Seite 2: Ein strukturelles Problem

Doch fast alles, was Favre im Moment ver­sucht, geht nach hinten los. Gegen Pader­born fassten sich die ent­setzen Fans an den Kopf und fragten, warum eine Mann­schaft wie Dort­mund – bei der die Außen­ver­tei­diger sehr hoch stehen, was bedeutet, dass die beiden Innen­ver­tei­diger gegen lange Bälle absi­chern müssen – aus­ge­rechnet Hum­mels und Julian Weigl in die Sprint­du­elle schickt. Dabei zeigten die zweiten 45 Minuten dieser Partie, dass das sehr gut funk­tio­nieren kann … solange die anderen acht Feld­spieler vorne aggressiv die Räume ver­engen.

Warum dies nicht immer – und sogar immer sel­tener – pas­siert, ist die ent­schei­dende Frage und das struk­tu­relle Pro­blem, das den Ver­ant­wort­li­chen wirk­lich Sorge bereiten muss. Denn es ist ja nicht so, als wäre erst seit ein paar Wochen Sand im Getriebe. Das 1:3 gegen Bar­ce­lona war auch des­wegen bei­spiel­haft für die schwarz-gelbe Misere, weil man gegen eine Elf, die man daheim noch ganz gut im Griff hatte, aus­wärts über­haupt kein Mittel fand.

Elf Monate Aus­wärts­blues 

Dieses Phä­nomen zieht sich wie ein roter Faden durch die jün­gere Ver­gan­gen­heit. Seit rund elf Monaten reiht sich ein schlimmes Aus­wärts­spiel an das nächste: Düs­sel­dorf, Tot­tenham, Nürn­berg, Augs­burg, Mün­chen 1, Köln, Union Berlin, Inter Mai­land, Schalke, Mün­chen 2, Bar­ce­lona. Nicht alle wurden ver­loren, eines sogar gewonnen, aber in allen wirkte die Mann­schaft fahrig, unin­spi­riert, mutlos. Wer diese Begeg­nungen gesehen hat, dem erscheint es wie Hohn, dass die erst im Sommer erschie­nene Favre-Bio­grafie den Titel Der Bes­ser­ma­cher“ trägt. 

Ist also die nächste Partie in der Tat schon ein Job-End­spiel“ für den Schweizer, wie es in der Mail von heute heißt? Wer Hans-Joa­chim Watzkes Reden auf der Mit­glie­der­ver­samm­lung am Sonntag und dem Aktio­närs­treffen am Montag gehört hat, kann eigent­lich nicht glauben, dass er seinem Trainer das aus­ge­spro­chene Ver­trauen nur 120 Stunden später wieder ent­zieht. Ande­rer­seits ist jene Partie schon wieder ein Aus­wärts­spiel. Aus­ge­rechnet in Berlin, wo Klins­mann gerade genau den Enthu­si­asmus ver­breitet, der seinem Schweizer Kol­legen so abgeht. Die Wet­ter­vor­her­sage spricht von vier Grad, Wind und mög­li­chem Schnee­regen. Favre muss sich warm anziehen.