Mathias Ranégie galt als Typ Rake­ten­for­scher“. Doch etwaige Defi­zite konnte der gelernte Mit­tel­stürmer bes­tens kom­pen­sieren – mit Toren. Des­halb ver­zieh man ihm die eine oder andere schräge Aktion und sah groß­zügig über manch ver­balen Fehl­tritt hinweg. Ranégie (33), der Junge aus Göte­borg, schaffte es bis in die Natio­nal­mann­schaft. In seiner Vita stehen immerhin fünf A‑Länderspiele und ein Tor. Doch dar­über spricht heute nie­mand mehr. Ganz Schweden redet nur über eine durch­ge­knallte Pod­cast-Radio­sen­dung und fragt sich besorgt: Hur dum kan du vara? Zu deutsch: Wie dumm kann man sein?

Doch schön der Reihe nach: 2012 machte Mathias Ranégie ein paar Tage Ski­ur­laub in Öster­reich. Das schöne Bad Gas­tein lag quasi vor seiner Haustür, denn der Tor­jäger spielte damals für Udi­nese Calcio in Nord­ita­lien. Eines schönen Abends hatte Ranégie ein biss­chen viel getrunken. Kann pas­sieren. Er bag­gerte eine Frau an. Ja, auch okay. Anschlie­ßend brach er deren Freund das Nasen­bein, so dass die Polizei ein­schreiten musste. Aber damit nicht genug: Statt am nächsten Morgen – wie auf­ge­for­dert – zum Verhör auf der Wache zu erscheinen, flüch­tete Ranégie per Auto außer Landes. Und es kommt noch krasser: Das fol­gende Straf­ver­fahren und eine Zah­lungs­auf­for­de­rung über 10.000 Euro – davon 3.000 Euro Schmer­zens­geld für das Opfer – igno­rierte er hart­nä­ckig. Bis heute. Aber das ist noch längst nicht alles.

Es würde mich wirk­lich zu sehr schmerzen, das schöne Geld ein­fach dort hin­zu­schi­cken.“

In Schweden wäre Ranégie für sein Ver­bre­chen im Ski-Urlaub ver­mut­lich nie belangt worden. Der Arm der öster­rei­chi­schen Justiz reichte nicht so weit nord­wärts, viel­leicht war das Ver­fahren auch irgendwo ver­sandet. Doch Ranégie musste ja unbe­dingt in der Pod­cast-Radio­show Tutto Balutto“ auf­treten und erzählen, was für eine coole Sau er doch sei. Er berich­tete von Luxu­s­ur­lauben und wilden Partys in einer leer­ste­henden Villa des frü­heren Dro­gen­ba­rons Pablo Escobar, vom Kon­kur­renz­kampf mit Udine-Star Antonio Di Natale – und schließ­lich von diesem ver­häng­nis­vollen Abend in Bad Gas­tein: Ich wollte eine Dame anspre­chen, da stellte dieser Typ seinen Rücken dazwi­schen. Ich schubste ihn, er schubste mich, ich ver­passte ihm eine.“ Bumm.

Und weil der Radio­mo­de­rator all das so lustig fand, erzählte Ranégie auch noch den Rest der Geschichte: Polizei, Ver­hör­termin (Ranégie: Ein Poli­zist sagte zu mir: Komm morgen früh zur Wache.‘ Ich sagte: Na klar komm ich.‘“), Flucht, 10.000-Euro-Forderung. Belus­tigt fügte der Stürmer hinzu: Es würde mich wirk­lich zu sehr schmerzen, das schöne Geld ein­fach dort hin­zu­schi­cken.“ Dabei hatte Ranégie nur wenige Minuten zuvor getönt, wäh­rend seiner Zeit in China für jeden Sieg rund 12.000 Euro Prämie kas­siert zu haben.