Frei­burg holt Der­rida für vier Mil­lionen“, las ich ges­tern, erstaun­li­cher­weise nicht im Feuil­leton, son­dern im Sport. Nun ist Frei­burg ja durchaus als Bas­tion des Hoch­geistes bekannt (Edmund Hus­serl, Martin Hei­degger, Volker Finke). Aber vier Mil­lionen für einen, den die New York Times“ einmal als abstrusen Theo­re­tiker“ bezeich­nete? Dem Noam Chomsky eine prä­ten­tiöse Rhe­torik zuschrieb, die bewusst der Ver­un­kla­rung seiner Ideen diene? Was wollen die Breis­gauer mit einem, der für die Galerie spielt und seit 2004 nicht mal mehr zum Ein­satz gekommen ist?

Ich dachte an Uwe Spies (180 Spiele für den SC Frei­burg), den die Sport­schau“ einst als Straf­raum-Melan­cho­liker“ bezeich­nete und der Tor­chancen ver­un­klarte, weil er viel­leicht anderen, grö­ßeren Gedanken nach­hing.

Frei­burg, ein Uni­ver­si­täts­verein

An den Maschi­nen­bau­stu­denten Andreas Zeyer. An Finkes Ver­gan­gen­heit als Ober­stu­di­enrat für Sport, Sozi­al­kunde und Mathe­matik. Und an Chris­tian Streich, der als Lehrer für Deutsch und Geschichte gear­beitet hat.

Wo, wenn nicht hier, in der uni­ver­si­tärsten aller Bun­des­li­ga­städte, könnte dieser Der­rida also reüs­sieren? Zumal ein gewisser Karl­heinz Ruhstorfer dort, den Transfer beglei­tend, gerade das Seminar Der­ridas Gott und der Anfang des Den­kens“ abhält. Ich dachte aber auch an Jens Todt, der schließ­lich sagte: Pro­fi­fuß­ball und Stu­dium lassen sich nicht ver­ein­baren.“

Und dann las ich noch mal nach: Frei­burg holt Darida für vier Mil­lionen Euro“, hieß es viel­mehr. Vla­dimir, nicht Jac­ques. Tsche­chi­scher Mit­tel­feld­spieler, nicht fran­zö­si­scher Dekon­struk­ti­vist. Man sollte Texte eben mehr­fach lesen, ja: regel­recht aus­ein­ander nehmen.