Zu Sai­son­be­ginn trafen wir Nigel Clough, Trainer von Burton Albion. Am Wochen­ende stieg seine Mann­schaft ab, weil die Bolton Wan­de­rers in letzter Minute gegen Nott­hingham gewannen. Aus­ge­rechnet, könnte man sagen, wenn man Cloughs Geschichte kennt. 

Dies ist eine Geschichte über Väter und Söhne und Freunde. Es scheint auch eine Geschichte übers Schicksal zu sein, weil sich Lebens­wege kreuzen und auf wun­der­same Weise ähneln, wäh­rend die­selben Orte immer wieder auf­tau­chen.

Ein kleiner Klub ganz groß

Einer dieser Orte ist Burton-upon-Trent, eine häss­liche Indus­trie­stadt nörd­lich von Bir­mingham. Früher kannte man Burton vor allem wegen seiner vielen Braue­reien, heute ist der Name den Leuten ein Begriff, weil sich hier seit einiger Zeit ein Wunder mani­fes­tiert. Vor zwanzig Jahren spielte Burton Albion noch Fei­er­abend­fuß­ball in der siebten Liga. Im vor­letzten Sommer stieg der kleine Klub in die Cham­pi­onship auf, die Stufe unter der Pre­mier League, und schaffte dann sen­sa­tio­nell den Klas­sen­er­halt.

Der Mann, der für dieses Wunder ver­ant­wort­lich ist, heißt Nigel Clough. Wenige Tage vor Beginn der neuen Saison steht der 51-jäh­rige auf dem Rasen des schmu­cken, aber win­zigen Sta­dions in Burton und fühlt sich unwohl in seiner Haut. Oder besser: unwohl in Hemd, Kra­watte und Jackett. Clough hat so viele Jahre seines Lebens in Sport­kla­motten ver­bracht, dass ihm förm­liche Klei­dung ein Graus ist. Doch heute hat er keine Wahl. Heute wird das offi­zi­elle Mann­schafts­foto gemacht, und da muss der Trainer gut aus­sehen. Auch zwei Mit­ar­beiter von Sky sind da, um den Kader abzu­lichten. Der Sender braucht ja Bilder zum Ein­blenden, wenn Burton dem­nächst gegen Aston Villa, Fulham oder Sun­der­land spielt.

Albion ist arm

Liam Boyce wurde schon foto­gra­fiert, des­wegen geht er an Clough vorbei in die Kabine. Der 26-jäh­rige Nordire war als ganz junger Kerl mal bei der zweiten Mann­schaft von Werder Bremen. Seither hat er sich prächtig ent­wi­ckelt und wurde in der letzten Saison Tor­schüt­zen­könig in Schott­land. Burton holte ihn im Juni für 550 000 Euro von Ross County. Noch nie hatte der Verein so viel Geld für einen ein­zigen Fuß­baller aus­ge­geben. Albion ist arm. Im letzten Jahr gab es einen Spieler beim Liga­ri­valen New­castle United, der mehr ver­diente als Nigel Cloughs ganzer Kader zusammen. In Burton ist man schon froh, wenn der Dort­munder Pum­pen­her­steller WILO als Sponsor ein­steigt.

Doch Boyce, da ist Clough sich sicher, ist jeden Cent wert und wird auch für Burton Tore schießen. Das weiß er, weil der Spieler von einem Scout namens Simon Clough emp­fohlen wurde, Nigels älterem Bruder. Trainer und Neu­zu­gang sollten also strahlen. Doch es gibt ein Pro­blem. Boyce geht nicht wirk­lich in die Kabine, er hum­pelt dorthin. Vor vier Tagen hat er sich das Kreuz­band gerissen und wird den Groß­teil der Saison fehlen. Cloughs unmög­liche Mis­sion ist noch ein biss­chen unmög­li­cher geworden. Hat er es jemals bereut, Trainer geworden zu sein? Ja“, ant­wortet er. An jedem Sams­tag­nach­mittag.“