Ich traf auf meinen Sta­tionen rund um die Erde inter­es­sante Figuren, groß­ar­tige Per­sön­lich­keiten und Ham­pel­männer, die sich für groß hielten. Sym­pa­thi­sche, Mil­lio­nen­schwere, Blender, Betrüger und den leib­haf­tigen Wahn­sinn! Klaus Kinski. In den Edgar-Wal­lace-Kla­motten der sech­ziger Jahre spielte er schon über­zeu­gend den Irren vom Dienst.

Her­zogs Augen strahlen eine nie ver­sie­gende Energie aus

Ich erlebe ihn hautnah im Urwald. Bei einem belang­losen Emp­fang in der deut­schen Bot­schaft von Lima stoße ich zum ersten Male auf Werner Herzog. Wer Herzog nicht kennt, könnte ihn für einen Schwärmer halten. Die Haar­tracht des Fil­me­ma­chers, seine zarte Stimme geben ihm etwas Wei­ches. Doch in seinen klaren Augen sehe ich schnell die unge­heure Wil­lens­kraft, die nie ver­sie­gende Energie.

Herzog erzählt mir von seinem neu­esten Plan: Aguirre, der Zorn Gottes“. Ein spa­ni­scher Eroberer schip­pert im 16. Jahr­hun­dert den Ama­zonas her­unter, um die Stadt Eldo­rado und ihre sagen­haften Gold­schätze zu ent­de­cken. Der beses­sene Kon­quis­tador wird um seine Träume betrogen und siecht auf den Strom­schnellen dem Tode ent­gegen. Herzog: Ich kenne nur einen Schau­spieler, der den Aguirre dar­stellen kann: Kinski.“

Herzog lädt meine dama­lige Frau Ute und mich zu den Dreh­ar­beiten ein. Kinski erscheint mit unend­lich viel Gepäck und einer Kiste Sel­ters­wasser. Aller­dings nicht zum Trinken, son­dern weil seine bild­hüb­sche Viet­na­mesin, Gene­vieve, sich damit die Füße waschen lässt. Alles Geschmack­sache.

Das Beste an Kinski ist seine rei­zende Frau

In Iquitos, dem letzten Stopp vor dem Ein­dringen in den Urwald, fragt unser Tro­pen­arzt: Bekommen Sie Anfälle, Herr Kinski?“ Ja, täg­lich, du Arsch! Du auch?“, ant­wortet Kinski. Er läßt sich gegen alles mög­liche impfen. Gegen Krank­heiten, die es am Ama­zonas gar nicht gibt. Cho­lera zum Bei­spiel. Nur eine Gelb­fie­ber­imp­fung lehnt er ab, obwohl gerade diese wichtig ist. Denn die Gefahr von Gelb­fieber lauert in der grünen Hölle“ von Peru.

Das Beste an Kinski ist seine rei­zende Frau, Gene­vieve. Sie erträgt ihn. Sie hat ihn schon erduldet, als er mit ihr und zwei wei­teren Gespie­linnen eine Villa an der Via Appia in Rom behauste. Die gra­zile Viet­na­mesin erzählt es Ute. Die beiden tuscheln und gig­geln wie Kinder.