Alex­ander Bleick, Sie sind seit 1986 Radio­kom­men­tator der Bun­des­li­ga­kon­fe­renz. Gab es für Sie ein Vor­bild?
Der beste von allen bleibt für mich Gerd Ruben­bauer. Er hatte zu seiner aktiven Repor­ter­zeit eine sagen­hafte Mischung, ver­fügte sowohl über die nötige Kom­pe­tenz als auch über eine starke Stimme. Zudem besaß er einen tollen Sprach­schatz, mit dem er die Spiele wun­derbar plas­tisch und humor­voll schil­dern konnte.

Wie ver­lief Ihr Wer­de­gang als Reporter?
Ich habe schon als kleines Kind Samstag für Samstag vor dem Radio gesessen und die Kon­fe­renz gehört. Und schon damals war es immer mein Traum, eines Tages selbst zu kom­men­tieren.

Dann haben Sie eine jour­na­lis­ti­sche Aus­bil­dung absol­viert?
Ganz im Gegen­teil. Ich habe BWL stu­diert.

Damit hätten wir jetzt nicht gerechnet.
Wäh­rend des Stu­diums habe ich begonnen, frei­be­ruf­lich für den NDR zu arbeiten. Als Kom­men­tator habe ich dann in der dritten Liga ange­fangen.

Können Sie sich noch an Ihr Debüt erin­nern?
Con­cordia Ham­burg gegen den Lüne­burger SK. Am 8. Januar 1982. Dann folgten Spiele der zweiten Liga, ehe ich 1986 mein erstes Bun­des­li­ga­spiel kom­men­tieren durfte: HSV gegen Ein­tracht Frank­furt.

Für das Fern­sehen sind Sie bei Schwimm­wett­be­werben im Ein­satz. Worin liegen die größten Unter­schiede zum Radio?
Im Radio ersetzt man dem Hörer die Augen, man beschreibt also, was man sieht. Im Fern­sehen hin­gegen kom­men­tiert man, was der Zuschauer nicht sieht. Das ist so ähn­lich wie beim 11FREUNDE-Live­ti­cker, der auch eher poin­tiert umschreibt, anstatt ein­fach nur das Geschehen wie­der­zu­geben.

Sehen Sie den Live­ti­cker als Kon­kur­renz zur Radio­re­por­tage?
Ich würde eher von einer Ko-Exis­tenz spre­chen, einer Ergän­zung. Wer nicht im Sta­dion ist, und das Spiel nicht am Fern­sehen ver­folgen kann, der schaltet das Radio ein. Der Live­ti­cker ist eher Zusatz.

Wie steht es um die Kon­kur­renz durch das Internet-Radio?
Ich bewerte das grund­sätz­lich positiv. Wett­be­werb ist gut, weil er wach hält. Und auch im Internet gibt es einige sehr gute Kol­legen. Alles in allem bin ich aber der Über­zeu­gung: Die Qua­lität der ARD-Radio­kon­fe­renz ist höher.

Das sehen offenbar auch die Hörer so. Jeden Samstag schalten über acht Mil­lionen Men­schen ein.
Dabei gibt es meiner Mei­nung nach zwei Arten von Fan. Auf der einen Seite den Enthu­si­asten, der so nah wie mög­lich dabei sein will, aber kein Pay-TV bezahlen möchte. Auf der anderen Seite den Fuß­ball-Inter­es­sierten, der die ARD-Bun­des­li­ga­kon­fe­renz im Haus­halt oder außer Haus nebenbei hört.
Graben Sie der Sport­schau eigent­lich die Zuschauer ab?
Im Gegen­teil – da gibt es sicher eine hohe Über­schnei­dungs­rate. Die Radio­kon­fe­renz weckt eher das Inter­esse, später auch den Spiel­be­richt zu sehen, als dass sie die Sport­schau ersetzt.

Sie selbst sind nun seit 28 Jahren dabei. Was hat sich in der Zeit ver­än­dert?
Das Spiel ist viel schneller geworden. Damit änderte sich natür­lich auch der Kom­men­tar­stil. Man hat heute viel weniger Zeit, die Dinge zu schil­dern.

Was hat sich noch geän­dert?
Wir machen uns heute mehr Gedanken dar­über, was wir dem Zuhörer ver­mit­teln wollen. Früher lebte die Kon­fe­renz eher von den Repor­tern, die oft­mals rich­tige Stars waren. Die haben schon mal ihre Sprech­zeiten gestoppt. Es gab zwar auch damals schon eine Rei­hen­folge, nach wel­cher in die Sta­dien geschaltet wurde, aber daran hat sich nicht jeder immer so strikt gehalten. Heute haben wir eine Regie, die die Spiele in den Vor­der­grund stellt und ver­sucht, eine Dra­ma­turgie zu ent­wi­ckeln.

Soviel Eitel­keit hätten wir dem Radio gar nicht zuge­traut.
Es soll sogar mal einen Kol­legen gegeben haben, der in der Halb­zeit den Schieds­richter fest­ge­halten haben soll.

Warum denn das?
Durch den ver­zö­gerten Anpfiff der zweiten Halb­zeit hatte der Reporter die Schluss­phase der Kon­fe­renz ganz für sich allein.

2001 hatten Sie in Ham­burg einen ähn­li­chen Allein­flug.
Die Schalker Meis­ter­schaft der Herzen. Ich saß in Ham­burg und kom­men­tierte das Spiel des HSV gegen die Bayern, wel­ches etwas später begonnen hatte. Manni Breuck­mann berich­tete auf Schalke vom Schluss­pfiff, und gab mir auf den Weg: Wir brau­chen das End­ergebnis, Alex, bitte.“ Die Leute im Sta­dion standen auf ihren Sitzen, ich konnte nichts mehr sehen. Am Ende musste auch ich mich auf meinen Stuhl stellen, halb gebückt in der engen Kabine. Und dann kommt dieser Frei­stoß, ver­schuldet vom Ur-Schalker Mathias Schober. Wenn ich daran denke, bekomme ich noch heute eine Gän­se­haut.

Dabei sollten Sie an dem Tag eigent­lich ganz woan­ders sein.
Ursprüng­lich war ich für das Fern­sehen bei der Deut­schen Schwimm­meis­ter­schaft ein­ge­teilt. Als dann aber das Angebot für den letzten Bun­des­li­ga­spieltag in Ham­burg kam, habe ich nicht lange über­legt. Viele Kol­legen konnten das nicht ver­stehen. Fern­sehen hat bei den meisten dann doch einen höheren Stel­len­wert. Aber im Nach­hinein war meine Ent­schei­dung natür­lich ein abso­luter Glücks­fall.

Wie sieht Ihre Spiel-Vor­be­rei­tung aus?
Ich lese mich im Vor­feld einer Partie durch die Zei­tungen und Vor­be­richte. Auf Sta­tis­tiken hin­gegen lege ich weniger Wert. Ich will nicht mit Zahlen lang­weilen, son­dern ein Gefühl vom Spiel ver­mit­teln. Die Leute sollen ver­gessen, dass sie nebenbei eigent­lich etwas anderes machen wollten.

Wagen wir einen Aus­blick: Glauben Sie an die Zukunft der Radio­kon­fe­renz?
Ich glaube nicht an die Ewig­keit der Dinge, aber die Men­schen haben schon vor 20 Jahren gesagt, dass das Radio sterben wird. Die sta­bilen Hörer­zahlen der letzten Jahre spre­chen eine andere Sprache. Ich bin über­zeugt, dass es immer einen Bedarf an Live-Bericht­erstat­tung jen­seits der Fern­seh­über­tra­gung geben wird. Und ich wün­sche mir natür­lich, dass es die Bun­des­li­ga­kon­fe­renz auch noch in 20 Jahren gibt.