Es ist das Spiel des Jahres für den tür­ki­schen Dritt­li­gisten Amed SK. Fener­bahce Istanbul, die Mil­lio­näre aus der Welt­stadt, geben sich die Ehre, hier, in Diyarbakir, Süd­ost­ana­to­lien, 120 Kilo­meter vor der Grenze zu Syrien. Es könnte ein Festtag sein für den kleinen Verein – als erster Dritt­li­gist über­haupt gelang der Einzug ins Vier­tel­fi­nale des tür­ki­schen Pokals, mit dem Duell gegen den 19-fachen Meister vom Bos­porus geht ein Traum in Erfül­lung.

Doch als der Schieds­richter am Diens­tag­mittag das Vier­tel­fi­nal­hin­spiel frei­gibt, steigt keine Party, son­dern Pro­test. Wäh­rend Fener­bahce den Ball zurück in die eigene Hälfte spielt, drehen sich die Spieler von Amed SK zur leeren Haupt­tri­büne ihrer Heim­spiel­stätte und ver­harren regungslos. Die Fener-Profis zir­ku­lieren den Ball durch die eigenen Reihen. Erst nach 24 Sekunden lösen die Gast­geber ihre Hal­tung, laufen los, beginnen zu spielen.

Ver­mut­lich endet die Pokal­ge­schichte des Amed SK im Rück­spiel am 2. März, trotz des über­ra­schenden 3:3, das man den Istan­bu­lern in Ana­to­lien abringen konnte. Doch mit den 24 Sekunden vom Dienstag haben sie mehr Auf­merk­sam­keit erregt, als mit jedem Pokalt­ri­umph.

Ver­band belegt Naki mit Rekord­sperre

Der Fall von Amed SK und seinem besten Spieler, Ex-St.Pauli-Liebling Deniz Naki, sorgte in den letzten Tagen für Schlag­zeilen. Aus­ge­rechnet zum Spiel der Spiele hatte der tür­ki­sche Ver­band TFF dem Verein mit einem Zuschau­er­aus­schluss belegt, wegen Fan­ge­sängen, die ideo­lo­gi­sche Pro­pa­ganda“ beinhaltet haben sollen. Das Sey­ran­tepe-Diski-Sta­dion liegt in einer Kur­den­re­gion, Kämpfe zwi­schen PKK- und Sicher­heits­truppen gehören zum Alltag. Einige Anhänger von Amed nutzten den Sport, um auf diese Situa­tion auf­merksam zu machen. Die Kinder sollen nicht sterben, sie sollen zum Fuß­ball“, skan­dierten sie. Zu viel für den Ver­band, der den Klub mit einer Platz­sperre belegte.

Auch Deniz Naki wurde Opfer der rigo­rosen Ver­fol­gung von Men­schen, die sich nicht bedin­gungslos hinter die Regie­rung Erdogan stellen. Der TFF belegte den in Düren gebo­renen Stürmer mit einer Rekord­sperre von zwölf Spielen. Anlass gab ein Face­book-Post von Naki. Nach dem Ach­tel­fi­nal­sieg über Bursa hatte er ein Bild auf seine Seite gestellt mit den Zeilen: Wir widmen diesen Sieg den Men­schen, die in den 50 Tagen der Unter­drü­ckung getötet oder ver­letzt wurden.“

Eine edle Geste. Doch Naki ist Kurde – und damit nicht auf Regie­rungs­kurs. Nun muss er mona­te­lang zuschauen.

Es ist nicht der erste Fall von pro­mi­nenten Sport­lern, die für ihre poli­ti­schen Ansichten aus­ge­bootet werden. Im Sommer 2015 hatte der Bas­ket­ball­star Enes Kanter dem Ver­band vor­ge­worfen, ihn wegen seiner Welt­sicht von der Natio­nal­mann­schaft aus­ge­schlossen zu haben. Kanter wirbt öffent­lich für die Bewe­gung von Fetullah Gülen – eine Strö­mung, die von der tür­ki­schen Regie­rung repressiv behan­delt wird.