Große Tur­niere“, sagte Por­tu­gals Trainer Fer­nando Santos vor dem Vier­tel­fi­nale gegen Polen, werden von großen Mann­schaften gewonnen, nicht von großen Spie­lern.“

Es die Anti-These zu allem, was den por­tu­gie­si­schen Fuß­ball in der Ver­gan­gen­heit aus­ge­zeichnet hat. Denn Por­tugal, das waren vor allem immer große Indi­vi­dua­listen: Luis Figo, Deco oder Cris­tiano Ronaldo. Offensiv-Künstler, die immer mal wieder am großen Erfolg schnup­perten, um kurz vor dem Ziel die Fährte zu ver­lieren.

Ein Abbild seiner Werte

Und auch unter Fer­nando Santos ist das por­tu­gie­si­sche Team noch mit Künst­lern bestückt: Nani, Qua­resma, Ronaldo. Doch inzwi­schen glänzen die Ball­zau­berer nicht mehr nur in der Offen­sive, son­dern ackern auch defensiv mit. Schön sieht das zumeist nicht aus.

Er habe Por­tugal in ein zweites Grie­chen­land ver­wan­delt, werfen ihm seine Kri­tiker daher vor. Dem Land, in dem er zuvor lange Zeit als Ver­eins- und Natio­nal­trainer gear­beitet hatte.

Doch so nahe der Ver­gleich auch liegen mag, so falsch ist er zugleich. Denn Santos hat Por­tugal in kein zweites Grie­chen­land, son­dern in ein Abbild seiner Werte, in ein Abbild seiner Bio­gra­phie ver­wan­delt. Einer für heu­tige Zeiten unge­wöhn­li­chen Bio­gra­phie.

13 Jahre als Inge­nieur gear­beitet

Als Kind tritt er seinem ersten Verein bei, dem Stadt­teil­klub Operário Futebol Clube de Lisboa. Die Bucht, in der Tejo und Atlan­ti­scher Ozean zuein­ander finden, ist keine fünf Minuten ent­fernt. Eine schöne Gegend ist es trotzdem nicht. Miets­ka­sernen domi­nieren das Bild; ein klas­si­sches Arbei­ter­viertel.

Ein Arbeiter ist Santos auch als Spieler. Und doch talen­tiert genug, dass Ben­fica auf ihn auf­merksam wird. Für einige Jahre lebt der Links­ver­tei­diger den Traum vom großen Profi-Fuß­ball, bis sie ihm, inzwi­schen 18 Jahre alt, eröffnen: Es reicht nicht. Nicht für Ben­fica.

Also ver­sucht er sich bei unter­klas­sigen Klubs, spielt je zwei Jahre für Mari­timo Fun­chal und GD Estoril Praia. Ehe er im zarten Alter von 21 Jahren selbst ein­sieht, dass es nicht rei­chen wird. Nicht für das Niveau, das ihm vor­schwebt, von dem er als kleiner Junge geträumt hatte.

Die beste Plat­zie­rung der Ver­eings­ge­schichte

Santos sat­telt um, kehrt dem Fuß­ball den Rücken. Er stu­diert Elek­tro­technik und arbeitet 13 Jahre lang als Inge­nieur. Doch so ganz lässt ihn der Fuß­ball in all der Zeit nicht los. Als sein Ex-Klub, GD Estoril Praia, 1987 einen Trainer sucht, wit­tert er seine Chance. Er bekommt den Job, bleibt sieben Jahre und ver­hilft dem Klub zu zwei Auf­stiegen, führt ihn die erste Liga. 

Doch Wunder, und nichts anderes war der Durch­marsch des Trai­ner­no­vizen, halten nicht ewig. Erst recht nicht im Fuß­ball. 1994 steigt der Klub schließ­lich ab. Santos aller­dings bleibt erst­klassig, wech­selt zu CF Est­rela Ama­dora. Ein wei­terer Underdog, den er in der Saison 1997/98 auf Platz sieben der Tabelle führt — die beste Plat­zie­rung der Ver­eins­ge­schichte.