Es war viel­leicht das Trainer-Hick-Hack dieser Saison: Dome­nico Tedesco und Schalke 04. Erst war er der unan­ge­foch­tene Chef, dann ließen sich die Nie­der­lagen nicht länger ver­ar­gu­men­tieren. Tedesco kämpfte. Schalkes Vor­stand besprach die Lage spät­abends in einem Flug­ha­fen­hotel bei Düs­sel­dorf. Eine letzte Chance, aus­ge­rechnet auch gegen Man­chester City, dann war der Trainer weg. Seitdem hat den deut­schen Fuß­ball ein regel­rechtes Trai­ner­beben erfasst. Und man muss sich langsam fragen, woran das liegt.

Alle ver­rückt?

Markus Kauc­zinski raus, Manuel Baum raus, des­halb Jens Leh­mann auch raus. Tedesco ist jetzt schon länger weg, Bruno Lab­badia wollte ja unbe­dingt, Dieter Hecking wird bald gehen müssen, nur: Geht Thomas Doll noch früher? Und wie geht es eigent­lich weiter mit Pal Dardai? Immerhin: In der 2. Liga gab es in diesem Jahr schon 14 Trai­ner­wechsel. Ingol­stadt hat allein drei Trainer ver­schlissen. Und die Sport­freunde Lotte, der Dritt­li­gist aus der Nähe von Osna­brück, hat sich am Montag erst seinen Ex-Coach ange­lacht.

Was die Frage auf­wirft: Sind die denn alle ver­rückt geworden?

Nun. Ver­rückt­heit oder auch Wahn­sinn“ wurde bis zum Ende des 19. Jahr­hun­derts als Ober­be­griff für Ver­hal­tens- oder Denk­muster ver­wendet, die nicht den gesell­schaft­li­chen Kon­ven­tionen ent­spra­chen. Mitt­ler­weile gilt Ver­rückt sein“ (nicht zu ver­wech­seln mit dem positiv besetzten Nütz­li­chen Wahn­sinn“ oder der Ganz nor­malen Ver­rückt­heit“) als psy­chi­sche Krank­heit, wird von Medi­zi­nern behan­delt und des­halb bedarf es auch in diesem Fall ein wis­sen­schaft­li­ches Vor­gehen bei der Suche nach der Ant­wort, ob sie denn nun alle ver­rückt sind.

Was geschah in Düs­sel­dorf?

Womit wir zurück wären im Sit­zungs­saal des Tagungs­ho­tels nahe des Düs­sel­dorfer Flug­ha­fens. Dort trafen sich also der Schalker Auf­sichtsrat und der desi­gnierte Sport­vor­stand Jochen Schneider, um die Lage, die immer schlimmer schien, zu bespre­chen. Schalke war zu diesem Zeit­punkt am Boden, hatte gerade 0:4 gegen For­tuna Düs­sel­dorf ver­loren, würde am Wochen­ende gegen Werder Bremen spielen und anschlie­ßend eine 0:7‑Pleite in Man­chester kas­sieren. (Was die Vor­stände und Auf­sichts­rats­mit­glieder selbst­re­dend noch nicht wussten.)

Was muss pas­siert sein, dass Dome­nico Tedesco bleiben durfte? – Um diese Frage zu beant­worten, müssen wir uns in die Köpfe der Betei­ligten hin­ein­denken. Quasi die Situa­tion simu­lieren.