Zunächst einmal han­delt es sich hierbei mit­nichten um eine Frisur. Es ist ein Sta­tus­symbol, ein State­ment. Aus­druck voll­kom­mener Fle­xi­bi­lität in allen Lagen: Busi­ness in the front, party in the back. So wurde das Lebens­ge­fühl des Vokuhila beschrieben, in Songs und Filmen. Die Ärzte“ hul­digten der Frisur mit dem Lied Vokuhila Super­star“. Gerade in den acht­ziger und neun­ziger Jahren setzten sich die Fuß­ball­spieler an die Speer­spitze der Bewe­gung. Mit Hansa Ros­tock lebte eine ganze Mann­schaft im Vorne kurz, hinten lang“-Wunderland.

Dieser Haar­schnitt + Jeans­jacke + Gold­kett­chen

Doch der Avant­gar­dist dieser Bewe­gung, Ros­tocks Mike Werner, hat einen pro­mi­nenten Kon­kur­renten: Steffen Freund. Nur fol­ge­richtig ver­schlug es Freund nach der Wende ins Ruhr­ge­biet, wo sei­ner­zeit selbst Klein­kinder mit diesem Haar­schnitt, in Jeans­jacke und Gold­kett­chen, die Grund­schulen bevöl­kerten. Freund formte seinen Stil weiter aus und beließ es wäh­rend seiner Zeit beim FC Schalke nicht nur bei einem wal­lenden Nacken­spoiler. Viel­mehr fügte er dem Haar-Kunst­werk noch eine beson­dere Note hinzu: die so genannte Zünd­schnur. Eine ein­zelne Strähne ragt hierbei heraus und beschert dem ohnehin schon wilden Erschei­nungs­bild noch einen tie­fer­ge­henden, fast schon phi­lo­so­phi­schen Touch. Brot statt Böller, Kopf­zünd­schnur statt Raketen. Freund hatte nicht nur eine Frisur, es war eine poli­ti­sche Kampf­an­sage an die Kräfte der Ver­schwen­dung in dieser Welt.

Wenig später ver­ließ Freund den FC Schalke und wech­selte zum großen Rivalen nach Dort­mund. Andere Spieler hätten sich mit diesem Wechsel unbe­liebt gemacht, Freund aber war allein durch sein Haar eine unan­tast­bare Figur. Leider bekehrte er nur die wenigsten, auf Schalke war es Ingo Ander­brügge, der Freunds kopf­gärt­ne­ri­sche Extra­va­ganz nach­ahmte. In Dort­mund fanden sich immer weniger Anhänger der Vokuhila-Bewe­gung. So ließ auch Freund irgend­wann davon ab, gleich­wohl er bei seinen Sta­tionen in Eng­land noch häufig auf den mullet“ ange­spro­chen wurde.

Ein Kämpfer – selbst wenn Manta, Manta“ hakt

Was bleibt, ist die Erin­ne­rung. An den Aus­nah­me­könner Steffen Freund, den Kämpfer, der nie auf­gibt, selbst wenn die Manta, Manta“-VHS hakt. Als er zum neuen Co-Trainer bei den Spurs ernannt wurde, geriet ein Fan noch einmal ins Schwärmen: Dieses Foto von ihm aus den Neun­zi­gern bewegt mich noch immer. Sein Hals ist größer als sein Kopf.“ Doch nichts war größer als seine Frisur.