Eigent­lich muss man Armin Veh gra­tu­lieren. Ja okay, seine Mann­schaft ist zwar in der ersten DFB-Pokal­runde gegen einen – mit Ver­laub – mit­tel­klas­sigen Zweit­li­gisten aus Aue aus­ge­schieden (End­stand 3:0), aber wenigs­tens hat er sich nicht in lang­wei­ligen Feh­ler­ana­lysen ver­strickt oder Schock­starre simu­liert. Nein, er hat das getan, was jeder von uns in so einer pein­li­chen Situa­tion getan hätte: Er hat hastig nach einer Aus­rede gesucht. Nun gut, allzu glaub­würdig war das Ganze nicht, aber immerhin: Es war ziem­lich heiß, das war ein Pro­blem für uns“, hat er gesagt und damit damit dem halben Land aus der Seele gespro­chen. War ja auch heiß, puh. Sahara-Hitze. Min­des­tens. Also wirk­lich, wer sich das aus­ge­dacht hat, bei so einem Wetter über­haupt Fuß­ball zu spielen, der muss ein Men­schen­feind sein. Und wäh­rend andere schön am See lagen, mussten die armen Pro­fi­ki­cker wirk­lich arbeiten. Eine Unge­rech­tig­keit. Nur gut, dass es da einen Trainer gibt, der seine Jungs in Schutz nimmt. Und wer jetzt noch frei von Schweiß ist, der werfe den ersten Stein. Na? Des­wegen plä­dieren wir für mehr Aus­reden, um die Fans zu beru­higen und prä­sen­tieren hier schon Mal ein paar echt glaub­wür­dige Alibis für die nächste Nie­der­lage:

Diese Kulisse hat uns heute zu sehr beein­druckt“
Kommt beson­ders gut bei uner­wartet hohen Nie­der­lagen auf dem Dorf­sport­platz eines Sechst­li­gisten. Wer ver­steht nicht, dass sich Profis, die sich ansonsten regel­mäßig vor 50.000 ent­hemmten Fans prä­sen­tieren dürfen, erst einmal an eine Mini­ku­lisse von maximal 3000 Zuschauern gewöhnen müssen? Das dauert bei diesen hoch­sen­si­blen Sport­ma­schinen eben seine Zeit, manchmal sogar länger als 120 Minuten. Und was können die armen Spieler dafür, dass sich irgendein Ver­bands­boss vor Jahr­hun­derten über­legt hat, dass ein Fuß­ball­spiel dann nun mal vorbei ist. Genau: nichts.

Der Druck auf die Jungs war unmensch­lich“
Jah­res­ge­halt, Ablö­se­summe, Pri­vat­wagen, Urlaubsort – heute kennt jeder Fan die intimsten Details seiner Lieb­lings­ki­cker. Und wer erst einmal weiß, dass der neue Super­stürmer tat­säch­lich drei Mil­lionen Euro im Jahr nach Hause bringt, der hat eben auch einen gewissen Anspruch an diese hoch­ge­lobte Sturm­hoff­nung. Zumin­dest kann man aber erwarten, dass er in einem Pokal­spiel gegen eine No-Name-Truppe wenigs­tens einen Ball stoppen kann oder nicht über die eigenen Beine stol­pert. Klappt nicht mal das, tut der Trainer gut daran, eine Grund­satz­dis­kus­sion über Druck im Fuß­ball zu ent­fa­chen. So etwas nennt sich Neben­kriegs­schau­platz, quasi der Rauch­topf unter den Aus­reden. Wir wetten, irgendwer springt schon auf dieses dank­bare Thema an und ver­gisst, dass die eigene Mann­schaft ein­fach nur grot­ten­schlecht und über­heb­lich gespielt hat.

Der Ball war nicht richtig auf­ge­pumpt“
Äußerst beliebt unter Frei­zeit­ki­ckern, die irgendwie bei jedem Dribb­ling im Gegner hängen bleiben und sich diesen Umstand weder mit man­gel­hafter Technik, noch mit feh­lender Sprit­zig­keit erklären können. Schließ­lich müssen diese beiden Fähig­keiten nach 30 Jahren hartem Trai­ning mit Ziga­rette, Brat­wurst und Bier immer noch maximal aus­trai­niert sein. Soll heißen: Der kleine Mann kann nach­emp­finden, wenn dem hoch­ge­tunten Edel­tech­niker aus­ge­re­chent das Spiel­gerät einen Strich durch die Rech­nung macht. Des­wegen stellt er garan­tiert einen Per­sil­schein für die pein­liche Nie­der­lage aus und reist auch zum nächsten Aus­wärts­spiel ohne Murren zehn Stunden durch die Repu­blik. Egal bei wel­chem Wetter.

Der Gegner hat uns über­rum­pelt“
Gut, in Zeiten von 3D-Ana­lysen, flä­chen­de­ckendem Scou­ting und gut ver­netzten Talent­spä­hern hätte man auch mal wenigs­tens einen Co-Trainer in die Regio­nal­liga schi­cken können, um den nächsten Pokal­gegner aus­zu­spähen. Aber warum? Schließ­lich ist man auf jeder Posi­tion mit min­des­tens einem wasch­echten Profi bestückt, der auch in unge­wöhn­li­chen Situa­tionen wie einen frühen Rück­stand mit Ruhe und Beson­nen­heit reagieren kann. Warum sollte man der Mann­schaft also ein paar Hin­weise zum Gegner an die Hand geben, kann man doch darauf ver­trauen, dass sich die Super­stars mit aller Gewis­sen­heit auf das Spiel in den Nie­de­rungen des Fuß­balls vor­be­reitet haben und mit vollster Kon­zen­tra­tion in jede Partie gehen. Sollte das nicht der Fall sein, der Gegner also bereits nach zehn Minuten über­ra­schend mit 2:0 führen, dann strei­chen sie sofort die Segel, geben sie das Spiel ver­loren und prä­sen­tieren diese Aus­rede. Wider­sprüche suchen sie ver­ge­bens.

Heute hat hier doch ein Heim­schieds­richter gepfiffen“
Sozu­sagen der Nazi-Ver­gleich unter den Aus­reden. Immer gern gebracht, immer findet er Zustim­mung, denn auf den Schiri als größtes, gemein­sames Übel kann sich selbst der ent­täusch­teste Fan einigen. Die nicht gege­bene Ecke in Minute 14, ganz klar die spiel­ent­schei­denen Szene. Der fal­sche Ein­wurf des Ama­teur­spie­lers, wenn so etwas nicht gepfiffen, dann können wir gleich auf­hören. Der klare Elf­meter, nachdem sich die eigenen Stürmer selbst ein Bein gestellt haben, da wollte jemand, dass wir nicht gewinnen. Wichtig: Diese Aus­rede mög­lichst laut­stark vor­tragen, am besten mit einem ener­gi­schen Abwinken unter­mauern.

Wir können die zahl­rei­chen Aus­fälle der­zeit nicht kom­pen­sieren“
Auch bekannt als Das Armuts­zeugnis“, gesteht der Trainer doch ein, dass seine erste Elf kei­nerlei Alter­na­tiven bietet. Der Vor­teil: Die Fans ver­stehen, dass Trainer und Mann­schaft in so einer Situa­tion wahr­schein­lich auch gegen die C‑Jugend des VfR Übach-Palen­berg die Hände gebunden wären. Mög­li­ches Mit­leid mit der sport­li­chen Füh­rung lässt Mann­schaft und Fans noch näher zusam­men­rü­cken, es ent­steht eine ver­schwo­rene Gemein­schaft, die im nächsten Test­spiel zeigt, was in ihr steckt und nach dem ver­dienten 1:1 gegen die eigenen A‑Jugend kol­lektiv zur Humba ansetzte. Der Nach­teil: Die Spieler zwölf bis 22 haben wenig Lust sich noch weiter ins Zeug zu legen, wenn ihnen schon nach dem ersten Rück­schlag die Schuld in die bunten Schuhe geschoben wird. Aber mal ehr­lich: Drauf geschissen, wer braucht schon Aus­wech­sel­spieler?