Das Leben als Trainer von Man­chester United ist eine stän­dige Her­aus­for­de­rung, und so nahm Alex Fer­guson auch diese schwie­rige Auf­gabe mit Enthu­si­asmus an: einen Deut­schen zum Lachen zu bringen. Ein Reporter, nicht ganz so blond und nicht ganz so stur wie Bernd Schuster, aber doch mit der deut­schen Eigen­schaft gesegnet, die Dinge sehr ernst zu nehmen, inter­viewte ihn. Aber die letzte Frage stellte Fer­guson: Was ist mit euren deut­schen Autos los, ges­tern streifte ich mit meinem Mer­cedes eine Wand und die ganze Karre ging kaputt.“ – Sie haben Pro­bleme mit Ihrem Auto?“, stam­melte der Gegen­über. Nein“, seufzte Fer­guson, ich wollte nur einmal Dein Lachen sehen.“


Keiner lacht so breit wie er

Elf Jahre ist das her. Die Erin­ne­rung kam in der Mitt­woch­nacht nach dem 0:0 zwi­schen dem FC Bar­ce­lona und Man­chester United im Hin­spiel des Cham­pions-League-Halb­fi­nals zurück. Fer­guson saß in der Pres­se­kon­fe­renz, und der Über­setzer erschien nicht. Der Spa­nien-Kor­re­spon­dent des Guar­dian sprang spontan ein. Kon­zen­trierte Stille ergriff den Saal, alles war­tete auf die ersten Worte des Trai­ners. Fer­guson nickte dem Über­setzer lächelnd zu und sagte ernst: Du gefällst mir nicht.“ Wenige im Saal lachten so breit wie Fer­guson selbst.

Im 22. Jahr macht der Schotte Fer­guson bei United seine Witze, ein ein­samer Rekord an Bestän­dig­keit. Um so beein­dru­ckender ist es, diese Saison zu sehen, dass Fer­guson mit 66 und dem ewig glei­chen herben Humor sich als Trainer tak­tisch gra­vie­rend erneuert hat. Er schien sein Spiel­system schon in den Acht­zi­gern gefunden zu haben. Die Jahre und die Spieler gingen ins Land, aber sein United blieb: ein Team in der 4 – 4‑2-For­ma­tion, das wuchtig über die Flügel angriff.

Im 22. Jahr aber ist United nun Erster in Eng­land, Favorit in der Cham­pions League und ein Vor­bild für moderne Viel­sei­tig­keit. Per­ma­nent vari­iert Fer­guson zwi­schen drei Spiel­sys­temen. Leider wählte er in Bar­ce­lona das lang­wei­ligste, ein defen­sives 4−5−1 mit Cris­tiano Ronaldo als allei­nigem Stürmer. So schrieen 100 000 im Camp Nou ver­geb­lich nach einer großen Nacht.

Am Ende rief nur noch Uniteds Owen Har­greaves nach Gottes Sohn. Jesus!“, ent­fuhr es dem lang­jäh­rigen Profi von Bayern Mün­chen, als er auf dem Heimweg im Kabi­nen­gang im Ronaldo-Stau ste­cken­blieb. Umringt von Massen an Mas­sen­me­dien, erklärte Cris­tiano Ronaldo das Mini-Drama des Abends.

Sein Elf­meter hatte nach zwei Spiel­mi­nuten das Tor ver­fehlt und war in die Dun­kel­heit ent­schwunden. Manchmal triffst du, manchmal nicht, kein Pro­blem, amigo“, sagte der Por­tu­giese, der besser Spa­nisch als Eng­lisch sprach, obwohl er noch nie in Spa­nien lebte, aber schon fünf Jahre in Man­chester wohnt.

Barca auf dem Weg der Bes­se­rung

Die Ver­su­chung für Fach­leute ist immer da, solch ein inten­sives 0:0 als exzel­lentes Muster an Taktik und Tempo zu preisen. Auch diese Partie hatte was, die ange­deu­tete Rück­kehr von Barças totalem Pres­sing und Pass­spiel (das im Sturm aller­dings wei­terhin stot­tert), die Auto­rität von Barças Yaya Touré im Mit­tel­feld, die Syn­ergie zwi­schen Uniteds Abwehr und Mit­tel­feld beim Ver­tei­digen oder die abso­lute Domi­nanz des Flach­passes im Team des ehe­ma­ligen Flanken-Fana­ti­kers Fer­guson.

Die erste Flanke des Spiels schlug der emsig als Aus­hilfs-Außen­ver­tei­diger rackernde Har­greaves zwei Minuten vor Ende. Doch letzt­lich blieb es ein Hin­spiel – die risi­ko­arme Suche nach einer Start­po­si­tion für die Ent­schei­dung nächsten Dienstag in Man­chester.

In seiner neuen Rolle als per­ma­nenter Erneuerer hatte sich Fer­guson diesmal die Über­ra­schung aus­ge­dacht, den Welt­klas­se­stürmer Wayne Rooney im rechten Mit­tel­feld auf­zu­stellen. Das Gerede, das heu­tige Profis in jeder Posi­tion spielen können, ist schön und gut. Doch in Wahr­heit war Rooney auf fremdem Ter­rain so bieder wie ver­schenkt. Ronaldo blieb im Sturm iso­liert.

Im Rück­blick, werden auch solche mäßig gelun­genen Tak­tik­ma­növer glo­ri­fi­ziert werden, falls Fer­gu­sons Alters­be­weg­lich­keit nun den Erfolg bringt, der greifbar ist. Am Samstag naht in der Pre­mier League im Duell Zweiter gegen Erster beim FC Chelsea die Ent­schei­dung. In Bar­ce­lona ging Fer­guson neben seinem Assis­tenten Carlos Queiroz zum Bus.

Ein paar Reporter baten Queiroz noch um einen Kom­mentar, doch er ant­wor­tete nur kurz­atmig und rief dann hyper­nervös: Jungs, ich muss gehen!“ Denn der Assis­tenz­trainer wusste: Dass andere die Sprüche bei United machen, findet Alex Fer­guson auch im 22. Jahr gar nicht witzig.