Seite 3: Fabien Barthez setzte sich an den Pfosten

Schwer ver­letzt haben Sie sich aller­dings nur in der Bun­des­liga.
Meine Kar­riere endete nach einer Grät­sche von Duis­burgs Tara­rache, weil sich dabei Stücke vom Knorpel in meinem Knie lösten. Zehn Jahre zuvor hatte mir Thomas Gravesen vom HSV per Ell­bogen das Joch­bein und den Kiefer zer­trüm­mert. Auf den Fern­seh­bil­dern sieht es so aus, als hätte er es mit Absicht getan. Ent­schul­digt hat er sich dafür leider nie.

Wahr­schein­lich hatte er die Faxen dicke, weil Sie mit Lever­kusen so haus­hoch über­legen waren.
Viel­leicht. Wir hatten damals eine phan­tas­ti­sche Mann­schaft: Zé Roberto, Kirsten, Emerson, Bal­lack, Neu­ville, Schneider. Dazu mit Chris­toph Daum einen sehr guten Trainer.

In der Öffent­lich­keit galt Daum als schriller Vogel. Nach einem 0:4 in Monaco ließ er die Mann­schaft nach der Ankunft in Lever­kusen direkt zum Aus­laufen im Sta­dion antanzen. Um vier Uhr mor­gens.
Aller­dings war das keine Schi­kane, son­dern nett gemeint. Statt nach der Ankunft nach Hause zu gehen, ein paar Stunden zu pennen und sich dann mor­gens wieder zu treffen, fuhren wir ins Sta­dion, machten die Flut­lichter an und liefen direkt aus. So hatten wir den nächsten Tag frei. Sauer war Daum eher nach dem Rück­spiel.

Das Spiel endete 2:2, beide Mann­schaften erreichten in der Cham­pions League das Vier­tel­fi­nale.
Trotzdem pfiff uns das gesamte Sta­dion aus. Als Thierry Henry in der 80. Minute den Aus­gleich erzielte, war klar, das dieses Ergebnis beiden Teams zum Wei­ter­kommen rei­chen würde. Also ließ ich mich zwi­schen Chris­tian Wörns und Jens Nowotny in die Innen­ver­tei­di­gung fallen und wir schoben uns eine Vier­tel­stunde lang die Bälle zu. Auf der anderen Seite setzte sich Fabien Bar­thez an den Pfosten. Die Zuschauer wurden richtig wütend.

Unter Daum spielte sich die Mann­schaft regel­mäßig in einen Rausch, gewann etwa in Ulm mit 9:1 oder in Glad­bach mit 8:2. Doch als es im Sommer 2000 um die Wurst ging, wirkte die Mann­schaft in Unter­ha­ching kom­plett gehemmt. Wie oft denken Sie an die ver­spielte Meis­ter­schaft?
Manchmal reicht ein bestimmter Song, und die Gefühle kommen hoch. In dem Sommer sangen unsere Fans ein Lied rauf und runter: Und dann die Hände zum Himmel.“ Wenn ich davon einen Takt auf­schnappe, fühle ich mich zurück­ver­setzt in diese Wochen und an diesen Nach­mittag in Unter­ha­ching. Damals hätte uns am letzten Spieltag ein Punkt gereicht, die Schale war schon im Sta­dion. Es war für uns alle die große Chance, diese groß­ar­tigen Jahre zu krönen. Wir haben es leider nicht geschafft.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Michael Bal­lack das Eigentor erzielte?
Auf den Fern­seh­bil­dern sieht man, wie ich zu ihm gehe und ihm auf­helfe. Ich sagte: Kein Thema, ist doch gerade mal eine halbe Stunde gespielt!“ Zu dem Zeit­punkt habe ich das auch tat­säch­lich geglaubt. Aber an dem Tag hätten wir noch 20 Stunden spielen können, wir hätten kein Tor geschossen. Spä­tes­tens nach dem 0:2 war der Ofen aus, da hätte der Schieds­richter auch abpfeifen können.