Seite 2: Wie der FC Barcelona in wenigen Jahren in die Bredouille geriet

Seither wird die Liste der Vor­würfe gegen den ehe­ma­ligen Korb­jäger immer länger und länger: zahl­reiche plan- und wir­kungs­lose Spie­ler­ver­pflich­tungen wie Ous­mane Dem­belé, Antoine Griez­mann, Cou­t­inho, Martin Braithwaite oder Kevin-Prince Boateng, ein per­sön­li­cher Klein­krieg mit Super­star Messi (und die daraus resul­tie­rende Barca-Gate-Affäre“ um bezahlte Stim­mungs­mache im Internet), ver­passte Top­trans­fers wie die geschei­terte Rück­hol­ak­tion von Neymar oder die abge­sagte Ver­pflich­tung von Alp­honso Davies (auf­grund eines Bar­tomeu-Vetos), der anhal­tende Pres­ti­ge­ver­lust der Talent­schmiede La Masia“ und gleich zwei kapi­tale Fehl­be­set­zungen auf der Trai­ner­bank bei den Profis.

2017 hatte Bar­tomeu den zuvor in Bilbao tätigen Ernesto Val­verde (heute 56) ver­pflichtet, einen eher schweig­samen Übungs­leiter, der das erfah­rene Team um Messi ein­fach machen ließ. Das genügte zwar für zwei natio­nale Meis­ter­schaften (2018 und 2019) sowie einen Pokal­sieg (2018). Doch Val­verde, so glauben viele, ern­tete Früchte, die andere gesät und kul­ti­viert hatten: Vor­gänger wie Pep Guar­diola (von 2008 bis 2012 Barcas Chef­trainer), der an Krebs ver­stor­bene Tito Vil­a­nova (2012 bis 2013) oder Luis Enrique (2014 bis 2017). Zu Jah­res­be­ginn musste Val­verde gehen, weil die alten Erfolgs­ga­ranten wie Messi, Gerard Piqué oder Luis Suarez (alle 33) ihren Zenit augen­schein­lich über­schritten hatten und der jah­re­lange kon­zep­tio­nelle Still­stand nun seinen Tribut for­derte.

Bar­ce­lona und Messis Stim­mungen

Val­verdes Nach­folger war aber­mals ein Wunsch­kan­didat von Bar­tomeu und sollte Barca zurück­führen nach Tiki-taka-Land: Quique Setién (61), selbst ernannter Ver­fechter eines ästhe­tisch anspre­chenden Fuß­balls, hatte zuletzt Real Betís betreut und keinen ein­zigen bedeu­tenden Titel in seiner Trainer-Vita. Ent­spre­chend kopf­schüt­telnd wurde seine Ver­pflich­tung quit­tiert – von Fans, Medi­en­ver­tre­tern, Teilen der Klub­füh­rung und vor allem in der Kabine. Nach einem 2:2 in Vigo im Juni motzte Suarez: Wir ver­lieren aus­wärts zu viele Punkte, das war früher anders, ich denke, dass Trainer dazu da sind, so etwas zu ana­ly­sieren.“ Der mür­ri­sche Messi ver­wei­gerte Setiéns Co-Trainer sogar öffent­lich die Auf­merk­sam­keit. Um nur einige der jüngsten Unstim­mig­keiten zu nennen.

Für Bar­tomeu-Kri­tiker resul­tiert dessen prä­si­diales Ver­sagen aus Ahnungs­lo­sig­keit gepaart mit Bera­tungs­re­sis­tenz. Zu den sport­li­chen Ent­schei­dungs­trä­gern, die der oberste Barca-Boss ver­pflich­tete, zählen übri­gens auch Sport­di­rektor Eric Abidal und dessen rechte Hand Ramon Planes. Die beiden ver­pul­verten über 400 Mil­lionen Euro in zwei Jahren und trieben nebenbei auch noch Messi in eine Art Dau­er­frust. Der Argen­ti­nier würde viel lieber an der Seite seines Ex-Kol­legen Neymar stürmen als neben Antoine Griez­mann, Abidal aber boxte die 120 Mil­lionen Euro teure Ver­pflich­tung seines fran­zö­si­schen Lands­manns durch. Griez­mann kam in der abge­lau­fenen Saison auf ganze neun Liga­treffer in 35 Par­tien – auch weil Messi ihn auf dem Platz häufig schnitt.

Kommt’s jetzt richtig dicke?

Und Josep Bar­tomeu? Der spielt offenbar auf Zeit und stellt in Aus­sicht, die kom­menden Prä­si­den­ten­wahlen um einige Monate vor­zu­ver­legen – auf März 2021, was ange­sichts der augen­blick­li­chen Corona-Lage im Land ziem­lich zwei­fel­haft scheint. Die Zeit der sport­li­chen Expe­ri­mente sei jeden­falls vor­über, heißt es aus Bar­to­meus Umfeld. Sport­di­rektor Abidal steht längst auf der Kippe. Und auf dem Trai­ner­stuhl wird end­lich wieder ein Mann mit pro­mi­nentem Namen sitzen: Die gerade von einem Herz­in­farkt gene­sene Klub-Ikone Ronald Koeman soll es richten. Ob der Hol­länder auch auf große Neu­zu­gänge im Kader hoffen darf, ist zwei­fel­haft: Barca soll seinen Schul­den­berg unter Bar­tomeu laut spa­ni­schen Medien auf rund eine Mil­li­arde Euro hoch­ge­trieben haben, die Hälfte davon sei kurz­fristig fällig. Damit wäre der Verein auch wirt­schaft­lich ein Sanie­rungs­fall.