Wenn ein Kom­men­tator eine Spiel­szene als sym­pto­ma­tisch“ bezeichnet, bedeutet das nie etwas Gutes für die ver­lie­rende Mann­schaft. Ver­tei­diger werden in Zwei­kämpfen vor­ge­führt, gra­zile Tech­niker treten plötz­lich Luft­lö­cher und Stürmer ver­stol­pern Tor­chancen, die selbst die gute alte Oma gemacht hätte. Das Tor zum 3:0 für Costa Rica offen­barte den kri­ti­schen Gesund­heits­zu­stand der ame­ri­ka­ni­schen Natio­nal­mann­schaft. 

In der 73. Minute drosch Costa Rica den Ball planlos in die geg­ne­ri­sche Hälfte. Ein Ball, auf dem Schnee lag, ein Ball, den Ver­tei­diger humorlos zu ihrem Absender zurück­köpfen. Her­thas hoch­ge­lobter Innen­ver­tei­diger John Anthony Brooks aber ent­schied sich gegen einen klä­renden Kopf­ball und für eine Knie-Direkt­vor­lage. Costa Ricas Joel Camp­bell bedankte sich artig mit der Höchst­strafe der Marke Tunnel“ und schob ins lange Eck ein. Sym­pto­ma­tisch.

Treue­schwur bleibt aus

Ein Sprich­wort über die ame­ri­ka­ni­sche Men­ta­lität lautet, dass alle Ver­nunft in der Trom­pete landet, sobald die Flagge aus­ge­rollt wird. Wie viel Ver­nunft nach der Nie­der­lage im Pres­tige-Duell gegen Mexiko und der herben Schlappe gegen Underdog Costa Rica bei den Ver­ant­wort­li­chen noch vor­handen ist, deutet US-Ver­bands­prä­si­dent Sunil Gulati nach Spie­lende an: Wir werden dar­über nach­denken, was heute pas­siert ist und mit Jürgen über die Situa­tion spre­chen.“ Treue­schwüre klingen anders. 

Gulatis Aus­sage ist schon des­halb aus­sa­ge­kräftig, da in der WM-Qua­li­fi­ka­tion erst zwei von zehn Spiel­tagen absol­viert sind und mit Hon­duras, Panama und Tri­nidad und Tobago lös­bare Gegner warten. Wo andere nüch­tern zu Beson­nen­heit auf­rufen, macht Gulati klar, dass das Debakel gegen Costa Rica nicht als Aus­rut­scher ange­sehen wird. Die neunzig Minuten scho­ckierten zu sehr.