Seite 3: „Es gab kaum Kontakt mit anderen Spielern“

Sie ent­schieden sich für eine OP – und wurden über ein Jahr nach Ihrer ersten Ope­ra­tion 2012 erneut am Knie ope­riert.
Ich war ein­fach glück­lich dar­über, dass es doch noch die Mög­lich­keit für ein Come­back geben würde.

Manche Profis absol­vierten den Reha-Alltag ganz bewusst nicht auf dem Ver­eins­ge­lände, um Abstand zum Fuß­ball zu gewinnen. Wie haben Sie es gemacht?
Wir haben beim VfB ein eigenes Reha-Zen­trum, das nicht unmit­telbar am Trai­nings­platz liegt, in dem aber natür­lich auch andere ver­letzte Spieler arbeiten. Trotzdem gewinnt man dort Abstand vom Tages­ge­schäft. Anfangs habe auch ich ver­sucht, andere Räume für mich zu finden, um meine täg­liche Reha-Arbeit zu absol­vieren. Für mich war dann aller­dings schnell klar, dass mir eine gewisse Rou­tine – auch in Bezug auf die Räum­lich­keiten – gut tut.

Wie sah zu dieser Zeit der Kon­takt zu Ihren Mit­spie­lern aus? Tritt man irgend­wann aus der gemein­samen Whatsapp-Gruppe aus?
Aus­ge­treten bin ich nicht, aber es gab zu dieser Zeit kaum Kon­takt mit anderen Spie­lern. Ab und zu habe ich mit den Trai­nern gespro­chen oder geschrieben, sie wollten mich immer mal wieder ins Boot holen. Aber auch denen erklärte ich meine Situa­tion.

Wie meinen Sie das?
Ich habe Ihnen offen gesagt, dass ich mich zum Groß­teil aus dem fuß­bal­le­ri­schen Alltag raus halten möchte und das eine aktive Ent­schei­dung von mir ist, mit der ich mich selbst schützen möchte.

Stießen Sie dabei auf Ver­ständnis?
Ja. Ich glaube, jeder konnte meine schwie­rige Lage nach­voll­ziehen.

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Würden Sie sagen, dass der Fuß­ball zu diesem Zeit voll­ends aus ihrem Alltag ver­schwunden ist?
Zumin­dest hatte ich in diesen zwei Jahre nicht mehr viel mit Fuß­ball zu tun. In der gesamten Reha-Zeit ging es viel­mehr um den Men­schen, als um den Fuß­baller oder ein mög­li­ches Come­back. Das tat mir zu diesem Zeit­punkt gut.

Wel­ches Ziel hatten Sie denn in der Reha vor Augen?
Die Phy­sios und Ärzte haben mir in dieser Zeit ver­mit­telt, dass es für mich primär darum gehen würde, nach der Reha wieder all­täg­liche Dinge wie Fahr­rad­fahren oder Trep­pen­steigen tun zu können. Der Pro­fi­fuß­ball war zu diesem Zeit­punkt weit ent­fernt.

Wie gingen Sie mit Schmerzen um?
Nach meiner ersten Ope­ra­tion waren die Schmerzen kaum aus­zu­halten. Wäh­rend der zweiten Reha lernte ich unter­schied­liche Schmerzen kennen. Nach all den Spritzen und Tabletten begann ich langsam wieder ein Gefühl für mein Knie zu bekommen. In der Folge konnte ich die Schmerzen besser ein­schätzen und wurde nicht gleich nervös, wenn ich etwas im Knie spürte. Aber natür­lich härtet man auch ab und gewöhnt sich an den Schmerz.

Gehen Sie davon aus, dass Sie ihr Leben lang Schmerzen im Knie haben werden?
Ja.

In der breiten Öffent­lich­keit geraten Fuß­baller nach schweren Ver­let­zung schnell aus dem Fokus. War es für Sie ein Pro­blem, sich nicht mehr Woche für Woche 50.000 Men­schen prä­sen­tieren zu können?
Nein, im Gegen­teil. Mir hat die Anony­mität gut getan. Ich weiß, dass es dazu gehört, in der Öffent­lich­keit zu stehen und ich akzep­tiere das und freue mich dar­über, wenn ich mit Fans in Kon­takt komme. Aber ich per­sön­lich war nie ein großer Freund davon, erkannt zu werden. Mir hat in dieser Zeit der Fuß­ball gefehlt. Und klar habe ich es ver­misst, vor 50.000 Men­schen zu spielen. Aber nicht, weil mir die öffent­liche Aner­ken­nung fehlte, son­dern ein­fach, weil die Stim­mung in einem Fuß­ball­sta­dion geil ist.