Die Abschieds­tränen für Sil­ber­me­daillen-Gewinner Horst Hru­besch (65) waren noch nicht ganz getrocknet, als der Deut­sche Fuß­ball-Bund am Dienstag nicht nur für eine faust­dicke Über­ra­schung, son­dern für ein abso­lutes Novum sorgte: Mit Stefan Kuntz (53), dem Euro­pa­meister von 1996, wurde ein Übungs­leiter für die U21 instal­liert, der einst von sich selbst behauptet hat, für den Trai­nerjob über­haupt nicht geeignet zu sein.

Ein sehr beklem­mendes Gefühl, wenn plötz­lich das Handy nicht mehr klin­gelt“

Wie viele andere Ex-Profis auch, ver­suchte sich Kuntz unmit­telbar nach seiner Kar­riere um die Jahr­tau­send­wende als Trainer. Nach Sta­tionen bei seinem Hei­mat­verein Borussia Neun­kir­chen, dem Karls­ruher SC, bei Waldhof Mann­heim und dem LR Ahlen, wo er im November 2003 ent­lassen wurde, war der Euro­pa­meister von 1996 von einem Tag auf den anderen raus aus dem Geschäft. Bit­tere Monate für den Strah­le­mann, der fest­stellen musste, dass man das, was man nach eigenem Emp­finden am besten konnte, auf einmal nicht mehr machen durfte. Es ist ein sehr beklem­mendes Gefühl, wenn nach drei, vier Monaten plötz­lich das Handy nicht mehr klin­gelt. Manchmal habe ich mich anrufen lassen, um zu wissen, ob das Ding über­haupt noch funk­tio­niert“, erzählte er 2007 in einem Inter­view mit 11FREUNDE.

Die Kon­se­quenz: Kuntz ging zum Arbeitsamt, zog eine Nummer, setzte sich in den Gang und ließ sich eine Bera­tung geben. Ich setzte relativ hart in der Rea­lität auf.“ Er fing an, eine Böschung in seinem Garten mit Natur­stein abzu­fangen. Die Mauer war am Ende so lang wie ein Fuß­ball­feld. Selbst­the­rapie. Es hat mir das Gefühl gegeben, dass ich außer­halb des Fuß­balls irgendwas kann – wenn auch nur eine Tro­cken­mauer.“ Nebenbei absol­vierte der Heim­werker ein halb­jäh­riges Fern­stu­dium in modernem Fuß­ball­ma­nage­ment. Trotzdem blieben die Zweifel: Ich wollte nicht mehr Trainer sein, war aber nicht sicher, ob ich mir das Manage­ment zutraute.“

Trai­nerjob war keine rich­tige Erfül­lung“

Kuntz wech­selte dann tat­säch­lich den Trai­nings­anzug gegen den feinen Zwirn ein, wurde Manager beim TuS Koblenz, später beim VfL Bochum. Im November 2007 gab er im 11FREUNDE-Inter­view unum­wunden zu: Ich habe den Trai­nerjob unter­schätzt, weil ich einige Eigen­schaften, die man als Trainer braucht, gar nicht aus­ge­bildet habe. Ich habe keine rich­tige Erfül­lung darin gefunden, und ich hatte, ehr­lich gesagt, auch keinen durch­schla­genden Erfolg.“