Es ist die 96. Minute im Signal Iduna Park. Ein Frei­stoß aus 25 Meter Tor­ent­fer­nung. Die letzte Aktion des Spiels. Paco Alcácer tritt an und zir­kelt den Ball über die Mauer. Augs­burgs Tor­wart Andreas Luthe macht erst einen Schritt nach rechts und bleibt dann regungslos stehen. Der Ball schlägt halb­links neben ihm im Tor ein.

Eine sinn­bild­liche Szene für die Hin­runde der Schwaben. In einem spek­ta­ku­lären Bun­des­li­ga­spiel ver­liert der FCA in letzter Sekunde durch einen indi­vi­du­ellen Fehler mit 3:4. Mit mageren 15 Punkten steht man auf dem 15. Tabel­len­platz. Das Sai­son­ziel Klas­sen­er­halt ist in Gefahr.

1. Man lernt nie aus

Im Trai­nings­lager nahm Manuel Baum sich und die Mann­schaft in die Pflicht: Mein Coa­ching wird sich ändern. Die Spieler haben sich ver­än­dert, weil sie besser und erfolg­rei­cher geworden sind, da kann man dann in ein­zelnen Punkten auch mehr erwarten“.

Außerdem kri­ti­sierte er öffent­lich die Ein­stel­lung seiner Mann­schaft: Du kannst nicht Hoch­leis­tung im Pro­fi­be­reich bringen, wenn du nicht danach lebst. Da kam für mich im Nach­gang das eine oder andere heraus, das wir the­ma­ti­siert haben“. Die Spieler beschreiben das Auf­treten des Trai­ners in der Vor­be­rei­tung auf die Rück­runde als distan­zierter und strenger.

In seiner bisher schwie­rigsten Situa­tion als Bun­des­liga-Trainer prä­sen­tiert sich Baum selbst­si­cher, gereift und abge­klärt. Bleibt die Frage, ob die Ver­än­de­rungen ein ver­zwei­felter Ver­such oder ein effek­tiver Lösungs­an­satz sind.

2. Die Mann­schaft hat alles, was es braucht. Eigent­lich

Mit dem Ver­bleib der Leis­tungs­träger Alfred Finn­bo­gason, Phlipp Max und Jef­frey Gou­we­leeuw dachte man, den Grund­stein für die neue Saison gelegt zu haben. Einzig der Abgang von Tor­hüter Marvin Hitz war schmerz­haft und konnte nicht gleich­wertig kom­pen­siert werden. Weder Fabian Giefer noch Andreas Luthe nutzten ihre Chance und befeu­erten mit Aus­set­zern eine ständig neu ent­fachte Tor­wart­dis­kus­sion.

Julian Schieber, Andre Hahn und Fre­drik Jensen wurden vor der Saison als hoff­nungs­volle Neu­zu­gänge prä­sen­tiert. Keiner von ihnen stellte eine Ver­stär­kung dar. Im Gegen­teil: Julian Schieber wurde wie in seiner Zeit bei Hertha BSC von Ver­let­zungen aus­ge­bremst, Fre­drik Jensen spielte in der Hin­runde ledig­lich 67 Minuten.

Rück­kehrer Andre Hahn star­tete mit einem Tor und drei Vor­lagen in die Saison, ließ danach aller­dings stark nach und ist seit dem 7. Spieltag ohne Tor­be­tei­li­gung. In einem Inter­view beschreibt er sein schwie­riges Jahr 2018. Der Abstieg mit dem HSV und der Ver­lust seines Vaters warfen den Stürmer zurück. Für die Rück­runde kün­digte er einige Ver­än­de­rungen an: Die Fans werden eine Mann­schaft sehen, die sehr viel Ein­satz zeigen wird, die rennen wird ohne Ende, die Zwei­kämpfe annehmen wird. Wir werden wieder der alte FCA“.

Trotz der ent­täu­schenden Hin­runde ver­traut Manager Stefan Reuter dem Per­sonal. Einzig auf der Tor­wart­po­si­tion gibt es eine Ver­än­de­rung. Mit Georg Kobel wurde ein viel­ver­spre­chendes Talent von der TSG Hof­fen­heim aus­ge­liehen. Der Schweizer ist U‑21 Natio­nal­spieler und hat bereits in der Hin­runde ein Bun­des­li­ga­spiel absol­viert. Auf der Linie zeigte sich Kobel im Trai­nings­lager bären­stark. Im Coa­ching seiner Vor­der­leute wirkte er aller­dings zurück­hal­tend. Ob Kobel die neue Nummer eins wird, ist noch unklar.