Diego Mara­dona hatte Stil. In einer Zeit, in der Fuß­ball­schuhe aus­nahmslos schwarz waren, fiel mir seine Spiel­füh­rerbinde auf. Er trug ein Exem­plar, an das ich mich viele Jahre später erin­nern sollte. Armin Veh kam eines Tages im Trai­nings­lager auf mich zu und sagte: Nächstes Jahr bist Du mein Kapitän“. Ich war auf­ge­regt. Kapitän. Geile Sache, dachte ich mir. Fer­nando Meira, der amtie­rende Kapitän, war noch ein Jahr im Amt, und ich sollte ihn beerben. Fortan beob­achte ich Fer­nando etwas genauer.

Er war Kapitän der Meis­ter­mann­schaft und bei den Kol­legen ange­sehen. Ich machte mir so meine Gedanken und legte mir einen Plan zurecht, wie ich die Sache angehen wollte. Wenn wieder einmal die Dis­kus­sion über die Bedeu­tung des Spiel­füh­rers geführt wurde, hörte ich auf­merksam zu. Ich hatte eine gute Vor­stel­lung davon, wie ich das Amt aus­füllen wollte. Irgend­wann jedoch fiel mir auf, dass Fer­nando eine Kapi­täns­binde trug, die mir nicht gefiel. Grüne Binde, weißes Logo des Spon­sors drauf und oben­drein war sie auch noch zu groß für mich. Ich hätte dafür ein Jahr im Kraft­raum Gewichte stemmen müssen, um meinen linken Oberarm darin unter­zu­bringen. Ich wollte eine andere tragen.

Also über­legte ich mir, wie sie aus­sehen sollte. In der Vor­be­rei­tung auf die neue Saison, meiner ersten als Kapitän, sprach ich mit unserem Zeug­wart, Michael Meusch. Ich erzählte ihm von meinem Plan und fragte, ob er mir helfen könnte, eine neue Kapi­täns­binde zu ent­werfen. Er war begeis­tert von der Idee, end­lich eine Kapi­täns­binde im Koffer zu haben, die den Verein anständig reprä­sen­tierte. Ich setzte mich mit ihm zusammen und erklärte, dass wir eine Binde benö­tigten, die besser aussah, um meinen Oberarm passe und am besten noch das Ver­eins­logo tragen sollte.

Meusch vergab den Auf­trag und kurze Zeit später wurden die ersten Exem­plare ange­lie­fert. Ziem­lich schlicht gehalten, in Schwarz und Rot, ein­fach zum Über­ziehen. Die Binde saß per­fekt, aber sah den­noch lang­weilig aus. Wir waren uns einig, dass da noch mehr ging. Das Ver­eins­wappen musste drauf.

Auf­grund der vielen Vor­schriften durch die DFL, die bestimmt, wie groß Spon­so­ren­logos sein dürfen und an wel­chem Fleck auf dem Trikot sie ange­bracht sein müssen, befürch­tete ich, dass für sein Wappen kein Platz mehr sei.

Meusch meinte jedoch, dass nichts der­glei­chen vor­ge­schrieben sei. Nächster Ver­such. Diesmal mit Logo Wieder kurze Zeit später erreichten uns die neuen Exem­plare. Ich war zufrieden, aber zwei Details fehlten noch. Ich erin­nerte mich wieder an Diego Mara­dona und seine Spiel­füh­rerbinde. Er trug eine blaue oder weiße mit einem großen C“ darauf. Nicht nur das. Zuerst befes­tigte er sie mit einem ein­ge­nähten Gum­mi­band am Oberarm und schloss dann die Binde mit einem Klett­ver­schluss. Nach dem Spiel löste er ledig­lich den Klett­ver­schluss und die Binde hing lose am Oberarm. Und genauso sollte meine sein. Das Gum­mi­band und der Klett­ver­schluss wurden ergänzt, alles per­fekt.

Ich hatte Diego´s Kapi­täns­binde! Sty­le­mäßig spielten wir in der­selben Liga, aber der schwä­bi­sche Mara­dona wurde trotzdem nie aus mir.