Seite 5: „Ich sollte mich damit anfreunden, zeitnah ein künstliches Kniegelenk zu benötigen“
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Wie fühlten Sie sich vor dem Ein­stieg ins Mann­schafts­trai­ning?
Ich habe mich ein­fach wahn­sinnig gefreut, wieder kicken zu dürfen – den Ball am Fuß zu haben. Ich war wahn­sinnig heiß.

Hatten Sie Angst?
Viel­leicht bin ich ein Extrem­fall, aber als die Ärzte mir ihr Go“ gaben, habe ich nicht mehr daran gedacht, dass meinem Knie etwas pas­sieren könnte.

Im April 2014 gaben Sie schließ­lich Ihr Come­back gegen Borussia Dort­mund. Wie trai­nierten Sie in den Wochen zuvor?
Ich habe in den Wochen vor der Rück­kehr viel­leicht zwei oder drei Wochen mit der Mann­schaft trai­niert. Ich war völlig eupho­risch und habe Vollgas gegeben – bis mir relativ schnell die Luft aus­ging. Die ersten Male waren wie auf dem Bolz­platz, ich habe ein­fach alles rein­ge­hauen und hatte irgend­wann nur noch Krämpfe, bis ich dann ein biss­chen früher auf­ge­geben musste.

Nach Ihrem Wechsel vom VfB Stutt­gart zum VfL Wolfs­burg wurden Sie erneut am linken Knie ope­riert. Wie prä­sent waren Knie­pro­bleme in den Jahren nach Ihrem Come­back?
Die Knie­pro­bleme waren immer prä­sent. Ich hatte auch in den Jahren nach meinem Come­back immer mal stär­kere und mal schwä­chere Schmerzen im Knie, habe aber relativ viele Spiele bestritten, auch wenn ich nicht ganz fit war. Im Sommer 2016 setzte ich mich nochmal mit den Ärzten zusammen, nachdem ich klei­nere Pro­bleme mit dem Meniskus hatte. Der Doc sagte mir, dass sich in meinem Knie zuneh­mend Arthrose gebildet hatte. Er sagte mir, dass in ein bis zwei Jahren Fei­er­abend sei und das Knie kom­plett kaputt wäre. Außerdem sollte ich mich damit anfreunden, dass ich zeitnah ein künst­li­ches Knie­ge­lenk benö­tigen würde.

„Ich höre weniger auf die Ärzte“

Was löste das in Ihnen aus?
Natür­lich hört man das nicht gerne, aber es war kein rich­tiger Schock für mich. Ich habe das akzep­tiert und beschlossen, weiter zu kicken. Ab dem Zeit­punkt habe ich mich damit beschäf­tigt, wie ich das Kar­rie­re­ende hin­aus­zö­gern kann. Ich habe mich in unter­schied­liche Bereiche ein­ge­lesen.

Mit wel­chem Ergebnis?
Ich höre weniger auf die Ärzte und mehr auf meinen Körper. Zudem habe ich meine Ernäh­rung umge­stellt und ernähre mich vegan, was mir in Bezug auf mein Knie auch gut tut. Jetzt bin ich bald 30 und habe kaum noch Pro­bleme.

Hat sich Ihr Spiel durch die Ver­let­zungen ver­än­dert?
Die Schnel­lig­keit und Sprit­zig­keit sind natür­lich durch die lange Ver­let­zungs­zeit und die Pro­bleme danach weniger geworden. Mit der Zeit musste ich andere Wege finden, um dieses Defizit aus­zu­glei­chen. Aber ich denke, dass mir das ganz gut gelungen ist.

Zumin­dest gut genug, um in der 1. und 2. Bun­des­liga zu spielen.
So schlecht kann es nicht sein, ja. (Lacht.)