Seite 2: Was dann doch interessant ist

An anderen Stellen öffnet Mat­thäus die Schatz­truhe seines Lebens zwar einen Spalt weit, aber nur, um gleich darauf wieder Fünfer-Abwehr, Libero und Ket­ten­hund davor zu legen. Etwa dann, wenn er erzählt, dass er zu Beginn seiner ersten Bayern-Zeit beson­ders gut mit Hansi Pflügler, Michael Rum­me­nigge und Jean-Marie Pfaff aus­ge­kommen sei und mit ihnen auch privat sehr gute Kon­takte gehabt habe“. Und da man das hört, springt es sofort an, das Kopf­kino. Von wilden Nächten in Mün­chen, Kabi­nen­ge­klüngel gegen Kon­kur­renten und irren Aus­ein­an­der­set­zungen mit Lattek und Hoeneß fabu­liert die Fan­tasie da. Und wird von Mat­thäus und Hoff­mann schnell erdolcht. Wer Anek­doten erwartet von einem der besten Fuß­baller aller Zeiten, bleibt ent­täuscht zurück.

Und auch wenn es um die Exper­tise des Sky-Experten Mat­thäus geht, ver­ödet vieles im Ansatz. Welche Bayern-Spieler bei ihm immer spielen würden? Ich würde immer spielen mit Kim­mich. Ich würde immer spielen mit Neuer, ich würde immer spielen mit Lewan­dowski, ich würde immer spielen mit Alaba.“ Warum? Darf man sich selbst denken.

Dabei redet der längst Medien rou­ti­nierte Mat­thäus ohne Unter­lass, allein: Er sagt wenig. Immerhin erfahren wir, dass Mara­dona ihn einst unbe­dingt nach Neapel holen wollte und dass er schon mit 19 ein Angebot von Juventus Turin erhielt, das 20 Mal so gut dotiert gewesen sei wie sein bestehender Ver­trag bei Borussia Mön­chen­glad­bach. Dass er Robert Lewan­dowski auch 30 Mil­lionen Euro Jah­res­ver­dienst gönnt, wenn er so netzt wie in dieser Saison, wenn er so eine Per­sön­lich­keit auf dem Platz ist.“ Und dass er zum Spiel Bayern-Schalke mit dem Auto aus Buda­pest ange­reist sei, um auf dem Rückweg über Salz­burg zu fahren, um seinen Freund Franz Becken­bauer zu besu­chen, und ich muss sagen, es war ein­fach schön, ihn zu sehen. Es war schön ihn zu sehen in einer bes­seren Kon­di­tion wie noch vor einigen Monaten.“

So unge­fähr ließe sich das auch über Lothar Mat­thäus sagen. Es ist schön, dass dieser einst im wahrsten Wort­sinn unfass­bare Fuß­baller und zumin­dest heute spürbar anstän­dige Mensch nicht mehr die lach­numm­rige Angriffs­fläche ist, die er zu Zeiten seiner völlig zu Unrecht in schlechtes Licht gestellten Trainer-Kar­riere war. Und auch wenn sein Experten-Job bei Sky“ an ähn­li­chen Floskel-Gewit­tern krankt wie nun der Pod­cast, hat seine Prä­senz rund um das Top-Spiel längst eine woh­lige Ritua­lität gewonnen. 

Und wer Lothar-Mat­thäus-Fan ist, dem sei Herz der Mann­schaft“ auch unbe­dingt als Pflicht­pro­gramm emp­fohlen. Allen anderen sei ver­si­chert, dass man auch gut ohne aus­kommt. Es ist ok. Oder wie Lothar Mat­thäus in Folge zwei sagt: Man kann nicht immer auf Wolke sieben schwimmen.“