Gheorghe Hagi war der Inbe­griff des All­roun­ders. Er ver­fügte über eine klasse Ball­be­hand­lung, eine außer­ge­wöhn­liche Über­sicht, konnte mit Pässen eine Abwehr file­tieren oder den Ball aus der Distanz brutal ins Netz schweißen. Dazu besaß er ein Gefühl im Fuß, das die meisten nicht mal nach einer Thai­län­di­schen Reflex­zo­nen­mas­sage haben. All das bescherte ihm einen Platz in der FIFA 100 (einer von Pelé zusam­men­ge­stellten Liste der 125 besten Fuß­baller) – und uns dieses Traumtor.

Aber zunächst noch ein paar Worte zum Kar­paten-Mara­dona“. Hagis Kar­riere begann in seinem Hei­mat­land Rumä­nien. Sein großes Talent war offen­sicht­lich, und so wurde er zur Saison 1986/87 mit 21 Jahren zu Steaua Buka­rest, dem dama­ligen Gewinner des Euro­pa­pokal der Lan­des­meister, trans­fe­riert. In seiner ersten Saison bei Steaua gewann er mit dem Team den UEFA-Supercup und schoss das ent­schei­dende Tor zum 1:0‑Endstand gegen Dynamo Kiew.

Große Bühne USA

Wäh­rend seiner drei Jahre in Buka­rest gewann er außerdem drei Mal die Meis­ter­schaft, zwei Mal den Rumä­ni­schen Pokal und stand 1989, als Tor­schüt­zen­könig des Wett­be­werbs, im Finale des Euro­pa­pokal der Lan­des­meister. Längst war er das sport­liche Aus­hän­ge­schild der Nation und Pres­ti­ge­ob­jekt des dama­ligen Macht­ha­bers Nicolae Ceaușescu. Auch des­wegen ließ man ihn erst 1990 ins west­eu­ro­päi­sche Aus­land wech­seln. Nach der WM in Ita­lien unter­schrieb er einen Ver­trag bei Real Madrid. Bei Real konnte Hagi sich aller­dings nicht nach­haltig durch­setzen und ver­ließ den Verein nach zwei Jahren Rich­tung Ita­lien.

Die WM 1994 in den USA sollte seine große Bühne werden, um sich nochmal für die ganz großen Klubs zu emp­fehlen.

Wir sind beim WM-Auf­takt­spiel der Rumänen gegen Kolum­bien. Es ist die 34. Spiel­mi­nute, als Hagi den Ball auf dem linken Flügel bekommt, gut und gerne 40 Meter vom spä­teren Ein­schla­gort ent­fernt. Schon bei der Ball­an­nahme visiert er das Tor an, bemerkt, dass der Tor­wart nicht mit einem Schuss auf die lange Ecke rechnet. Warum auch? Hagi weiß längst, was er vor hat. Er nimmt den Ball noch ein paar Schritte Rich­tung Herr­lich­keit mit, bevor er ihn mit einer unnach­ahm­li­chen Mischung aus Energie und Fein­ge­fühl in den langen Winkel schießt. Wenn es jemals Zweifel gab, ob es mög­lich ist kraft­voll zu strei­cheln, so hat Hagi sie mit diesem Tor aus­ge­räumt.

Dieses Tor zum 2:0 trug maß­geb­lich zum guten WM-Start für Rumä­nien bei. Bereits den Füh­rungs­treffer hat Hagi mit einer feinen Ein­zel­leis­tung im Mit­tel­feld ein­ge­leitet.

Gheorghe Hagi spielte eine groß­ar­tige WM mit Rumä­nien und sorgte mit dem Team für den größten Erfolg in der Fuß­ball­ge­schichte des Landes. Im Ach­tel­fi­nale schickten die Rumänen sogar Argen­ti­nien mit einem 3:2‑Sieg auf den Heimweg und schei­terten erst im Elf­me­ter­schießen des Vier­tel­fi­nals am spä­teren Dritt­plat­zierten Schweden. Mit seiner starken Leis­tung bei der WM emp­fahl sich Hagi für den FC Bar­ce­lona, der ihn im Anschluss an das Tur­nier unter Ver­trag nahm.

In Bar­ce­lona wurde jedoch Hagi auch nie wirk­lich glück­lich, und so wech­selte er zu Gala­ta­saray Istanbul, wo er seine Kar­riere erfolg­reich been­dete. Gala­ta­saray gewann mit Hagi, als erste tür­ki­sche Mann­schaft, den UEFA-Cup und den UEFA-Supercup, außerdem vier Mal die tür­ki­sche Meis­ter­schaft und zwei Mal den Tür­ki­schen Super­pokal.