auch nur des­halb so in sein Herz geschlossen, weil wir beide so ver­narrt ins Trai­ning waren. (Lacht.)

Hatten Sie als junger Spieler ein Idol, dem Sie nach­zu­ei­fern ver­suchten?
Das war mein Vater, selbst ein guter Fuß­baller. Alles, was ich kann und gelernt habe, ver­danke ich letzt­lich ihm. Inspi­riert hat mich als Bra­si­lianer natür­lich Pelé, der beste Fuß­baller aller Zeiten ist aber meiner Mei­nung nach ein anderer: Diego Armando Mara­dona.

Bra­si­liens Vor­zei­ge­profi wählt aus­ge­rechnet den Argen­ti­nier Mara­dona? Wie ist das mög­lich?
Wenn man einmal gegen Mara­dona gespielt hat, dann kann man gar nicht anders, als ihn zu nennen, wenn es um den Besten der Besten geht.

Wie oft standen Sie sich gegen­über?
Zweimal.

Und wie ver­tei­digt man gegen Mara­dona?
(Lacht.) Das weiß keiner, das ist unmög­lich!

Sie selbst gelten vielen als einer der besten Rechts­ver­tei­diger aller Zeiten. Knapp zwei Jahr­zehnte sah man Sie die rechte Seite rauf und runter rennen und Flanken schlagen. Wann haben Sie gemerkt, dass Sie für diese Posi­tion gemacht sind?
Ich konnte schon als Kind immer wahn­sinnig schnell und vor allem sehr aus­dau­ernd laufen. Ich war immer der, der am längsten durch­hielt bei den Dau­er­läufen. Im Laufe der Jahre ver­fei­nerte sich dann auch meine Technik, und ich baute mein eigenes Spiel auf: Mit voller Geschwin­dig­keit die rechte Seite beackern, immer wieder rauf und runter, bis die Gegen­spieler ein­fach nicht mehr konnten.

Vor allem in den acht­ziger Jahren, aber auch noch in den frühen Neun­zi­gern galt der bra­si­lia­ni­sche Fuß­ball als der schönste des Pla­neten. Wie defi­nieren Sie das Jogo Bonito?
Wenn man das Schwere ein­fach aus­sehen lässt, wenn der Kampf­sport Fuß­ball plötz­lich ganz leicht und locker aus­sieht, dann ist das für mich Jogo Bonito. Das ist die höchste Kunst des Fuß­ball­spie­lens.

Welche Rolle spielen Abwehr­spieler wie Sie in diesem schönen Spiel?
Für ein funk­tio­nie­rendes Jogo Bonito muss es immer Spieler geben, die auch häss­lich“ spielen können – und dazu war ich durchaus in der Lage. (Lacht.) Der schöne leichte Kick ist nichts für Abwehr­spieler. Wir sind dafür da, das eigene Tor zu ver­tei­digen. Und wenn wir das schaffen, dann können die Roma­rios und Ronaldos zeigen, wie schöner Fuß­ball aus­sieht.