Die Fern­seh­bilder wirken wie eine opti­sche Täu­schung. In einer Kneipe in Valencia sieht man Fans von Leeds United trinken, lachen und singen. Die Auf­nahmen können noch gar nicht so alt sein, sie sind klar und scharf, kei­nes­wegs körnig und gewiss nicht schwarz-weiß. Doch den Leeds-Anhän­gern von heute müssen die Bilder ihrer Kame­raden, die am Vor­abend des Halb­fi­nales der Cham­pions League an der Ost­küste Spa­niens die Sonne genießen, wie aus einer fernen Ver­gan­gen­heit vor­kommen. Es war ein­fach fan­tas­tisch damals“, sagt Paul Ward, ein lebens­langer United-Fan und Dau­er­kar­ten­be­sitzer. 2000÷01 war eine groß­ar­tige Saison. Wir waren stark wie nie, und alle schwebten auf Wolke Sieben. Wir hatten einen jungen Coach, ein junges Team, und es schien, als wären wir in einer ähn­li­chen Posi­tion wie Man­chester United ein paar Jahre zuvor, als sie eben­falls eine sehr junge Mann­schaft hatten und später den eng­li­schen Fuß­ball domi­nierten.“

Zum Leid­wesen von Men­schen wie Paul Ward ist aus der erhofften Domi­nanz nichts geworden. Im Gegen­teil, es geht dem Klub mitt­ler­weile so schlecht wie noch nie. Seit einem 1:1 im Heim­spiel gegen Ips­wich Ende April ist der Abstieg von United aus der zweiten eng­li­schen Liga besie­gelt. Zu allem Über­fluss wurde die Partie von Aus­schrei­tungen der Fans über­schattet, die kurz vor Ende des Spiels zu Hun­derten den Platz stürmten. Wenige Tage später folgte der abso­lute Tief­punkt: Der Verein mel­dete Insol­venz an, worauf ihm wegen Miss­wirt­schaft zehn Punkte abge­zogen wurden. Damit stand fest, dass Leeds als Tabel­len­letzter zum ersten Mal in der Klub­his­torie in die dritt­klas­sige League One gehen würde. Wie konnte das nur pas­sieren?

Leeds United hatte schwie­rige Jahre hinter sich

Um die Frage, wie es zu einem der steilsten Abstürze in der wech­sel­vollen Geschichte des eng­li­schen Fuß­balls kam, beant­worten zu können, muss man ein paar Jahre zurück­gehen, zum Sommer 1996. Die Euro­pa­meis­ter­schaft in jenem Jahr war ein äußerst erfolg­rei­ches Tur­nier. Die Deut­schen mögen zum dritten Mal Euro­pa­meister geworden sein, in wirt­schaft­li­cher Hin­sicht aber waren die eng­li­schen Gast­geber die großen Gewinner. Fern­seh­gelder und Trans­fer­summen schossen in die Höhe, und wenn man ein erfolg­rei­cher Geschäfts­mann war, schien es nicht die schlech­teste Idee zu sein, in einen Fuß­ball­verein zu inves­tieren. Leeds United hatte damals schwie­rige Jahre hinter sich. 1992 hatten sie die Meis­ter­schaft gewonnen, es danach aber nicht geschafft, auf diesem Erfolg auf­zu­bauen. Nachdem es den Trai­nern Howard Wil­kinson und George Graham nicht gelungen war, das Team aus dem Mit­telmaß her­aus­zu­führen, wurde 1998 Gra­hams Assis­tent David O’Leary, ein frü­herer Ver­tei­diger von Arsenal und Leeds, als neuer Trainer instal­liert. O’Leary war erst 38 Jahre alt und hatte kei­nerlei Erfah­rungen als Coach. Doch das sollte nicht das letzte ris­kante Manöver bleiben. Eine wei­tere wich­tige Per­so­nal­ent­schei­dung war die Ernen­nung von Peter Rids­dale zum Vor­stands­vor­sit­zenden. Mit 46 Jahren war auch er jung, doch er war Leeds-Fan und behaup­tete, 1965 in einem Schlaf­sack am Sta­dion an der Elland Road über­nachtet zu haben, um ein Ticket für das FA-Cup-Finale zu ergat­tern. In einem Land, in dem die Treue zum Hei­mat­verein respek­tiert und bewun­dert wird, hatte Rids­dale die Fans damit rasch für sich ein­ge­nommen. Ich traf ihn sogar einmal in Rom, als wir dort im UEFA-Cup spielten“, erzählt Paul Ward. Er schien ein Pracht­kerl zu sein. Wenn du so jemanden triffst, der Leeds-Fan ist und einen netten Ein­druck macht, hast du das Gefühl, dass beim Verein alles bes­tens läuft. Sein Ver­hältnis zu O’Leary schien her­vor­ra­gend zu sein, anders als bei anderen Klubs, wo Trainer und Vor­stand ständig über Kreuz liegen. Es schien die ideale Ver­bin­dung zu sein.“

War es aber nicht. Nach einem vierten Platz und der Qua­li­fi­ka­tion für den UEFA-Cup in O’Learys erster Saison ging Leeds hoff­nungs­voll in die Spiel­zeit 1999/2000. Sie hatten ein junges Team mit Talenten wie Lee Bowyer, Harry Kewell, Jona­than Wood­gate und Alan Smith, die mit Elan und Lei­den­schaft spielten und attrak­tiven Fuß­ball boten. Doch Rids­dale wollte mehr. Vom ehr­gei­zigen O’Leary ermu­tigt, drängte er darauf, in immer neue Spieler zu inves­tieren. Auch der Vor­stand wollte Fort­schritte sehen, aber nicht um jeden Preis.

Die Rids­dale Revo­lu­tion“

Im Sommer 1999 war ich noch für die Geschicke des Klubs ver­ant­wort­lich“, erzählt Jeremy Fenn, damals eines der Vor­stands­mit­glieder von Leeds United. Aber Peter Rids­dale war mehr und mehr in Spie­ler­trans­fers invol­viert. Es wurde klar, dass er und O’Leary immer mehr Geld für Neu­ver­pfich­tungen aus­geben wollten. Schließ­lich gab es Geschichten in den Zei­tungen, ich würde den Fort­schritt hemmen, weil ich das Scheck­buch nicht zückte. Also habe ich meinen Hut genommen.“ Mit Fenns Rück­tritt wurde die Rids­dale Revo­lu­tion“ ein­ge­läutet. Rids­dale war davon über­zeugt, dass die Zukunft des Fuß­balls einer Hand voll Spit­zen­klubs gehören würde, die ihre Pro­fite durch die Teil­nahme an der Cham­pions League maxi­mierten. Er glaubte, Leeds würde den Anschluss ver­lieren, wenn sie nicht regel­mäßig in der Königs­klasse spielten.

In gewisser Weise hatte er damit Recht. Man muss sich nur die ersten Vier der Pre­mier League in dieser Saison ansehen. Streng genommen, spielen Man­chester United, Chelsea, Liver­pool und Arsenal in ihrer eigenen Liga, der Rest hechelt hin­terher. Rids­dales Fehler war es, den Erfolg auf Biegen und Bre­chen zu wollen. Der Verein stand Ende 1999 prächtig da“, sagt Jeremy Fenn, der stolz auf seinen Ruf als harter Ver­hand­lungs­partner und umsich­tiger Finanz­mann ist. Wir hatten kaum Schulden, haben Gewinne gemacht, und das Team spielte erfolg­reich. Wir wollten die Mann­schaft kon­ti­nu­ier­lich und mit Ver­stand auf­bauen. Aber als Adam Pearson (ein anderes Vor­stands­mit­glied, Anm. d. Red.) und ich zurück­traten, gab es einen Kurs­wechsel.“ Als Leeds sich im Früh­jahr 2000 für die Cham­pions League qua­li­fi­zierte, begann eine Ein­kaufs­orgie son­der­glei­chen: Schlag auf Schlag kamen Mark Viduka für 6,5 Mio. Pfund von Celtic, Oli­vier Dacourt für 7,2 Mio. aus Lens, Dominic Matteo für 4,7 Mio. aus Liver­pool und, als Prunk­stück, Rio Fer­di­nand für 18 Mio. von West Ham United. Die Ver­hand­lungen für Fer­di­nand zogen sich ein halbes Jahr hin, und die Ablö­se­summe, die schließ­lich bezahlt wurde, bedeu­tete damals Welt­re­kord für einen Ver­tei­diger.

Wie viele der anderen ver­pflich­teten Spieler gehörte Fer­di­nand indes nicht voll und ganz dem Klub. Die UEFA erlaubte es, Spieler quasi zu leasen, so dass Leeds sie im Grunde nur gemietet hatte. Das schien zunächst kein Pro­blem zu sein, doch als der inter­na­tio­nale Trans­fer­markt zusam­men­brach, steckte United plötz­lich bis zum Hals in finan­zi­ellen Kala­mi­täten. Wir haben keinen Gedanken daran ver­schwendet, woher das Geld über­haupt kam“, sagt Paul Ward. Ich glaube, das machen Fuß­ball­fans nie. Im Nach­hinein war klar, dass wir mehr Geld aus­gaben als wir hatten. Doch solange das Team gut spielt und gewinnt, wird eben nichts hin­ter­fragt. Wir genossen ein­fach nur den Erfolg.“ Zunächst lief ja auch alles bes­tens. Zuver­sicht­lich ging es in die Saison 2000/01. Mit einer starken Truppe aus talen­tierten Eigen­ge­wächsen und teuren Neuen sorgte Leeds in Europa für Auf­sehen. Nach gran­diosen Siegen gegen Inter, Beşiktaş, Ander­lecht und La Coruña erreichten sie das Halb­fi­nale der Cham­pions League, wo sie gegen den FC Valencia aus­schieden.

Alles auf eine Karte

Peter Rids­dale sah sich darin bestä­tigt, dass sich die Inves­ti­tionen gelohnt hatten. Als Leeds United im Jahr darauf die erneute Qua­li­fi­ka­tion für die Cham­pions League ver­passte, setzte der Verein auf eine sofor­tige Rück­kehr und alles auf eine Karte. Für 18 Mio. Pfund wurden zwei wei­tere Spieler ver­pflichtet, Robbie Fowler aus Liver­pool und Seth Johnson aus Derby, womit sich O’Learys Aus­gaben auf fast 100 Mio. Pfund in drei Jahren beliefen. Doch das war noch nicht alles. Der Verein nahm ein gewal­tiges Dar­lehen über 60 Mio. Pfund auf, das mit den zu erwar­tenden Ein­nahmen abge­si­chert wurde, die ein schi­ckes neues Sta­dion garan­tieren sollte, das aller­dings noch gar nicht gebaut war. United for­derte das Schicksal heraus, und einen Plan B gab es nicht. Rids­dale sagte damals den berühmten Satz, dass der Klub seinen Traum lebe“, und zu jener Zeit war das auch so. Anfang 2002 führte Leeds die Pre­mier League an und spielte sehens­werten Tem­po­fuß­ball, der ihnen glei­cher­maßen Punkte und Bei­fall ein­brachte. Alles schien wun­derbar, doch als Fan von Leeds United ist man Kummer gewohnt und weiß, dass der Schein bis­weilen trügt. Egal, wie gut es für den Verein läuft“, sagt Paul Ward, irgend­etwas bro­delt immer unter der Ober­fläche, was einem die Sache ver­miest. Keine Ahnung, woran das liegt, aber so kommt es einem jeden­falls vor.“

Und so war es auch diesmal. Mitten in den Höhen­flug hinein ver­öf­fent­lichte David O’Leary ein Buch mit dem Titel Leeds United on Trial“. Es sollte ein Tage­buch der Saison 2000/01 sein, doch im Mit­tel­punkt stand der Pro­zess gegen zwei United-Spieler, die in den Angriff auf einen asia­ti­schen Stu­denten Anfang 2000 ver­wi­ckelt waren. Die Gerichts­ver­hand­lungen zogen sich zwei Jahre hin, bevor Lee Bowyer von der Anklage der vor­sätz­li­chen schweren Kör­per­ver­let­zung frei­ge­spro­chen wurde, wäh­rend Jona­than Wood­gate zu 100 Stunden gemein­nüt­ziger Arbeit ver­ur­teilt wurde. Der Pro­zess selbst hatte keine nega­tiven Aus­wir­kungen auf die Mann­schaft gehabt, das ein Jahr später von O’Leary ver­öf­fent­lichte Tage­buch hin­gegen zei­tigte ver­hee­rende Folgen für den Verein und die Stim­mung inner­halb des Teams. Es war, als hätte Leeds auf den Selbst­zer­stö­rungs­knopf gedrückt. Die Elf, die im Januar noch auf den Titel spe­ku­liert hatte, been­dete die Saison auf Platz 5 und ver­passte erneut die Qua­li­fi­ka­tion für die Cham­pions League.

Danach gab es Gerüchte, Leeds United sei in üblen finan­zi­ellen Schwie­rig­keiten, in der Presse wurde immer häu­figer über mög­liche Spie­ler­ver­käufe spe­ku­liert. Hinter den Kulissen wurde O’Leary auf­ge­tragen, Teile des Kaders zu ver­scher­beln. Seine Risi­ko­freude hatte sich nicht bezahlt gemacht, und zwei Jahre ohne Ein­nahmen aus der Cham­pions League waren mehr, als der Klub ver­kraften konnte. Rio Fer­di­nand musste als erster gehen. Nach einer starken WM zahlte Man­chester United unglaub­liche 30 Mio. Pfund für den Ver­tei­diger, eine Summe, die Leeds eine bitter nötige Ver­schnauf­pause ver­schaffte. Ich war über­rascht, dass ManU soviel für Fer­di­nand zahlte“, sagt Bill Gerard, ein Leeds-Fan und Pro­fessor an der Leeds Uni­ver­sity Busi­ness School. Sie müssen gewusst haben, in wel­cher Lage sich Leeds befand, und dass sie ihn für viel weniger hätten haben können. Ich bin davon über­zeugt, dass Leeds ohne das Geld aus dem Fer­di­nand-Transfer noch früher kol­la­biert wäre.“ Die Klubs mögen erbit­terte Rivalen sein, doch Man­ches­ters Geld hatte Leeds zumin­dest kurz­fristig gerettet.

In jenem Sommer feu­erte Rids­dale David O’Leary und ver­pflich­tete den ehe­ma­ligen eng­li­schen Natio­nal­trainer Terry Ven­ables als Coach. Damit begann eine Phase, in der sich die Trainer in Leeds die Klinke in die Hand gaben. Sie alle schafften es nicht, die erschre­ckende Tal­fahrt zu stoppen. Ven­ables wurde wieder ent­lassen, ebenso Peter Reid, und selbst die Leeds-Legende Eddie Gray konnte den Absturz nicht ver­hin­dern. Viele der Spieler ver­ließen eben­falls den Verein, aller­dings nicht für Rekord­summen wie Fer­di­nand, son­dern für Pea­nuts. Robbie Keane, Lee Bowyer, Robbie Fowler, Oli­vier Dacourt und Jona­than Wood­gate brachten alle­samt weniger ein als das, was Leeds United einst für sie bezahlt hatte. Rids­dales größter Fehler war es, die Finanzen nicht offen zu legen“, sagt Bill Gerard. Wie schlecht es Leeds ging, kam erst an die Öffent­lich­keit, als es zu spät war. Der Klub befand sich bereits in einem kata­stro­phalen Zustand. Danach gab es einen Aus­ver­kauf, und die besten Spieler mussten zu Schleu­der­preisen ver­hö­kert werden.“

Es kam noch schlimmer

Die Leis­tungen der Mann­schaft waren da schon längst so kläg­lich wie die Bilanzen. Im Oktober 2003 gab Leeds einen Rekord­ver­lust in Höhe von 49 Mil­lionen Euro vor Steuern bekannt. Rids­dale trat end­lich zurück und Leeds stieg wenige Monate danach aus der Pre­mier League ab. Der Klub befand sich im freien Fall, und als die Fans dachten, es könnte nicht mehr schlimmer kommen, kam es noch schlimmer. Um die Insol­venz zu ver­hin­dern, wurde das Sta­dion an der Elland Road ver­kauft. Es war eine ähn­liche Ver­ein­ba­rung wie die, die Borussia Dort­mund einst für das West­fa­len­sta­dion getroffen hatte: Leeds United durfte zwar noch an der Elland Road spielen, doch Tat­sache war, dass einem der stol­zesten Ver­eine in Eng­land das Sta­dion, in dem er seit 1904 gespielt hatte, nicht mehr gehörte.

Nach einer Ver­schnauf­pause im gesi­cherten Mit­tel­feld ver­lief die zweite Saison in der 2. Liga sehr ordent­lich. Ohne Geld, mit nur einer Hand voll erfah­rener Spieler und wenig Hoff­nung erreichte das Team unter seinem Trainer Kevin Black­well die Play-Offs um den Auf­stieg, wo es im Finale gegen Wat­ford verlor. Nachdem wir abge­stiegen waren, dachte ich, na gut, wir spielen ein paar Jahre 2. Liga, um uns zu sta­bi­li­sieren, und danach nehmen wir die Rück­kehr in die Pre­mier League in Angriff“, sagt Paul Ward. Aber was als nächstes pas­sierte, war ein Desaster.“ Im Januar 2005 sicherte sich der frü­here Vor­sit­zende des FC Chelsea, Ken Bates, 50 Pro­zent der Anteile am Verein. Für Außen­ste­hende war das ein merk­wür­diger Vor­gang. Leeds und Chelsea sind tra­di­tio­nelle Rivalen, außerdem hatte sich Bates bei Chelsea nicht gerade den Ruf finan­zi­eller Umsicht erworben. Gerüchten zufolge hatte die Über­nahme durch Roman Abra­mo­witsch den Lon­doner Klub vor der Pleite bewahrt. Für einen ganz nor­malen Leeds-Fan bedeu­tete der Ein­stieg von Bates den nächsten Schlag ins Kontor. Als ich hörte, dass Bates den Verein über­nimmt, war mir zum Heulen zumute“, erzählt Paul Ward. Seine Befürch­tungen waren gerecht­fer­tigt. Bates erhöhte die Ein­tritts­preise und feu­erte den beliebten Kevin Black­well, um den frü­heren Chelsea-Star Dennis Wise als neuen Coach zu ver­pflichten. Nach dem Abstieg aus der Pre­mier League waren immer noch 30 000 Zuschauer im Schnitt an die Elland Road gekommen, nach der Erhö­hung der Ein­tritts­preise waren es 10 000 weniger. Bates hat ver­sucht, Leeds in Chelsea zu ver­wan­deln“, sagt Ward und schüt­telt den Kopf. Im Sta­di­on­heft erzählt er, wie er das Cate­ring ver­bes­sert hat. Doch Leeds-Fans inter­es­sieren sich nicht die Bohne für Cate­ring. Alles, was sie wollen, ist ein Bier, ein Pie und ein anstän­diges Fuß­ball­spiel. Bates hat das nicht ver­standen, aber viel­leicht ist das auch zuviel ver­langt. Er kommt schließ­lich aus London.“

Weil Leeds wei­tere Spieler ver­kaufte und immer weniger Zuschauer kamen, ver­brachte der Klub den größten Teil der Saison im Tabel­len­keller, bis am 28. April der Abstieg besie­gelt wurde. Und wie geht es jetzt weiter für einen der berühm­testen euro­päi­schen Ver­eine, der dreimal eng­li­scher Meister war und zweimal den UEFA-Pokal gewonnen hat? Nun, statt im Old Traf­ford, im Emi­rates Sta­dium oder an der Anfield Road, wird Leeds United dem­nächst gegen Teams wie Car­lisle, Crewe Alex­andra oder Don­caster spielen. Wir werden ein­fach von vorne anfangen müssen“, sagt Paul Ward. Wir haben hier eine tolle Jugend­aka­demie, und ich denke, wir müssen auf unsere jungen Spieler ver­trauen. Aber es wird wohl ein sehr weiter Weg zurück.“

Eng­li­sche Fans haben eine Schwäche für das deut­sche Wort Scha­den­freude“, und die Misere in Leeds hat vielen in Man­chester, New­castle und London ein Lächeln ins Gesicht gezau­bert. Für die meisten neu­tralen Beob­achter ist der Nie­der­gang eines so großen Klubs frei­lich ebenso scho­ckie­rend wie ernüch­ternd. Leeds United ist nicht der erste und wohl auch nicht der letzte Verein, der teuer dafür bezahlen musste, dass er zu hoch hinaus wollte. Doch trotz der gedrückten Stim­mung gibt es in South York­shire einige Hoff­nungs­schimmer. Klubs wie Borussia Dort­mund oder der AC Flo­renz haben es geschafft, sich von ihren finan­zi­ellen Krisen zu erholen, und Leeds United hat dabei keine ganz schlechte Aus­gangs­po­si­tion. Groß­bri­tan­nien ist voller Städte mit mehr als einem großen Fuß­ball­verein, wie etwa Glasgow, Man­chester oder Liver­pool. Leeds dagegen hat nur den einen, und als dritt­größte Stadt im Land ver­fügt es über ein enormes Fan­po­ten­zial. Wenn jemand in der Lage ist, Leeds United über Wasser zu halten und den Weg zurück an die Spitze des eng­li­schen Fuß­balls zu ebnen, dann sind es die Anhänger. Doch sollte man bei aller Lei­den­schaft ihre Treue nicht für selbst­ver­ständ­lich erachten; Ken Bates möge gewarnt sein.

Ich habe einen zwei Jahre alten Sohn“, sagt Paul Ward. Meine Frau will, dass er für Man­chester United ist, was ich natür­lich zu ver­hin­dern ver­suche. Aber dann denke ich: Will ich wirk­lich, dass mein Sohn Leeds-Fan wird? Will ich, dass er das erleben muss, was ich in den letzten Jahren durch­ge­macht habe? Ich bin mir nicht mehr so sicher.“ Von Valencia nach Don­caster in sechs Jahren. Schwer vor­stellbar, dass man sich in Hol­ly­wood eine spek­ta­ku­lä­rere Geschichte aus­denken könnte als jene, die sich seit 2001 an der Elland Road abge­spielt hat.

Das Drama und die unru­higen Zeiten sind noch nicht vorbei. Wie der­zeit noch offen ist, wel­chen Klub Paul Wards zwei­jäh­riger Sohn einmal unter­stützen wird, so hängt auch über der Zukunft von Leeds United ein großes Fra­ge­zei­chen.

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Als der Affe aus dem Nest fiel“ – Die dra­ma­tischsten Ver­eins­nie­der­gänge der Fuß­ball­ge­schichte www​.11freunde​.de/​i​n​t​e​r​n​a​t​i​o​n​a​l​/​1​01287