Seite 4: Ich glaube, ich gehöre einfach nicht in diese Stadt

Kurz danach erwischte es Sie per­sön­lich gleich noch ein zweites Mal.
Drei Tage nach dem Spiel rief mich Erich Rib­beck an und sagte: Du bist leider nicht bei der EM dabei.“ Dabei war ich der tor­ge­fähr­lichste Mit­tel­feld­spieler der Liga und die Spiele davor stets im Kader gewesen. Er konnte es mir nicht erklären, viel­leicht war die ver­lo­rene Meis­ter­schaft der Aus­löser. Wir Lever­ku­sener galten danach ja nicht gerade als Sie­ger­typen. Für mich war das sehr bitter. Ich wäre gerne mal bei einem Tur­nier dabei gewesen.

Im glei­chen Sommer wollten die Bayern Sie ver­pflichten.
Ich führte gleich­zeitig Gespräche mit Uli und Dieter Hoeneß. Aber auch heute habe ich noch so ein komi­sches Gefühl, wenn ich in Mün­chen bin. Ich glaube, ich gehöre ein­fach nicht in diese Stadt. Damals ent­schied ich mich für Hertha, auch weil ich unbe­dingt end­lich in meiner Hei­mat­stadt Bun­des­liga spielen wollte. Außerdem war ich fest davon über­zeugt, dass wir mit Hertha Meister werden könnten.

Statt­dessen waren Sie oft ver­letzt, und in Berlin drehte sich fast alles um die Skan­dale der Bra­si­lianer Alves und Mar­cel­inho.
Don­ners­tags hatten wir stets eine Mann­schafts­be­spre­chung, in der wir mit Dieter Hoeneß zusam­men­saßen. Am Anfang sagte er immer den glei­chen Satz: Aber wir reden nicht wieder über die Bra­si­lianer!“. Irgend­wann ist mir der Kragen geplatzt und ich fragte: Wor­über sollen wir denn sonst reden?“

Aus dem großen Wurf mit Hertha wurde nichts, dafür hatten Sie in Ihrer Kar­riere genü­gend andere Dinge zu feiern. Zum Bei­spiel gleich zwei Auf­stiege mit Hansa Ros­tock in die Bun­des­liga. Wel­cher war schöner: 1995 oder 2007?
1995. Damals kam es über­ra­schender, nicht mal die Ros­to­cker selbst hatten uns auf dem Zettel. Jeden Dienstag machten wir einen Mann­schafts­abend und zogen zusammen durch die Kneipen, uns erkannte in der Stadt ein­fach keiner. Als der Auf­stieg dann per­fekt war, spielten wir zum Abschluss in Nürn­berg. Vor dem Spiel rasierten wir uns im Hotel alle den Vokuhila ab, im Spiel machten wir Num­mern­salat mit den Tri­kots, ein Horror für den Kom­men­tator vom NDR. Später ging es mit einer Charter-Maschine zurück nach Ros­tock, wir fuhren mit Cabrios durch die Innen­stadt und fei­erten die ganze Nacht. Aber ich bin nicht nur zweimal auf­ge­stiegen, ich bin auch Meister geworden.

Ist das so?
Ganz spät habe ich doch noch meine Deut­schen Meis­ter­schaften ein­ge­fahren – mit der Ros­to­cker Ü40-Truppe! Und wissen Sie was: Wir holten sogar drei Titel am Stück!