Seit dem ver­gan­genen Wochen­ende müssen sich Mos­lems in der ganzen Welt wieder in Ent­beh­rungen und Wil­lens­stärke üben. Der Fas­ten­monat Ramadan hat begonnen. Bis zum 22.Oktober darf der gläu­bige Moslem an sich, so will es der Koran, zwi­schen Son­nenauf- und Son­nen­un­ter­gang weder essen noch trinken.

Für betrof­fene Leis­tungs­sportler ist dies eine schwie­rige Auf­gabe, die zu erfüllen fast unmög­lich ist.
So suchen viele mos­le­mi­sche Kicker einen Mit­telweg zwi­schen Fasten und Fuß­ball.
Die Fas­ten­zeit ist für mich sehr wichtig, aber als Leis­tungs­sportler muß ich auch auf eine aus­ge­wo­gene Ernäh­rung achten und viel Flüs­sig­keit zu mir nehmen“ erklärt Schalkes Stürmer Halil Alt­intop den all­jähr­li­chen Gewis­sens­kon­flikt im Herbst.
Alt­intop hat seinen Weg gefunden. Nur an freien Tagen ohne Trai­ning hält sich der tür­ki­sche Natio­nal­spieler an die strikten Regeln.
Sein Bun­des­liga-Kol­lege und Mit­spieler im Team mit dem Halb­mond auf der Brust, Yil­d­iray Bastürk, ist da ein wenig frommer. Zumin­dest in diesem Jahr hält sich Her­thas kleiner Regis­seur an das Gebot: An Spiel­tagen ver­zichte ich sonst auf das Fasten, aber durch meine Knie­ver­let­zung ist es mir dieses Jahr mög­lich, das jeden Tag zu tun.“ So kann man auch einer Ver­let­zung posi­tive Seiten abge­winnen…
Auch Bre­mens Mohamed Zidan wagt den Spagat zwi­schen Sure und Sport: Ich bin und bleibe Moslem, aber eben auch Leis­tungs­sportler. Und diesen Anfor­de­rungen kann ich nur bei ver­nünf­tiger Ernäh­rung genügen“ erklärt der ägyp­ti­sche Cham­pions League-Teil­nehmer mit Werder Bremen.

Natür­lich gibt es aber auch einige bein­harte Glau­bens­brüder, die das volle Pro­gramm durch­ziehen“, wie es Abde­laziz Ahanfouf nennt. Der zur­zeit mit einem Waden­bein­bruch gehan­di­capte Mar­ro­kaner kennt, was den Ramadan angeht, kein Pardon: Egal, ob Spieltag ist oder nicht, ich faste.“ Im Gegen­teil fühlt sich der Bie­le­felder Stürmer vom leeren Magen sogar beflü­gelt, habe er nach eigener Aus­sage doch seine besten Spiele wäh­rend der Fas­ten­zeit gemacht. Und bedient sich einer alten, immer wieder gern zitierten Weis­heit: Der Glaube ver­setzt eben Berge“, meint Ahanfouf.

Aus medi­zi­ni­scher Sicht hin­gegen ist diese Kom­bi­na­tion aus Fröm­mig­keit und Fuß­ball nicht unbe­dingt emp­feh­lens­wert. Wil­fried Kin­der­mann, seines Zei­chens lang­jäh­riger medi­zi­ni­scher Betreuer der DFB-Elf, räumt zwar ein, dass jeder Mensch unter­schied­lich reagiert. Nichts­des­to­trotz ver­weist er darauf, dass wäh­rend des Fas­tens Kreis­lauf­be­schwerden und Kon­zen­tra­ti­ons­schwä­chen ver­stärkt auf­treten können: Die Flüs­sig­keits­ver­luste werden nach dem Trai­ning oder Spiel nicht aus­ge­gli­chen, das ist eine Ursache für ver­min­derte Leis­tungs­fä­hig­keit. Viel wich­tiger ist aber, dass die Rege­ne­ra­tion ver­zö­gert wird. Ohne Auf­nahme von Koh­len­hy­draten drohen Mus­kel­krämpfe, ‑ver­let­zungen und Infekte“ warnt Kin­der­mann vor allzu harter Aus­le­gung des Korans.

Doch wie heißt es so schön? Des Men­schen Wille ist sein Him­mel­reich.
Und solange man gut spielt, wird auch nichts in Frage gestellt…