Die Geschichten des Spiel­tags:
Bayern zieht die Reiß­leine: Ein biss­chen wirkt es so, als habe man in Mün­chen nur auf einen pas­senden Anlass gewartet, um Trainer Louis van Gaal vor die Tür zu setzen. Dass der Verein schon nach einem 1:1 im Derby gegen Nürn­berg die berühmte Reiß­leine zieht, zeigt nur wie sehr sich Hoeneß, Rum­me­nigge und Co. zum Han­deln gezwungen sahen. Dass Prä­si­dent Hoeneß auf der sonn­täg­li­chen PK aller­dings mächtig gegen den Ex-Trainer keilt und im Vor­bei­gehen auch noch Jung­tor­wart Thomas Kraft abkan­zelt, kann man hinter vor­ge­hal­tener Hand als schlechten Stil bezeichnen. Eines ist klar: In Mün­chen steht ein Umbruch an und die Füh­rungs­etage wird in gewohnter Manier mit­ge­stalten. Auch wenn ein echter Plan beim FC Bayern immer noch zu fehlen scheint.


Magath kehrt heim: Ein biss­chen muss Felix Magath sich am Samstag gefühlt haben, wie ein Neffe vor dem 80. Geburtstag einer unge­liebten Tante. Geh ich hin oder nicht? Ob er aller­dings bis zum letzten Moment über eine Krank­mel­dung nach­ge­dacht hat, ist nicht über­lie­fert. Erstaun­lich gelassen emp­fingen ihn dann die Schalke-Fans, wohl noch reich­lich beseelt vom Euro­pa­pokal-Abend in Mai­land. Am Ende stand ein unauf­ge­regter Nach­mittag bei dem höchs­ten­falls das Ergebnis dem Bou­le­vard – der Magaths Rück­kehr pflicht­be­wusst hoch­ge­jazzt hatte („Magath will die Scha­lak­ti­schen über­rennen“) – feuchte Hände beschert hat. 0:1 ver­loren Magaths Wolfs­burger, ihr Übungs­leiter schlich danach ruhig aus der Arena und griff auf der anschlies­senden PK seinen vor­erst letzten Grünen Tee ab. Und Tschüss.

Dort­mund beein­druckt: Wer den Dort­mun­dern nach dem Unent­schieden gegen den HSV Ner­ven­flat­tern vor­werfen möchte, sollte vor­sichtig sein. Denn Dort­munds Last-Minute-Aus­gleich durch Kuba war eine wei­tere Demons­tra­tion der Wil­lens­stärke der Klopp-Truppe. Die Schwarz-Gelben rannten fast die kom­plette zweite Hälfte auf das HSV-Tor, trafen Pfosten und Latte und blieben trotzdem ruhig wie eine Horde tibe­ta­ni­sche Gebets­mönche. Am Ende klappte es dann doch noch, Trainer Klopp zün­dete die nächste Eupho­rie­stufe und Kevin Groß­kreutz ätze in Rich­tung direkten Kon­kur­renz: Bayer inter­es­siert uns einen Scheiß­dreck!“‎ Meis­ter­haft.

Köln depri­miert: Was soll man sagen? Köln wollte Glad­bach in Rich­tung zweite Liga schießen und bekam böse auf die Nase. End­ergebnis: 5:1 für die Borussen. FC-Kapitän Podolski fasst den geschenkten Tag wie immer tref­fend zusammen: Wenn jeder kämpft, dann läuft es, aber wenn wir immer nur diese langen Bälle spielen, kriegen wir halt auf die Fresse.“ Wie gesagt: Was soll man da noch sagen?

Die Ergeb­nisse:

Ein­tracht Frank­furt – Werder Bremen 1:1 (0:0)
Ham­burger SV – Borussia Dort­mund 1:1 (1:0) 
Schalke 04 – VfL Wolfs­burg 1:0 (0:0) 
1. FC Nürn­berg – Bayern Mün­chen 1:1 (0:1)
Han­nover 96 – FSV Mainz 05 2:0 (1:0) 
SC Frei­burg – 1899 Hof­fen­heim 3:2 (1:2) 
VfB Stutt­gart – 1. FC Kai­sers­lau­tern 2:4 (2:1)
Borussia Mön­chen­glad­bach – 1. FC Köln 5:1 (3:0) 
Bayer Lever­kusen – FC St. Pauli 2:1 (0:0) 

Die Tabelle:
1. ( 1.) Borussia Dort­mund 29 20 6 3 59:18 +41 66 
2. ( 2.) Bayer Lever­kusen 29 18 7 4 59:35 +24 61 
3. ( 4.) Han­nover 96 29 17 2 10 42:40 +2 53 
4. ( 3.) Bayern Mün­chen 29 15 7 7 61:35 +26 52 
5. ( 5.) FSV Mainz 05 29 14 3 12 43:37 +6 45 
6. ( 6.) 1. FC Nürn­berg 29 12 7 10 43:38 +5 43 
7. ( 7.) Ham­burger SV 29 12 6 11 44:45 ‑1 42 
8. ( 8.) SC Frei­burg 29 12 5 12 38:41 ‑3 41 
9. (10.) Schalke 04 29 11 6 12 34:33 +1 39 
10. ( 9.) 1899 Hof­fen­heim 29 9 10 10 44:42 +2 37 
11. (11.) 1. FC Köln 29 10 5 14 39:54 ‑15 35 
12. (14.) 1. FC Kai­sers­lau­tern 29 9 7 13 40:46 ‑6 34 
13. (12.) Werder Bremen 29 8 10 11 39:55 ‑16 34 
14. (13.) Ein­tracht Frank­furt 29 9 6 14 29:39 ‑10 33 
15. (15.) VfB Stutt­gart 29 8 6 15 49:54 ‑5 30 
16. (16.) VfL Wolfs­burg 29 6 10 13 32:42 ‑10 28 
17. (17.) FC St. Pauli 29 8 4 17 30:51 ‑21 28
18. (18.) Borussia Mön­chen­glad­bach 29 7 5 17 43:63 ‑20 26 

Die in der 89. Minute beim Stand von 0:2 abge­bro­chene Begeg­nung vom 28. Spieltag zwi­schen dem FC St. Pauli und Schalke 04 wurde mit 0:2 gewertet.

Die Tor­jäger:
1. Papiss Cisse SC Frei­burg 20 
2. Mario Gomez Bayern Mün­chen 19 
3. Theo­fanis Gekas Ein­tracht Frank­furt 16 
4. Mili­voje Nova­kovic 1. FC Köln 13 
4. Srdjan Lakic 1. FC Kai­sers­lau­tern 13 
4. Lucas Bar­rios Borussia Dort­mund 13 
4. Didier Ya Konan Han­nover 96 13 
8. Lukas Podolski 1. FC Köln 12 
8. Andre Schürrle FSV Mainz 05 12 
8. Raul Schalke 04 12 
11. Mladen Petric Ham­burger SV 11 

Die Sprüche:
Wir haben vor der Saison klar das Ziel Euro­pacup aus­ge­geben, das droht uns jetzt aus den Händen zu gleiten. Der ganze Verein wird jetzt nervös.“ (Der Mainzer Trainer Thomas Tuchel mit bei­ßender Ironie nach dem 0:2 seiner Mann­schaft in Han­nover)

Wir achten sowieso nur auf uns. Was die machen, inter­es­siert uns auf Deutsch gesagt einen Scheiß­dreck!“ (Kevin Groß­kreutz von Borussia Dort­mund auf die Frage nach dem Ver­folger Bayer Lever­kusen

Wir sagen uns jeden Abend Gute Nacht, wenn wir ins Bett gehen.“ (Schalke-Manager Horst Heldt auf die Frage, ob er mit Natio­nal­tor­wart Manuel Neuer schon über dessen Zukunft gespro­chen habe)

Ich hatte schon so viele Trainer. Felix Magath ist auch nur einer von vielen. “ (Der Schalker Alex­ander Baum­jo­hann, der von Magath in die Regio­nal­liga ver­bannt worden war, nach dem 1:0 gegen den VfL Wolfs­burg und seinen Ex-Trainer)

Viel­leicht wird’s ein biss­chen lang­weilig nächste Woche.“ (Trainer Felix Magath vom VfL Wolfs­burg auf die Frage, ob er sich freue, dass im nächsten Spiel nach dem Auf­ein­an­der­treffen mit Chris­toph Daum und der Rück­kehr nach Schalke kein beson­deres Spiel anstehe