Seite 2: Stabil und flexibel

3. Defen­sive Sta­bi­lität

Bei aller Domi­nanz und bei allen Ver­su­chen, spie­le­risch den Gegner zu domi­nieren, wäre es falsch, Bre­mens Fuß­ball als offensiv zu bezeichnen. Der große Vor­teil ihrer ein­ge­übten Spiel­züge ist die Tat­sache, dass alle Spieler nach Ball­ver­lusten sofort wissen, was sie zu tun haben. 

Bre­mens größte Stärke: Sie üben sofort Druck nach Ball­ver­lusten aus. Erobern sie den Ball nicht, ziehen sie sich sofort in eine enge 4 – 1‑4 – 1‑Ordnung zurück. Möchten sie den Druck auf den Gegner hoch­halten, schießen Klaassen oder Egge­stein nach vorne. Auch im Spiel gegen den Ball über­zeugt Bremen also mit klaren Abläufen. Mit gerade einmal acht Gegen­toren nach acht Spielen befindet sich Werder auf dem Kurs, den Koh­feldt vor­ge­geben hat. Er möchte, dass die Mann­schaft maximal 40 Gegen­tore in dieser Saison kas­siert.

4. Neu gewon­nene Fle­xi­bi­lität

Koh­feldt favo­ri­siert zwar ein 4 – 3‑3-System. Gerade in den ersten Monaten seiner Amts­zeit hielt er recht starr an diesem System fest. Doch mitt­ler­weile beherrscht sein Team auch andere Vari­anten, bei­spiels­weise eine Raute oder For­ma­tionen mit einer Fün­fer­kette. Damit kann Koh­feldt auf Pro­bleme inner­halb von Spielen schnell reagieren.

Der Sieg gegen Schalke war ein Para­de­bei­spiel: Nachdem Schalkes Trainer Dome­nico Tedesco in der Pause auf eine Rau­ten­for­ma­tion umge­stellt hatte, drohte Bremen die Partie zu ent­gleiten. Koh­feldt brachte mit Claudio Pizarro einen wei­teren Stürmer sowie mit Sebas­tian Lang­kamp einen wei­teren Ver­tei­diger. Er stellte damit von einem 4 – 3‑3-System auf ein 5−3−2 um. Im neuen System bekam Bremen das Spiel in den Griff.

5. Maxi­mi­lian Egge­stein

Man sollte nicht den Fehler begehen, Bremen als Top-Team ohne Schwä­chen anzu­sehen. Bremen kann die eigene Domi­nanz noch zu selten in Tor­chancen umwan­deln. Bei den abge­ge­benen Tor­schüssen und in der Expected-Goals-Sta­tistik, die die Qua­lität von Tor­chancen misst, befindet sich Bremen nur im Mit­tel­feld der Liga. Doch Bremen macht der­zeit aus wenigen Tor­chancen viele Tore. Knapp jeder siebte Schuss landet im Tor, das ent­spricht dem fünft­besten Wert der Liga. 

Bre­mens Effi­zienz liegt nicht zuletzt an Maxi­mi­lian Egge­stein: Der Mit­tel­feld­spieler avan­ciert dank seiner Distanz­schüsse zum Top-Tor­jäger der Bremer. Seine Schüsse aus der zweiten Reihe sind auch des­halb so eine gefähr­liche Waffe, weil sie das größte Bremer Pro­blem kaschieren. Gerade im letzten Drittel fehlt dem eigenen Ball­be­sitz­spiel die Finesse, sodass Bremen zu selten in den Straf­raum gelangt. Gegen Schalke gaben sie gerade einmal fünf Schüsse inner­halb des Straf­raums ab. Und den­noch gewannen sie dank zweier Tore von Egge­stein. 

Der Bremer Traum, nach einer Saison des Abstiegs­kampfes im fol­genden Jahr schon um die Europa League zu spielen – er klingt nach acht Spiel­tagen nicht mehr ganz so unrea­lis­tisch.