Seite 2: Ich sage immer noch „fetzig“!

Wie viel DDR steckt denn heute noch in Ihnen?
Ich sage immer noch fetzig“! Ansonsten kann ich mich noch gut an Mondos“ erin­nern, die Ost-Kon­dome. Aller­dings nur, weil ich damit zu DDR-Zeiten nix zu tun hatte. Ich war ein Spät-Ent­wickler. (Lacht.)

Trotzdem wagten Sie mit 19 Jahren zusammen mit Mat­thias Breit­kreuz den Schritt nach Eng­land. Wie kam Aston Villa darauf, zwei Dritt­li­ga­spieler aus Berlin zu ver­pflichten?
Unser Glück war ein Scout, der uns im Trai­nings­lager in Hol­land beob­achtet hatte. In den Test­spielen waren Matze und ich sehr treff­si­cher, danach funkte der eng­li­sche Scout nach Bir­mingham, dass man auf diese zwei Jungs von Berg­mann-Borsig mal ein Auge haben sollte. Irgend­wann kamen die Ver­ant­wort­li­chen von Villa tat­säch­lich in die Nor­den­darena nach Berlin-Wil­helmsruh – und müssen sich vor­ge­kommen sein wie im fal­schen Film.

Warum?
Weil die Nor­den­darena eine Gar­ten­an­lage mit zwei Tra­versen zum Stehen ist. Und wir vor höchs­tens 200 Zuschauern gegen Spandau spielten. Aber Matze machte zwei Tore, ich spielte auch gut und nach dem Spiel luden uns die Männer beim Gespräch in der kleinen Gar­ten­kneipe nach Eng­land ein.

Klingt nach einem Fuß­ball­mär­chen.
Das war es auch. Ich war zuvor noch nie geflogen, plötz­lich saß ich in der ersten Klasse Rich­tung Bir­mingham. Am Flug­hafen holte uns der Fahrer des Prä­si­denten mit einem Rolls-Royce ab, gepennt haben wir im 17. Stock des Hyatt-Hotels mit Blick über die ganze Stadt. Ein paar Tage später war die Sache fix.

Ging Ihnen das nicht ein biss­chen zu schnell?
Ich hatte in Berlin eine Woche Zeit, alles zu regeln. Da ich offi­ziell arbeitslos gemeldet war, musste ich erstmal zum Amt dackeln. Am Schalter traf ich auf einen ehe­ma­ligen Klas­sen­ka­me­raden aus der Grund­schule. Ich sagte: Du, ich bin nicht mehr arbeitslos. Ich habe vor­ges­tern bei Aston Villa einen Pro­fi­ver­trag unter­schrieben.“ Der hat mich ange­guckt wie ein Auto.

Auch Ihre Wohn­si­tua­tion änderte sich dras­tisch.
In Eng­land hatten meine Freundin und ich plötz­lich ein eigenes Haus. Mit Gäs­te­zimmer, großer Küche, zwei Bade­zim­mern, einem Garten und Dwight Yorke als Nach­barn. In Berlin hatte ich mir bis dahin in der Drei­raum­woh­nung meiner Eltern ein Zimmer mit meinem jün­geren Bruder geteilt. Das war so klein, dass einer auf einem Roll­bett schlief, wel­ches wir immer nachts ins Zimmer schieben mussten.

Sport­lich lief es für Sie bei Villa nicht immer nach Plan. In drei Jahren machten Sie für die erste Mann­schaft nur 17 Spiele.
Ich war ein­fach noch nicht so weit, vor allem kör­per­lich. In meinem ersten Ein­satz, gegen Not­tingham Forest, traf ich in einem Zwei­kampf direkt auf Stuart Pearce. Als ich den Ball annehmen wollte, flog ich im nächsten Moment auch schon über die Bande und bis in die dritte Reihe. Es war nicht mal ein Foul, der Mann hatte ein­fach nur seinen Körper rein­ge­stellt. Er guckte mich an und sagte: German? What do you want?“

Welche berüch­tigten Spieler sind Ihnen noch über den Weg gelaufen?
Vor einem Spiel gegen Wim­bledon stapfte Vinnie Jones mit Turban auf dem Kopf durch die Kata­komben und brüllte rum. Dabei war er gar nicht ver­letzt. Er wollte uns bloß ein­schüch­tern. Ehr­li­cher­weise muss ich zugeben: Das hat er ganz gut hin­be­kommen. Auch John Fas­hanu war übel. Der hat hier mal einen Ellen­bogen ver­teilt, dort mal einen Ellen­bogen ver­teilt, das volle Pro­gramm eben.