Der Akademiker-Fanklub Hoffenheims

Reputation vs. Immatrikulation

Heiko Walkenhorst ist Vorsitzender des »Akademiker-Fanklubs Hoffenheim«, der nicht, wie man glauben könnte, Professoren bejubelt, sondern aus Studierten besteht und die Rangnick-Truppe vereehrt. Wir sprachen mit ihm. Der Akademiker-Fanklub HoffenheimsJulius Walkenhorst
Mal ehrlich Herr Walkenhorst, wird man von den Akademikerkollegen als Vorsitzender eines Fußball-Fanclubs nicht schief angesehen?

Nein, Fußball ist doch inzwischen massenkompatibel und gilt selbst in selbsternannten Intellektuellenkreisen kaum mehr als doof. Zudem komme ich aus der Werbebranche. Da erwartet jeder von mir Ideen. Und ein Akademiker-Fanklub ist doch ein witziger Einfall. Es hat ja was von einem Oxymoron – also einem Widerspruch in sich. Das hat uns gut gefallen und deswegen haben wir uns für den Namen entschieden.

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Wie kam es zu der Oxymoron-Bildung?

Der Club ist 2007 aus einem Freundeskreis entstanden. Wir sind allesamt Akademiker, die lieber am Wochenende zum Fußball gehen als in die Vernissage. Und nach dem Aufstieg in die 2. Liga haben wir uns dann geoutet.

Ist ein akademischer Titel Aufnahmebedingung?

Nein. Wir verfahren nach dem Motto »Reputation schlägt Immatrikulation«. Unter den derzeit 16 Mitgliedern ist auch eine Nichtakademikerin. Als Gefährtin unseres Professors genießt sie einen Sonderstatus. (lacht)

Eigentlich passt ja der Akademiker-Fan ganz gut zur TSG Hoffenheim…


Sie meinen wegen »Fußball-Professor« Rangnick…

Und seinem großen Expertenteam.


Der homo sapiens ist ein hermeneutisch geprägtes Wesen, das nach Weiterentwicklung strebt: Beobachtung, Erkenntnis, Verbesserung. Das gilt natürlich auch für den Fußball. Und das nicht erst seit heute. Das hat spätestens 1954 mit Herrn Dassler angefangen, der die Schraubstollen entwickelte, damit die Spieler nicht wegrutschten. Dann kamen die ganzen taktischen Spielchen mit oder ohne Mittelläufer, Libero etc. Die analytische Herangehensweise in Hoffenheim wird auch nur ein Zwischenstadium sein.

Viele fragen sich, wie wird man überhaupt Hoffenheim-Fan?

Ich komme aus Heidelberg. Die Region Mannheim-Heidelberg war bis vor kurzem noch Fußball-Niemandsland. Waldhof Mannheim hatte mal unter der Kultfigur Klaus Schlappner eine gute Zeit, aber das ist schon lange her. Ansonsten gab es hier in der Region in Sachen Spitzensport nur die Adler Mannheim. Aber, um mal was richtig Akademisches zu sagen: Eishockey ist halt nicht Fußball. Mit der 1899 Hoffenheim ist der jetzt aber wieder da und besser denn je.

Wann haben Sie Ihre Liebe zur TSG entdeckt?

Wir sind schon zu Regionalligazeiten nach Hoffenheim gefahren. Damals bereits hat Rangnick einen attraktiven, schnellen Fußball spielen lassen. Das setzt sich jetzt in der Bundesliga fort. Wenn die Maschine einmal läuft, ist sie nicht mehr zu stoppen.

Mit Dietmar Hopp steht ein Milliardär hinter der TSG Hoffenheim. Das schürt Neid.

Die Leute übersehen, dass viel Geld in den Nachwuchs und Amateurbereich investiert wird, es wird in die Breite gefördert. Davon profitieren auch die Vereine in der Region. In Hoffenheim wird ein substanzieller Aufbau betrieben. Etwas Vergleichbares hat es in Deutschland noch nicht gegeben.

Herr Hopp ist nicht nur Wohltäter, sondern auch Geschäftsmann.

Herr Hopp setzt sein Geld sinnvoll ein. Bei aller Liebe zum Verein ist er halt auch Programmierer. Er weiß, es gibt Input und Output und dazwischen eine Bedingung, die allerdings nur zum Tragen kommen kann, wenn der Input stimmt. Er ist also kein Mäzen. Ein Mäzen gibt Geld ohne Anspruch. Er ist eher ein Investor mit Herz – und Hirn. Das unterscheidet ihn doch sehr von Gönnern anderer Vereine. Wo nur das Herz groß ist, sind auch bald die Kassen leer.

In den Stadien schlägt Hopp bisweilen Hass entgegen. Bekommt man diese Abneigung auch als Hoffenheim-Fan zu spüren?

Nicht am Leib. Natürlich sind da die Schmährufe, aber die gibt es von beiden Seiten. Was wir unklug fanden, war die Reaktion des DFB, Herrn Hopp besonders zu schützen. Die Intention ist ja okay, aber mit so etwas provoziere ich doch nur diejenigen mit einem hohen intellektuellen Ausbaupotenzial. Wäre besser gewesen, der DFB hätte geschwiegen. Es wirkt einfach peinlich, wenn der Verband einem hilft. Das kann der Verein auch allein. Hat Herr Hoeneß jemals Hilfe von Verbandsseite bekommen? Der war ja vor Hopp die „Hassfigur“ der Bundesliga. Nein. Er hat sich auf St. Pauli ein Retter-T-Shirt angezogen und damit viele Sympathien gewonnen. Er brauchte keine Hilfe vom DFB und letztlich braucht die Herr Hopp oder die 1899 auch nicht. Aber das wird sich legen und die Ästhetik unseres Spiels die Banalität des Blöden besiegen.