Was sollen die stän­digen Trainer-Gerüchte beim BVB? Die haben doch den Favre?
Bei Borussia Dort­mund han­delt es sich seit Jürgen Klopps Abschied in gewisser Weise um einen Klub mit Lie­bes­kummer. Das kann man ver­glei­chen mit dieser ersten großen Liebe zu Schul­zeiten, mit der es echt magisch und auf­re­gend war, aber wie das Leben so spielt, trennt man sich aus irgend­einem total blöden Grund, weil man noch zu unreif ist oder der Immo­bile seine Dinger nicht macht und man sich plötz­lich im Abstiegs­kampf seiner Gefühle wie­der­findet. Und dann denkt man, eine Tren­nung sei viel­leicht besser, ver­sucht es mit der schlanken Zicke aus Mainz, stürzt mal mit der bie­deren Öster­rei­cherin aus dem Fan­shop ab, aber ganz so wie früher will es ein­fach nicht mehr werden. Und abends, beim ein­samen DAB an der Theke, an der man rast- und ratlos sitzt, Mat­thias Reim aus den Boxen, fragt man sich, wie es der Ex wohl so geht, guckt mal bei Face­book oder so, ach Mensch, Liver­pool, toll, hat einen rei­cheren, älteren Typen gehei­ratet und ist glück­lich, und man selbst, machste nochma eins, han­gelt sich von Affäre zu Affäre, müsste eigent­lich ganz woan­ders schon im Leben stehen, ver­dammt, rein vom Poten­tial her, mal eine Meis­ter­schaft oder so, aber nee, irgendwie hakt’s und irgendwie hat das damals doch ange­fangen zu haken, wenn man nur die Zeit zurück, Mensch, Jürgen, denkst du manchmal auch noch daran, wir ver­missen dich so, war doch schön, oder?

Worum geht’s bei dem Schwein­furt-Türk­gücü-Rechts­streit?
Bit­tere Kiste: Weil die Saison in der Regio­nal­liga Bayern abge­bro­chen wurde, war lange nicht klar, ob Schwein­furt oder Türk­gücü Mün­chen im DFB-Pokal antreten darf. Das ist für die Klubs nicht unwichtig, schließ­lich erwartet den Verein, der den Rechts­streit gewinnt, in diesem Fall also Schwein­furt, in der ersten Runde ein Freilos und mit ein biss­chen Glück lost die Losfee in der zweiten Runde einen echten Bun­des­li­ga­klub zu. Für die Schwein­furter Halb-Ama­teure wäre eine Zweit­run­den­partie gegen echte Profis natür­lich ein Kar­rie­rehigh­light, vom Finan­zi­ellen mal ganz abge­sehen. Das will sich keiner ent­gehen lassen.

Hä? Warum freuen sich die Wolfs­burger nicht, wenn sie ein Tor schießen?

Warst du schonmal in Wolfs­burg? Falls nicht, Fol­gendes pas­siert dort: Du steigst, wenn der ICE mal anhält, aus dem Zug aus in einen Bahnhof, der die bau­liche Ent­spre­chung des Geräu­sches ist, das man macht, wenn man nach einer großen Ent­täu­schung herz­haft seufzt. Aus der kalten Steppe Nie­der­sachsen weht dir der eisige Hauch der Ver­geb­lich­keit ins Gesicht. Abgase. Kuh­dung. Mett­wurst. Du kannst das Sta­dion sehen, das die bau­liche Ent­spre­chung des Gefühls ist, nasse Socken zu haben. Der zugige Wind pfeift durch die stets leeren Sitz­reihen, du meinst, die Melodie von Ever­y­body Hurts“ zu hören. Im Mit­tel­land­kanal ver­su­chen sich die Fische zu ertränken. Ein roter Golf, der doch grau ist, fährt über die Test­strecke am VW Werk. Irgendwo klap­pern Fens­ter­läden, du denkst: Viel­leicht ist das ihre Art zu weinen. Die Erin­ne­rung an deine Liebsten ver­blasst. Dir wächst eine Funk­ti­ons­jacke. Du goo­gelst die Öff­nungs­zeiten des Marken-Out­lets in Gif­horn. Alles ist egal. Du hast keinen Han­dy­emp­fang. Jemand, bist du es selbst?, schließt einen Bau­spar­ver­trag für ein Rei­hen­haus ab. Du atmest tief aus, mit einem Geräusch, das Luft­bal­lons machen, wenn man sie nach dem Auf­pusten nicht zuge­knotet hat und los­lässt, so wie du dein Leben los­lässt. Jemand zieht sein Bein mit letzter Mus­kel­kraft nach hinten, lässt es nach vorne schwingen, sein Fuß trifft einen mit Luft gefüllten Leder­sack, der über eine weiße Linie rollt. Du über­legst, die beiden oberen Glied­maßen deines Fleisch­ge­fäng­nisses in die Luft zu heben, um freu­dige Anteil­nahme aus­zu­drü­cken, aber du kannst dich ein­fach nicht mehr daran erin­nern, was das ist, Freude.