Michael Nus­höhr, kennen Sie noch Jürgen Rynio?

Michael Nus­höhr: Ja, natür­lich. Am 8. Februar 1986, als wir mit Stutt­gart gegen Han­nover mit 7:0 gewannen, stand Rynio im Tor der 96er. Ich legte ihm drei Elf­meter ins Tor.



Wussten Sie, dass er mit Han­nover bereits eine Woche vorher mit 0:5 in Mün­chen verlor und eigent­lich nur den ver­letzten Stamm­tor­hüter Ralf Raps ver­trat?

Michael Nus­höhr: Nein, das war im Grunde auch neben­säch­lich. Wir haben uns nur auf unsere Auf­gabe kon­zen­triert.

Können Sie sich heute, 22 Jahre danach, über­haupt noch an Ein­zel­heiten des Spiels erin­nern?

Michael Nus­höhr: Ja, ich habe das Spiel vor Augen, als ob es ges­tern gewesen wäre. Es war recht kühl, der Platz gefroren und recht bald merkten wir, dass die Han­no­ve­raner – wahr­schein­lich auch wegen der Nie­der­lage in der Vor­woche – ziem­lich ver­un­si­chert waren. Wir haben das Spiel glas­klar domi­niert. Das sieht man ja letzt­end­lich auch am Ergebnis.

Bei wel­chem der drei Elf­meter (37., 63. und 67. Minute) war Ihre Auf­re­gung am größten?

Michael Nus­höhr: Beim dritten Elfer. Beim ersten war ich noch sehr kon­zen­triert, beim zweiten schon über­rascht und beim dritten wusste ich beim Anlaufen ein­fach nicht mehr, wo ich hin schießen sollte. (lacht)

Nie zuvor hatte ein Spieler in einer Partie drei Elf­meter ver­wan­delt. Wussten Sie, dass der dritte Elf­meter Bun­des­li­ga­re­kord bedeuten würde?

Michael Nus­höhr: Nein, nein, dass habe ich erst vor drei Jahren erfahren. Da kam beim DSF eine Sen­dung über Rekord­halter und Freunde erzählten mir dar­aufhin, dass ich der Elf­me­ter­re­kordler bin.

War Ihnen auch bewusst, dass das 7:0 einer der höchsten Heim­siege des VfB Stutt­gart ist?

Michael Nus­höhr: Ach so! Inter­es­sant, Inter­es­sant! (lacht) Schön, bei beidem dabei gewesen zu sein. Vor einem Jahr war die ARD bei mir und hat ein Inter­view für die Sport­schau gemacht. Die waren auch sehr über­rascht, wie leb­haft ich Ihnen das schil­dern konnte. Ich kann heute noch genau sehen, wie die Bälle geflogen sind.

War es so leicht, damals gegen Han­nover Tore zu schießen? Oder spielten der VfB irgend­wann wie im Rausch?

Michael Nus­höhr: Wir haben ein­fach ein gutes Spiel gemacht, Han­nover war in der Phase sicher­lich über­for­dert. Da hat inner­halb der Mann­schaft das Selbst­ver­trauen gefehlt. Sie waren zudem Auf­steiger und waren noch gar nicht an die Bun­des­li­gag­angart gewöhnt. Am Ende sind sie ja auch wieder abge­stiegen.

Waren Sie eigent­lich der gesetzte Elf­me­ter­schütze?

Michael Nus­höhr: Nein, eigent­lich nicht. Weil wir aber in dieser Saison schon einige Elf­meter hatten und drei in Füh­rungs­spieler von uns – näm­lich Sigur­v­insson, Klins­mann und Buch­wald – die Elf­meter nicht ver­werten konnten, trai­nierten wir just vor dem Han­nover-Spiel Elf­meter. Ich schien dabei ziem­lich sicher und der Trainer meinte, ich solle den nächsten Elfer im Spiel schießen. Er tat gut daran. (lacht)

Auch danach haben Sie wei­terhin Elf­meter geschossen?

Michael Nus­höhr: Ja, es gab zwei Monate später in einem Spiel noch einen Elf­meter für uns. Wir spielten gegen Ein­tracht Frank­furt, und ich ver­wan­delte erneut. Das war mein viertes und letztes Tor in der Saison. Die vier Bun­des­li­ga­tore meiner Kar­riere waren also alle­samt Elf­meter.

Sie waren schon immer ein sicherer Elf­me­ter­schütze?

Michael Nus­höhr: Ja sicher­lich! Im Junio­ren­be­reich, beim SSV Ulm oder auch in den Aus­wahl-Teams des baden-würt­tem­ber­gi­schen Fuß­ball­ver­bands habe ich natür­lich schon einige geschossen. Aber es waren die ersten für den VfB und dann gleich drei!

Mussten sie nicht läs­tige Kol­legen vor dem dritten Elf­meter abwim­meln, die dann auch mal wollten?

Michael Nus­höhr: Jürgen Klins­mann war ein wenig ver­är­gert. Der hätte bestimmt gerne alle drei Dinger selber rein gemacht. Er hat mich etwas ver­schmitzt ange­schaut, doch Karl All­göwer hat mich dazu auf­ge­for­dert noch einen zu schießen. Er lachte und meinte: Den hauste jetzt auch noch rein.“

War das Ihr schönstes Spiel der Kar­riere?

Michael Nus­höhr: Das kann ich so gar nicht mal sagen, aber bestimmt das Spiel, an das ich mich am liebsten erin­nere – es war ein­fach das Außer­ge­wöhn­lichste. Doch auch das Pokal­halb­fi­nale gegen Werder Bremen oder das End­spiel gegen Bayern Mün­chen 1986 in Berlin sind mir in Erin­ne­rung. Doch eher als etwas Gesamtes. Bei dem Spiel gegen Han­nover denke ich vor allem an die Elf­meter.

Das Spiel gegen Han­nover fand am 22. Spieltag statt. Vor der Begeg­nung düm­pelte der VfB im Mit­tel­feld der Tabelle, am Ende der Saison sprang dann doch noch der 5. Platz raus. War dieses Spiel ein Schlüs­sel­spiel?

Michael Nus­höhr: Nein, sicher­lich nicht! Wir haben eine gute Rück­runde gespielt, und, hätten wir noch den DFB-Pokal gewonnen, dann wäre aus einer ordent­li­chen noch eine tolle Saison geworden.

Wie fühlten Sie sich nach dem Spiel?

Michael Nus­höhr: Im Prinzip haben wir es gar nicht so richtig glauben können. Ich habe mich aber wirk­lich in erster Linie dar­über gefreut, dass wir gewonnen hatten. Dass die Elf­meter etwas Beson­deres waren, war mir damals nicht bewusst.